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Noch liegt die meiste Kunst im Depot

 

REPORTAGE / DOMQUARTIER

18/04/14 In einem Monat öffnet das DomQuartier seine Pforten. Ein Besuch auf der vermutlich am besten gesicherten Baustelle Salzburgs mit Erzabt Korbinian Birnbacher, Kustos Wolfgang Wanko und Architekt Thomas Wizany.

In der ehemaligen Gemäldegalerie der Fürsterzbischöfe, die zwischen 1657 und 1661 unter Guidobald Graf von Thun errichtet und 1819 der Erzabtei St. Peter übertragen wurde, ist fast alles fertig vorbereitet. Eine große Rampe führt nun vom Ende des 70 Meter langen Gangs zu jener Tür, die für den – barrierefreien – Rundgang im DomQuartier zum Wallistrakt geöffnet wird.

Auf den Wänden in der Langen Galerie zeigt St. Peter 17 großformatige Gemälde aus der Sammlung der Abtei: etwa Paul Trogers „Christus am Ölberg“ und die zugehörige „Mater Dolorosa“ - große Kunst, die vor allem der religiösen Andacht diente und für Räumlichkeiten des Stifts entstand. „Wir haben auf eine ästhetische und weniger auf eine barocke Hängung geachtet“, erklärt der Kustos der Kunstsammlungen und Leiter des Museums, Wolfgang Wanko, „und natürlich darauf, was zu den räumlichen Gegebenheiten passt“. So findet sich hier auch das Hochaltarbild der heiligen Margarethe von Pietro Antonio Lorenzoni, mit dem im 18. Jahrhundert die Margarethenkapelle im St. Petersfriedhof ausgestattet worden war.

Die Restauratorin Judith Regensburger ist noch damit beschäftigt, die Bilder von Staub und Schmutz zu reinigen. Zugleich prüft sie, ob sich die Oberflächen verändert haben. Die Rahmen befreit sie behutsam von ihrer Patina und gibt ihnen den goldenen Glanz wieder. Von nebenan hört man Sägen und Bohrer.

Eine alarmgesicherte Brandschutztür führt in den benachbarten Wallistrakt, in dem das neue Museum St. Peter eingerichtet wird. Die Tischler sind gerade mit Arbeiten an den Vitrinen beschäftigt. An den hohen Fenstern werden letzte Fugen verkittet, um die optimalen musealen Bedingungen, die hier geschaffen wurden, nicht zu beeinträchtigen. Mitten im Gebrumme ertönt der Alarm - offenbar wurde eine Tür nicht fachgerecht geschlossen. Aber noch befinden sich die Kunstwerke ohnehin in den Depots.

Anders als die fürsterzbischöflichen Kunstsammlungen wurden jene von St. Peter nicht säkularisiert und enteignet. „Einen Aderlass gab es allerdings in den 1930er Jahren, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise“, erzählt Wolfgang Wanko. Das Kloster stand dazumal aufgrund von Kriegsanleihen aus dem Ersten Weltkrieg und der Verschuldung durch den Kollegbau St. Benedikt vor der Pleite. „Damals wurden wertvolle Kunstwerke und Handschriften aus der Sammlung weit unter ihrem Wert verkauft, etwa ans Belvedere in Wien, aber auch nach München und New York“, schildert Wanko.

Dennoch blieben viele Objekte - immerhin geschätzte 40.000 - erhalten. Eine Auswahl wird nun erstmals seit der Landesausstellung 1982 wieder der Öffentlichkeit präsentiert: etwa das sogenannte Rupertuspastorale (ein Abtstab aus dem 11./12. Jahrhundert), ein Messkelch aus dem 12. Jahrhundert und ein besonders gut erhaltenes Kaselkreuz aus dem 15. Jahrhundert. Oder auch die Prunkstücke der Sammlung, die von Abt Rupert V. Keutzl um 1480 erworben wurden: eine Mitra mit reichem Edelsteinbesatz, ein ebenso kunstvoll verziertes Pastorale sowie eine zugehörige Schließe für den liturgischen Prunkmantel. „Die Keutzl-Objekte stammen aus der Hoch-Zeit von St. Peter. Wir haben kürzlich eine Steinanalyse machen lassen, die bestätigt, dass so gut wie alles echt ist“, erläutert der Kustos den Wert der Stücke.

Die Kostbarkeiten werden künftig im ersten Raum - „St. Peter und die Kunst“ - des neuen Museums ausgestellt. Über die Pläne gebückt, erörtern Erzabt Korbinian Birnbacher und Architekt Thomas Wizany letzte Details. In einer großen begehbaren ovalen Vitrinen-Konstruktion, die einer überdimensionalen Schmuckschatulle gleicht, wird man die Prachtstücke wie in einer kleinen Schatzkammer begutachten können. „Das Oval wird oben noch mit einer Decke abgeschlossen“, sagt Architekt Wizany, „das wirkt dann wie ein Schrein, in dem die wertvollen Objekte Platz finden“.

Im nächsten Raum schließt sich eine Abteilung zum Thema „St. Peter und die Musik“ an. Dort spürt man den Verbindungen zu Johann Michael Haydn und Wolfgang Amadé Mozart nach und zeigt u.a. das reich mit Schnitzwerk dekorierte Claviorganum: ein kunstvoll gefertigtes Orgelinstrument aus dem Besitz von Erzbischof Wolf Dietrich.

Im dritten Raum wird die Geschichte von St. Peter erzählt - „dem ältesten ununterbrochen bestehenden Kloster im deutschsprachigen Gebiet“, wie der Erzabt betont. Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende, weshalb auch das Klosterleben heute Thema ist. Aus diesem Grund richtet man einen interaktiven Screen ein, auf dem die Besucher Fragen an die Mönche auswählen können. In filmischer Umsetzung erzählen der Erzabt und die Mitglieder des Konvents vom Leben im Kloster: über ihren Tagesablauf, ihre Aufgaben, ihr Sprechen mit Gott.

„Mein absoluter Lieblingsplatz ist hier im dritten Raum“, sagt Erzabt Korbinian. Er öffnet die Flügel der Fenster zum Domplatz hin: „Von da aus sieht man den Turm vom Glockenspiel, die Fassaden von Dom und Residenz, die Stiftskirche Nonnberg bis hin zur Festung!“ Auf der gegenüberliegenden Seite erschließt sich der Blick zurück bis zur Edmundsburg über die Franziskanerkirche und den Festspielhauskomplex.

Dominiert wird der „Geschichte“-Raum von zwei geschwungenen freistehenden Konsolen. Im ersten Regal werden auf Augenhöhe weniger wertvolle, dafür aber umso erstaunlichere Exponate arrangiert: ein ausklappbarer und mit Intarsien versehener Zeitungsständer, Mitbringsel von Wallfahrten und vieles mehr. „Dieses Regal stellt eine Zeitlinie dar, die man durchschreiten kann“, erklärt Wizany. Das zweite Regal dient als Fassade für neun Videoscreens, die historische und wirtschaftliche Schwerpunkte präsentieren: die Gründung des Klosters - St. Peter als Salzproduzent - die Bedeutung des Stifts für die Universität usw.

In dem kleinen Vorraum, der die Verbindung zu den Prunkräumen der Residenz schafft, werden schließlich noch zwei Screens montiert. Sie veranschaulichen einerseits die Ahnengalerie der Äbte von St. Peter und die Spuren, die sie in Salzburg hinterlassen haben. Der zweite Screen dokumentiert zudem die Bauentwicklung von St. Peter anhand von alten Bildern, Plänen, Grundrissen und zeitgenössischen Fotos. Mit Hilfe gekennzeichneter Hotspots sind die verschiedenen Ansichten für die Besucher und Besucherinnen abrufbar.

Bevor der Rundgang schließt, wird er hier durch ein Modell des DomQuartiers noch einmal plastisch nachvollziehbar, vervollständigt um ein historisches Modell von Kloster und Stiftskirche St. Peter aus dem Jahr 1873 - ein Lieblingsobjekt des Erzabts.

Im Zuge der Baumaßnahmen im DomQuartier wurden auch die Räumlichkeiten im Nordoratorium des Domes neu adaptiert. Sie wurden entkernt, in die originale Bausubstanz rückgeführt und mit einer Heizung ausgestattet. Damit sind auch für wertvolle Exponate bestmögliche klimatische Bedingungen geschaffen. Ein kürzlich montierter Lichtkranz sorgt zudem für optimale Ausleuchtung. Diese Räume sollen künftig unterschiedliche Nutzer mit Sonderausstellungen bespielen. Als erstes ist das Salzburg Museum mit der Sammlung Rossacher hier zu Gast. (DomQuartier/ML)

Das DomQuartier Salzburg - der Umgang um den Residenzplatz, der Residenz, Dommuseum, St. Peter und den Wallistrakt zusammenbindet - wird am 17. Mai eröffnet - www.domquartier.at
Bilder: DomQuartier Salzburg/U. Ghezzi; Erzabtei St.Peter/Weidl; Salzburger Burgen & Schlösser/H. Kirchberger; Dommuseum/J. Kral

 

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