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Der blinde Hirte am Stein

HINTERGRUND / SALZBURGER ADVENTSINGEN

29/11/17 Immer aufschlussreich, wenn die langjährigen Macher des Salzburger Adventsingens im Großen Festspielhaus aus der Schule plaudern. Hans Köhl, der Adventsingen-Leiter, wünsche sich immer einen schlanken, duftigen Engel, plauderte Kostümbildner Hellmut Hölzl aus.

Von Reinhard Kriechbaum

Nicht, dass der diesjährige Engel, Eva Schinwald, figürlich dieser Vorstellung nicht hundertfünfzigprozentig entspräche. Aber das Gewand! „Weiß und dünn ist durchsichtig“, sagt Hellmut Hölzl. Die Machos unter den Zuschauern täte das vermutlich überhaupt nicht stören, aber Hölzl hat dem Engel zwecks himmlischer und irdischer Sittsamkeit dann doch ein Untergewand aus blickdichtem Material verpasst, wie es sonst hinter Gaze-Vorhängen Verwendung findet.

Der musikalische Leiter Herbert Böck wird von Studentinnen immer wieder gefragt, wann wieder eine Rolle neu zu besetzen wäre. Die Auswahl müsse streng sein, nur wenige kämen infrage. Die Maria – Simone Vierlinger – und der Engel – Eva Schinwald – seien schon vor zehn Jahren im Elite-Hochschulkammerchor gesessen, „und die beiden waren schon damals keine Chor-Schafe“, erinnert sich Böck. Die Hauptrollenträgerinnen beim Adventsingen müssten sich über den Chor und die Trompeten stimmlich durchsetzen, aber ihre Stimmen auch gleich wieder so zurücknehmen können, dass das eben zum Volkslied-Ton passt. „Das findet man nicht alle Tage“, so Böck.

Der erfahrene Chorpädagoge freut sich über den Salzburger Volksliedchor, der „jung, frisch, fein“ geworden sei. Shane Woodborne, der für heuer als Komponist tätig war, fordert die Sängerinnen und Sänger diemal mit Sprechchören heraus, das sind dann die bösen Mächte, die einmal dem Josef bedrohlich nahe rücken.

„Romantisch, erdig, kalt, warm, einfach berührend“ – das fällt der Regisseurin Caroline Richards zur diesjährigen Handlung ein. „Es ist eben nicht immer die gleiche Geschichte.“ Das Pressegespräch findet jedes Jahr auf der Bühne des Großen Festspielhauses statt, und so hat man schon mal an den Dekorationen sehen können, dass das diesjährige Spiel auf der kargen Fläche „Am Stein“ angesiedelt ist. Im Hintergrund sieht man den Dachstein mit dem Gosauer und Hallstätter Gletscher. Ein bisserl sieht es so aus, als ob man Krippenfiguren des legendären Xandi Schläffer in diese Dekoration stellen könnte. Mal schauen, ob die Darsteller heuer auch so exzessiv gestikulieren wie dessen markante Krippenfiguren.

Aber das wäre natürlich nicht das Ziel. Hans Köhl geht es in seiner Geschichte um den „blinden Hirten“, der doch hellsichtig das Kommende im Auge hat. Wolfgang Hundegger spielt diese Rolle, und die Hirtenkinder Lorena Resch, Josef Auer und Valentin Nagl sorgen dafür, dass er als Blinder unbeschadet über die Bühne mit den vielen steilen Stufen kommt. Bei den bisherigen Proben (bei denen auch gleich wieder die zur Premiere schon fertige Doppel-CD aufgenommen wurde) ist alles gut gegangen.

Und a propos gehen: „Ich darf fünf Mal über die ganze Bühnenlänge gehen“, sagt die Darstellerin der Maria, Simone Vierlinger. Das ist bei den Dimensionen des Großen Festspielhauses womöglich schon mehr Weg, als der Durchschnitts-Österreicher täglich zu Fuß zurücklegt. Den Josef spielt und singt schon im zehnten Jahr Bernhard Teufl. Er schätzt die Routine und Entspanntheit, die sich da einstellen. „Es ist schon ein Luxus, wenn man zehn Jahre lang der Josef ist.“

Salzburger Adventsingen 2017, fünfzehn Aufführungen von 30.11. bis 16.12., fürs dritte Wochenende gibt es noch freie Plätze, aber dank Internet-Buchung ist es auch möglich, für die vielen schon ausverkauften Vorstellungen kurzfristig zurückgegebene Karten zu ergattern – www.salzburgeradventsingen.at
Bilder: Salzburger Adventsingen

 

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