Unbrauchbare Lebewesen sind halt Scheisse!

ARGEkultur / MOTZART / NIKOLAUS HABJAN

29/01/17 Was wäre Taubenvergiften im Park? Hier geht es den Bewohnern des Altersheim an den Kragen. Nicht mal das Publikum kommt ungeschoren, pardon: unbesprüht davon, auch jenes in der allerletzten Reihe nicht. Nach dem Auftritt von Doktor Gerd Oberwetz-Schnittke mitsamt Spraydose mit Totenkopf-Aufdruck haben die Zuschauer jedenfalls eine Pause nötig...

Von Reinhard Kriechbaum

Ein Zielgruppenprogramm zum Auftakt der MotzArt-Kabarettwoche? Für "Schlag sie tot" holen uns Nikolaus Habjan und Manuela Linshalm ins Altersheim. Also in jenes Etablissement, das aufs durchschnittliche Kabarettpublikum durchaus in Reichweite lauert. Aber wir wollen nicht motzen, schon gar nicht zum Auftakt des 35. Kabarettfestivals. Man bemüht sich für MotzArt eh auch um junges Publikum, mit teilweisem Erfolg. Aber Habjan und sein Programm rund um Songs von Georg Kreisler: Das war schon was für die best ager.

Also rein in die Oldie-Menagerie, mit frischem Blick, wie ihn Herr Diplomingenieur - Diplomingenieur bitte! - Bernhard Schwingenschläger mitbringt. Sagen wir kurz Bernie zu dem Grantler, dem man zutraute, dass er in besseren Jahren Stammgast in der Proszeniumsloge bei der Muppet Show war. Kann man diese Plätze eigentlich auch als Wiener Dauernörgler buchen? Jetzt jedenfalls ist Bernie im Altersheim mit dem hübschen Namen "Immergrün" gelandet, was ihm denn lapidaren Kommentar entlockt: "Ich hasse grün." Keine Frage also, Bernie ist auf dem finalen Erfolgsweg, um sich "als lustig-grantiger Wiener Charakter zu etablieren". "Schau'n sie sich ihre Zukunft an", ermuntert uns der Erzähler aus dem Off.

Und da kommt schon mit kräftigem Hojotoho die ehemalige Wagner-Sängerin Gisela Hering. "Wo ich hinschau, junge Menschen", singt Bayreuths Brünhilde des Jahres 1933 (wenn's wahr ist). "Scheiße ... a Opernsängerin", ätzt Bernie. Deutlich leiser ist die Buttercreme-Stinkbombe Bettina Bunzl. Der liebenswürdigste, feinsinnigste Kerl aber ist Hermann Diletti, der da sitzt und unbedingt das Wort Affe im Sudoku unterbringen möchte. O-Ton Bernie: "der Zahlenschas aus Japan". "Mein einziger Monolog im Stück, und ich hab ihn vergessen", klagt Diletti mit bekümmerter Miene, aber Georg Kreislers Song vom Triangelspieler kommt ihm doch ganz ohne Texthänger über die Lippen.

Habjan, der begnadete Klappmaul-Puppenbauer, Sänger, Stimmenimitator, holt sich für "Schlag sie tot" Assistenz von Manuela Linshalm, die zum Beispiel der Altenpflegerin Sylvie Stimme und linke Hand leiht. Einmal auch den Popo, was den alten Diletti mächtig anturnt. Aber, wie wir schon ein paar Szenen früher erfahren haben: Er wird sein Leben noch vor der Pause aushauchen, auch wenn Herr Bernie das bevorstehende Morden längst spitzkriegt hat.

"Unbrauchbare Lebewesen sind halt Scheisse", heißt es im titelgebenden Kreisler-Song "Schlag sie tot". Rabenschwarz ist der Humor dieser Produktion, die es im Wiener Schubert Theater Wien auf über hundert Aufführungen gebracht hat: Einmal geht der Heimarzt zum Telefon: "Fliegengrippe ... wir haben viele Fliegen ... es riecht ja auch nach Verwesung."

Das 35. MotzArt Kabarettfestival dauert bis 4. Februar. Die nächsten Termine: Am Montag (30.12.) zeigt Michael Altinger erstmals in Österreich sein Programm "Hell", am Dienstag (31.1.) präsentieren Heilbutt&Rosen die Salzburg-Premiere von „Che GueVavra“ - www.argekultur.at
Bilder: Schubert Theater Wien, schuberttheater.at