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Eva erschafft sich ihren Adam

KAMMERSPIELE / DAS MASS DER DINGE

25/02/11 „Das Maß der Dinge“ von Neil LaBute kommt als typisch amerikanische College Soap daher. Doch ganz so harmlos möchte das Stück nicht sein.Regisseurin Alexandra Liedtke setzt vor allem auf zügige Dialoge. Das Tempo ist so groß, dass man vermutet, womöglich besteht die Bühnengewerkschaft auf einem unmenschlichen Zeitlimit.

Von Werner Thuswaldner

altDie Platznöte in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters sind bekannt. Diesmal erscheinen sie noch dadurch verschärft, dass Ausstatterin Manuela Weilguni die Rückwand der kleinen Bühne deutlich nach vorn verschoben hat. So bleibt bis zur Rampe nur ein schmaler Streifen, auf dem sich alles abspielen muss. Kein Wunder, dass die Schauspieler zwischendurch in den Zuschauerraum ausweichen. Doch auch dort bleibt ihnen nicht viel Bewegungsfreiheit.

Die ganze Vorstellungskraft des Publikums ist gefordert, um sich diesen Restraum hintereinander als Museum, Schlafzimmer, Park, Restaurant, Wohnung, Wartezimmer, Vorlesungssaal und noch mehr zu denken. Ein wenig helfen dazu Projektionen. Die Darsteller machen mit ihrem körperlichen Einsatz das Beste aus den beengten Verhältnissen.

Die Maßnahme mit der speziellen Rückwand enthüllt gegen Ende der Vorstellung ihren tieferen Sinn. Das ist der Zeitpunkt, da aus dem Stück von LaBute – 2002 war es als Koproduktion mit dem Wiener Burgtheater im Programm der Salzburger Festspiele – mehr wird als die Folge einer typisch amerikanischen College Soap. In diesen Filmchen werden die Sorgen und Nöte der Studenten vorgeführt, ihre ersten Liebeserfahrungen, ihre Beziehungsprobleme, Minderwertigkeitsgefühle wegen unreiner Haut usw.

altEine Auswahl aus diesem Themenkatalog hat auch Neil LaBute getroffen. Eine forsche Kunststudentin reißt sich einen Freund auf, der aushilfsweise als Museumsaufseher arbeitet. Er ist das Gegenteil der bildschönen jungen Männern die sonst in diesen amerikanischen Filmserien tätig sind, viel mehr ein scheuer, unbedarfter Typ. Aus lauter Verliebtheit aber verändert er sich aber, besser, lässt er sich verändern. Seine Freundin bestimmt die Schritte auf diesem Weg: andere Frisur, Kontaktlinsen statt Brille, modische Klamotten und sogar eine operative Nasenkorrektur.

Eifersucht und Krise gehören auch zu jedem Collegedrama. Daher gibt es ein zweites Pärchen, und vorübergehend sieht es danach aus, als käme es zu dramatischen Verstimmungen und sogar zum Partnertausch.

Am Ende ist aber alles ganz anders. Wie und was, soll hier nicht verraten werden, weil das Stück von dieser Überraschung am Schluss lebt.

altSebastian Fischer ist anfangs der unbeholfene Traumichnicht, ein Loosertyp von der Art Woody Allens, der sich nach und nach zum süßen Jungen und gewandten Liebhaber wandelt. Anna Unterberger als seine Freundin Evelyn treibt ihn, ohne dass er es recht merkt, an. Sie beherrscht das Manipulieren perfekt. Ihm mag der übertriebene Einsatz not tun, für den Zuschauer ist ihr Überschuss an Temperament aber nicht die reine Wohltat. Die Grenze, an der aus virtuosem, pointiertem Sprechen Geplapper und Geschnatter wird, ist nicht immer eingehalten. Anna Christina Einbock und Tim Oberschließen bilden das andere Pärchen: Sie muss in dem Stück den Standpunkt der Normalität vertreten. Er ist ein unguter, aufbrausender Typ, dem die Erkenntnis, dass er schwul und zur Beziehung mit seiner Freundin gar nicht fähig ist, noch bevorsteht.

Wie schon angedeutet: Zwischendurch sind hie und da ein wenig Geduld und Nachsicht nötig. Doch zum Schluss kommt die wirksame Überraschung, die dafür entschädigt.

Aufführungen bis 7. April - www.salzburger-landestheater.at
Bilder: Landestheater / Christian Schneider


 

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