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Der unglückliche Friedensfürst

HINTERGRUND / DIABELLISOMMER / TASSILO

20/06/13 Die Spielstätte, in der 2013 die Oper über sein Leben uraufgeführt wird, hat er anno 760 selber gegründet. Sonst wissen wir nicht besonders viel über den Titelhelden der neuen Oper von Herbert Grassl. „Harisliz. Die Fahnenflucht Tassilos“ wird am Freitag (21.6.) in der Stiftskirche Mattsee aus der Taufe gehoben.

Von Heidemarie Klabacher

Dass der große Fürst den Intrigen eines noch Größeren zum Opfer fällt, gehört sich nur für einen Opern-Helden.

„Dass Tassilo nach seinen Kärntner Siegen kaum mehr an Kriegen interessiert war, dass er eher auf Diplomatie setzte, dass er ein Kulturstifter ersten Ranges war, dass er auch mit Bischof Virgil in Salzburg eng zusammenarbeitete – dies lässt sich aus den dürren historischen Fakten herauslesen“, sagt Gottfried Franz Kasparek. Der Intendant des Mattseer Diabelli Sommers muss es wissen: Er hat das Libretto geschrieben. Die Kirchenoper über den Fürsten aus dem Geschlecht der Agilolfinger ist ein Auftragswerk des Mattseer Diabelli Sommers an den Salzburger Komponisten Herbert Grassl.

Eine Tassilooper passt inhaltlich perfekt nach Mattsee: Herzog Tassilo III. von Bayern gründete um das Jahr 760 das Benediktinerkloster Mattsee, das im 11. Jahrhundert in ein weltpriesterliches Collegiatstift umgewandelt wurde und bis heute besteht. Tassilo, war der letzte der seit etwa 550 Bayern regierenden Agilolfinger. Er übernahm 757 mit 16 Jahren für drei Jahrzehnte die Herrschaft über ein Gebiet, zu dem Ober- und Niederbayern,Tirol, Salzburg, große Teile des heutigen Oberösterreich und Kärntens umfasste. Tassilo war dem Frankenkönig Karl zwar lehenspflichtig, regierte jedoch faktisch als Souverän in seinem Land. 763 soll er sich geweigert haben, an einem Feldzug in Aquitanien teilzunehmen, was ihm von den Franken als „Harisliz“ ausgelegt wurde – ein Schwerverbrechen: Heeres- oder Fahnenflucht. Das Wort hat dem neuen Werk den Titel gegeben.

Anklage gegen Tassilo wurde freilich erst 25 Jahre nach dem Feldzug erhoben. Wahrscheinlich hat König Karl, später „Der Große“, einfach einen zu mächtig gewordenen Verwandten los werden wollen. 788 wurde Tassilo abgesetzt. Der Fürst, der selbst 18 Klöster gegründet hatte, wurde – Ironie der Geschichte - ins Kloster verbannt. Seine Familie ist verschwunden.

In der Uraufführung der neuen Oper singt Stephan Loges die Titelrolle, Bernadette Furch seine Ehefrau Liutberga, Bernhard Landauer den Gegenspieler Karl den Großen und John Bellemer den Herold.

„Die Konzentration auf vier Rollen – Tassilo, Liutberga, Karl der Große, Herold - , ein Gesangsensemble von Mönchen und ein kleines Orchester ergab sich aus der Aufgabe, für den atmosphärischen Kirchenraum, für eine relativ kleine Spiel- und Musizierfläche neues Musiktheater zu entwerfen“, sagt Gottfried Franz Kaspakrek.  Ein leicht verständlicher, aussagekräftiger und dennoch poetischer Text war sein Ziel. So der Librettist, der auf ganz praktisch denken musste: „Die Besetzung sollte auch nicht wesentlich über die von Brittens nach der Pause folgende, in ihren Motiven verwandte 'Church Parable' hinausgehen.“

Kai Röhrig dirigiert die Salzburg Orchester Solisten, Stephen Medcalf führt Regie. Ihn kennt man von einigen viel beachteten Inszenierungen im Landestheater, er hat dort „Ariadne von Naxos“ und die Britten-Opern „The Turn of the Screw“ und „Death in Venice“ inszeniert. Eine einaktige Oper von Benjamin Britten steht am Freitag (21.6.) neben der neuen Tassilo-Oper ebenfalls auf dem Programm: „The Burning Fiery Furnace“ (Die Jünglinge im Feuerofen) ist 1966 entstanden und wird als Salzburger Erstaufführung vorgestellt.

Am 21., 22. und 23. Juni, jeweils 19.30 Uhr in der Stiftskirche Mattsee – www.diabellisommer.at
Bilder: dpk-krie (2); /www.maxinerobertson.com/Ana Alvarez Prada (1)

 

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