Museumsreif geliebt

 

SPIELZEUGMUSEUM / KUSCHEL-FREUNDE

10/02/15 Knopf im Ohr: das Markenzeichen der Steiff-Tiere, eh schon wissen. Aber was ist eigentlich drauf auf dem Knopf, diesem vielleicht bekanntesten Trademark der klassischen Spielzeugindustrie?

Von Reinhard Kriechbaum

In den ersten beiden Jahren, 1904 und 1905, war es – nein, danebengeraten: Kein Teddy, sondern ein Elefant. Es war übrigens das einzige Tier-Emblem der Firma. Der Elefant war das erste von Margarethe Steiff genähte Filztier. Seit 1906 steht, in unterschiedlichsten Abwandlungen, der Schriftzug „Steiff“ auf dem legendären Knopf. Das Material war abwechselnd Eisen, Nickel, Messing oder Kupfer. Für Sondereditionen gibt es sogar vergoldete Knöpfe im Ohr.

Das wird die Kinder aber weniger interessieren. Sie mögen die Kuscheltiere, und wohl nicht nur die Steiff-Bären. Deshalb die neue Sonderausstellung im Mesnerstöckl des Spielzeugmuseums, wo 103 Repräsentanten dieser verbreiteten Spezies schön beisammen sind. Nicht alle sind so zeitlos – und in diesem Sinn kulturhistorische Sammlerobjekte – wie die Steiff-Teddys. Den Monchhichi (auch Monchitchi geschrieben) kennen Kinder heute eher nicht mehr. Der kleine weiche Pelz-Affe mit dem rosigen Plastikgesicht und dem Daumen oder Schnuller zum In-den-Mund-Steckern hat in den Kinderzimmern ihrer Mütter gewohnt. Der Monchhichi wurde 1974 in Japan erstmals produziert.

Wie seit der neuen Ausrichtung des Spielzeugmuseums üblich, ist das Selber-Machen wichtig. In diesem Fall heißt das: Spielen und Kuscheln! Die kostbareren Dinge aus den Beständen des Spielzeugmuseums bleiben natürlich hinter Glas.

Jede Vitrine erzählt eine eigene Geschichte: In der Savanne treffen sich Löwen und Elefanten zum geselligen Stelldichein am Wasserloch. Auf dem Bauernhof kann man Kühe, Schafe, Hühner und natürlich den Hofhund entdecken. Dort wuselt auch das kleinste Tier der Schau herum: Nur vier Zentimeter misst die Margarethe-Steiff-Maus.

Kann sein, dass man, wenn man das Glas hochklappte, die Affen auf und unter den Palmen singen hörte: Wer hat die Kokosnuss geklaut? In einer eigenen Vitrine treibt die Riesenrobbe seelenruhig auf einer Eisscholle dahin. Die österreichischen Firma „Tiere mit Herz“ hat sie erzeugt – die Kuscheltiere aus dieser Manufaktur tragen seit 1957 ein rotes Herz als Markenzeichen auf der Brust.

Ein Fenster weiter treffen sich Teddys aus allen Epochen zum Kaffeeklatsch in der Bärenstube. Und wer ganz genau hinschaut, findet tief im Wald – versteckt zwischen Bäumen, Büschen und Farnen – Füchse, Rehe, Hasen und vielleicht auch noch den einen oder anderen Bären. Auch in der Hundeschule geht’s hoch her, wenn Foxterrier, Mops & Co. aufeinandertreffen. Eine eigene Vitrine ist ganz besonderen Kuschel-Freunden gewidmet: Nämlich den selbstgemachten Tieren und Fantasie-Wesen, die anno dazumal in liebevoller Handarbeit angefertigt wurden. Sie stammen größtenteils aus der Zeit von 1920 bis 1940 und sind damit die ältesten Objekte in der Ausstellung.

Weil es auch jede Menge Geschichten über Kuscheltiere gibt – angefangen bei Klassikern wie „Pu, der Bär“ von Alan Alexander Milne über „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe bis hin zum Comic „Calvin und Hobbes“ von Bill Watterson, in dem der Stofftiger lebendig wird und jede Menge Abenteuer mit dem frechen Calvin erlebt – gibt es in der Ausstellung auch einige Bücher zum Anschauen, Lesen und Vorlesen.

Manchem Kuscheltier sieht man an, wie sehr es geliebt worden ist, wie viele Abenteuer es mit seinen jungen Besitzern bestanden hat. Und in wie vielen Nächten es ihnen Nähe und Sicherheit geschenkt hat. Was alle hier eint: Sie sind museumsreif geliebt worden.

Bis 1. November im Spielzeugmuseum – www.salzburgmuseum.at/spielzeugmuseum
Bilder: Salzburg Museum