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Mit Nadel und Faden ganz modern

DOMQUARTIER / RESIDENZGALERIE / MEHR ALS VERHÜLLUNG

19/11/15 Bei Makart weiß man ja wirklich nicht, was das grüngraue Ding im Vordergrund sein soll. Das „Textile Objekt“ vor der überdimensionalen Vergrößerung der „Gesellschaftsszene“ lässt dagegen nur wenig Interpretationsspielraum… Studierende der Abteilung „Textiles Gestalten“ am Mozarteum haben Details aus Gemälden älterer und jüngerer Meister mit Stoff und Faden neu interpretiert. – Eine überaus reizvolle Sache.

Von Heidemarie Klabacher

„Wir sind ja keine Kunsthalle. Wir räumen nicht unsere Wände leer und stellen Neues herein. Bei uns treten Alt und Neu in Dialog.“ Gabriele Groschner, die Direktorin der Residenzgalerie, die Museumspädagogin Monika Fermin-Vaez, und Christa Pichler-Satzger, Abteilungsleiterin „Textiles Gestalten“ am Mozarteum, präsentierten heute Donnerstag (19.11.) die Ausstellung. Der Großteil der Arbeiten und Objekte der Schau „Mehr als Verhüllung. Im Fadenkreuz textiler Kunstinterpretation“ sind in den Räumen der Residenzgalerie jeweils neben – oder in der Nähe – des inspirierenden Originals zu sehen. Erstmals „bespielt“ die Residenzgalerie aber auch, und zwar in enger Zusammenarbeit mit Salzburger Burgen und Schlösser, die Prunkräume im 1. Stock der Residenz.

Was einen besonderen Reiz und eine besondere Herausforderung dargestellt habe, so Christa Pichler-Satzger: „Man darf nicht bohren, keinen Nagel einschlagen, nichts aufhängen, auch die Beleuchtung kann man nicht ändern…“ Umso harmonischer und logischer fügen sich die drei Arbeiten im Kaisersaal, im Audienzsaal und im Weißen Saal in ihre Umgebung ein.

Mehre Monate lang haben sich die Studentinnen und Studenten vorbereitet, die Säle und Alten Meister auf sich wirken lassen. Entstanden sind sehr unterschiedliche freie Arbeiten entstanden, die in den Prunkräumen und der Residenzgalerie Salzburg drei Monate ausgestellt werden.

„Es wurde mit der Auswahl an stofflichen Materialien experimentiert, mit textilen Mitteln Struktur verdeutlicht und poetische moderne Auslegungen von Machtsymbolen mit Raum, Zeit und neuen Medien kombiniert.“ Es gibt auch interaktive Mode-Objekte, Hörspiele zur Kostümgeschichte in Bildern verbunden mit Klangcollagen.

Von Hans Makart und seiner Neuinterpretation durch Vanessa Pritz und Sonja Brandl war schon die Rede.

Margret Breitfuß hat für ihre Installation aus gestärktem Baumwollgewebe und Baumwollgarn das Gemälde „Segelboote im Gewittersturm“ von Bonaventura Peeters zum Ausgangspunkt genommen – und sich die wild aufschäumenden Wellen herausgepickt.

Virtuell ist die Umsetzung von Eva Karner und Manuela Schrattenecker in „Matrix“, bestehen aus einem Video und Stoffbahnen aus Seidenorganza: Hier war das Das Gemälde „Kaiser Karl V.“ von Peter Paul Rubens war Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit dem Thema „Symbole der Macht“. „Die Matrix - der Binärcode - ist Grundlage für die Verarbeitung digitaler Informationen in unserer Zeit und wird in der Rauminstallation als ein modernes Pendant zu den im Gemälde abgebildeten Herrscherinsignien gesehen.“

Ganz handfest – wenn auch kuschelwarm und kuschelweich – hat Nadja Brunnauer mit ihrer textilen Skulptur aus weißem Merinofilz und Nähseide einen der weiß glasierten Kachelöfen der Residenzgalerie nachgebildet. Sprechender Titel: „Wärme“.

Mariya Diener hat eine der Arbeiten für die Prunkräume geschaffen: Ihre Rauminstallation „Farbverlauf“ im Audienzsaal aus Baumwollkettgarn, Reagenzgläsern und Textilfarbe greift das Thema der kostbaren Brüsseler Tapisserien auf. „ Durch den Alterungsprozess und die Lichteinwirkung über Jahrhunderte, veränderten sich die Farben, heute können wir die ursprüngliche Buntheit der Goblins nur erahnen.“ Mariya Diener nimmt in ihrer textilen Arbeit den Dialog mit den Wandteppichen auf: „Kettfäden, die aus Reagenzgläsern ihre Farbe ziehen, schweben wie ein Schleier der Erinnerung im Raum und zeigen die verlorengegangene Vielfalt der Farbigkeit.“

Mehr als Verhüllung – DomQuartier - Residenzgalerie und Prunkräume - bis 6. Jänner - www.domquartier.at - residenzgalerie.at
Bilder: dpk-klaba

 

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