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Ein Klavier, ein Klavier!

SALZBURG MUSEUM / PIANO PIECES

26/02/15 Wenn es in der Konzeptkunst um die Musik geht, spielt sehr oft das Klavier die Hauptrolle. Ob man sie ihm neiden soll, ist die Frage. Denn oft kommt das Klavier dabei nicht so gut weg. Es wird in Einzelteile zerlegt oder deformiert. Man spielt ihm zeitweise gar arg mit.

Von Reinhard Kriechbaum

Pianistische Zweckentfremdung steht auf der Tagesordnung der Konzeptkünstler. „Piano Pieces“ heißt die neue Ausstellung in der Kunsthalle des Salzburg-Museums. Es sind dort auch ein paar echte alte Klaviere zu sehen. Ein überzeugender Beweis erstens dafür, dass es Klaviere als Musikinstrumente tatsächlich gibt. Zweitens dient es zur Beruhigung: Diese Exemplare wenigstens haben Klavierzertrümmerungs-Aktionen (eine, durch die Wiener Gruppe, sieht man in großformatigen Fotos) überlebt, weil sie schon seit langer Zeit im Museum stehen. Ein überzeugendes Plädoyer für die Institution.

Ob die neue Ausstellung auch als Plädoyer für irgendetwas dienen kann, ist schon eher die Frage. Es fehlt nicht an Reizvollem im Detail: Da hängen gleich beim Eingang alle möglichen Notenhefte. Wer sich so bemüht wie erfolglos von den Czerny-Etüden bis zu den Goldberg-Variationen vorgearbeitet hat, mag ähnliche Gelüste empfinden wie Günther Uecker, der 1964 ein Pianino mit weißer Farbe übergossen und es mit tausenden Nägeln malträtiert hat.

Ganz wunderbar die ultra-feine Klavier-Skulptur aus Draht von Fritz Panzer. Cory Arcangel ließ eine Katze über Klaviertasten laufen und hat das gefilmt. Tim Lee kann auch in etwa so gut Klavier spielen wie ein Stubentiger, aber als Video-Künstler hat er dokumentiert, wie sich seine Finger durch die Goldberg-Variationen stümpern. Von da war der Gedankenbogen leicht zu schlagen zu einem Schallplatten- und CD-Cover der legendären Aufnahmen von Glenn Gould und weiter zu Thomas Bernhard und seinem Roman „Der Untergeher“. Karl Valentin hat sich auch literarisch übers Klavier her gemacht, der Text läuft auf Destruktion hinaus, die etwas Befreiendes hat.

Da wird man also von Gemälde zu Zeichnung, von Textmontage zu Fotografie, von Videoscreen zu Instrument weitergezwirbelt und soll sich seine Gedanken machen. Einmal sich aufdrängende, manchmal wohl auch solche, die weniger auf der Hand liegen und eigene Erfahrungen voraussetzen. Von Glenn Gould sollte man jedenfalls schon mal gehört haben und auch von Elly Ney. Sie ist auf einem repräsentativen Ölbild aus Museumsbesitz zu sehen. Die nachdenkliche Dame mit der Physiognomie einer Indianersquaw, die das Plakat und den Katalog zur Ausstellung ziert, ist übrigens die Pianistin und Cembalistin Wanda Landowska.

Zeit muss man sich nehmen, sehr viel Zeit. Fängt man erst mal an mit dem Hören (es gibt Videoscreens und Kopfhörer zu Dutzenden), wird man wohl zwei Tage im Keller des Salzburg Museums kalkulieren müssen. Übrigens: Von den alten Klavieren gibt es gar nichts anzuhören, obwohl einige durchaus erträgliche Töne von sich gäben.

Irgendwie hat die materialreiche Schau in Summe etwas Uneingelöstes: Die Musik – oder eben: das Klavier – in der Fotografie wäre ein Thema, das man gerne ausführlicher ausgeführt sähe. Sollte man ernsthaft etwas über die Kulturgeschichte des Klaviers erfahren wollen, müsste eine Ausstellung auch völlig anders aussehen. Das Klavier als Spiegel der Bürgerlichkeit, als Versatzstück für soziologische Betrachtungen durch zwei Jahrhunderte – auch das wäre ein reizvoller Aspekt einer Schau, die einer Einrichtung wie dem Salzburg Museum bestens anstünde. Von all dem und noch viel mehr bekommt man hier, freilich nur Marginalien und Bruchstücke. Vieles wird angerissen. Im Querfeldein der Assoziationen haben sich die Ausstellungsmacher so recht ausleben dürfen. Wirklich interessiert scheint sie nur die Konzeptkunst zu haben.

Auf die Wand werden die Namen der Pianisten bei den Festspielen projiziert, Listen für jedes Jahr (Elly Ney war schon 1921 mit von der Partie). Lerne: Bei den Festspielen wird auch Klavier gespielt! Im Mozarteum auch. Herr Nistl stimmt dort die Instrumente, sowohl bei der Stiftung als auch in der Universität gleichen Namens.

Irgendwie wollte man all den pianistischen Kunst-Kram sofort wieder zurück ins Depot oder zu den Leihgebern verfrachten und die Museumsleute zurück an den Start schicken. Wenn sie sich wirklich klar geworden sind, was sie uns eigentlich zeigen und erzählen wollen, dann können sie uns ja wieder zu sich einladen.

Piano Pieces. Klaviere. Klänge. Kunst. Bis 6. September im Salzburg Museum – www.salzburgmuseum.at
Bilder: Salzburg Museum
Zum Kommentar Wo sind, wo bleiben all die Musikinstrumente?

 

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