Aus der Lehrstube von Jungchoreographinnen

PNEU / CIUPKE & ORHON, SCHWARZBACH

18/01/18 Man muss gratulieren: Christina Ciupke und Ayşe Orhon, zwei junge Tänzerinnen und Choreographinnen, sind draufgekommen, dass Wahrnehmung etwas mit Nähe zu tun hat. Und zwar direkt proportional. Je näher, desto mehr kriegt man mit vom anderen.

Von Reinhard Kriechbaum

Das ist in etwa das bescheidene gedankliche Gebäude hinter der Choreographie „At Close Distance“, die sie am Dienstag und Mittwoch(16./17.1.) beim Festival PNEU der Szene in der ARGEkultur haben sehen lassen. Tanz-Kuratorinnen finden wesentlich mehr schwurbelige Worte um die simple Sache. Zwei junge Damen in Pullovern und fleischfarbenen Strumphosen machen sich also auf die Suche nacheinander. Weit entfernt auf lange Zeit, dann eben näher, einander beobachtend, lauernd. Schön, wenn in einer Szene endlich die vier Hände zueinander finden. Und anschaulich, wenn die beiden in einer Hebefigur quasi die je eigene Körperbalance erkunden.

Das passiert in extremer Slow-Motion, auf völlig leer geräumter Bühne, die nur ein Lichtstrahl schräg durchschneidet. Zwei Tänzerinnen finden zueinander, und sie tun das höchst konzentriert und mit einem Minimum an Bewegung. Nicht eine Geste zu viel, aber Botschaft wohl zu wenig. Eine schöne Aufgabenstellung jedenfalls innerhalb einer Ausbildung zur Körperkünstlerin. Als Zuschauer lernt man zumindest: Geduld.

Geduld braucht es auch für Julia Schwarzbach. Ihr Beitrag „with us“, realisiert mit dem Amerikaner Nic Lloyd, ist Salzburger Beitrag zum PNEU-Festival und im Tanz_house Studio zu sehen. Auch das eine Erkundung von Raum.

Erst ist die Tänzerin/Choreographin unter einem riesigen Kunstleder Fleck verborgen, aus dem sie sich erst befreit. Dieses Accessoire bleibt so etwas wie die zweite Haut, wogegen sich der Partner eine solche aus einer Plastik-Abdeckfolie (erhältlich beim Malerbedarf) zulegt. Was erfährt man da nicht alles über Plastik.

Die Folie wölbt sich leicht und duftig, wogegen das Kunstleder höchstens Knitterfalten bildet. Nylon raschelt, Leder knarzt, wenn's überhaupt Töne von sich gibt. Damit der Plastik nicht genug. Eine Modelliermasse wird in Wurstform gedrückt und fällt in Teilen zu Boden wie Hundstrümmerln. Und dann gibt’s Plastik noch in Form einer Vinylschallplatte und in Form eines überlangen Mikrophonkabels, das in Schlingen gelegt wird und also auch für Form steht. Über den Begriff denken beide Performer intensiv nach.

„with us“ von Julia Schwarzbach ist heute Donnerstag (18.1.) und Freitag (19.1.) jeweils um19 Uhr im Tanz_house Studio in der ARGEkultur zu sehen. Das Festival PNEU der Szene Salzburg dauert noch bis Samstag (20.1.) – www.szene-salzburg.net
Bilder: Bernhard Müller