asdf
 

„Aha!“ statt „Wie bitte?“

DIALOGE / ZWEIMAL HÖREN

27/11/18 „Im Gespräch fragen wir nach, wenn wir etwas nicht verstehen konnten oder glauben, uns verhört zu haben. Im Konzert ist ein Nachfragen oder Wiederholen - außer in den Noten natürlich – normalerweise nicht vorgesehen.“ Anders in einem Konzert mit dem Ensemble NAMES unter dem Titel „Zweimal hören“.

Von Heidemarie Klabacher

Ein Werk – sei es nun ein bekanntes oder ein brandneues – beim ersten Mal hören takt- oder stimmenweise mit Erklärungen und Erklärungen von Musikern, Komponist oder Moderator serviert zu bekommen, kann enorm erhellend sein. Das wahre Aha-Erlebnis folgt aber in der Regel beim zweiten Mal hören, wenn das vorher zerlegte Werk nun in seiner Vollgestallt erklingt, man Stimmen, Stellen oder Phrasen wiedererkennt, und sich erinnert, was zu dieser oder jener Phrase der Komponist erzählt hat. Das ist keineswegs ein bevormundendes Konzept übereifriger Musikvermittler (als ob man Musik „vermitteln“ müsste), das kann eine erhellende und wegweisende Hörhilfe sein. Bei den Dialogen, von 30. November bis 2. Dezember, gibt es Gelegenheit zum Zweimal hören von Werken von Marco Döttlinger, Oscar Jockel und Josef Ramsauer moderiert von Hannes Eichmann.

Kinder in Serbien vergraben während des Balkan-Krieges Gegenstände. Eines der Kinder vergräbt eine Kerze. Diese Szene, die der Komponist Marco Döttlinger in dem Text Irrlichter von dem Schriftsteller Marko Dinic fand, inspirierte ihn zur Komposition seiner Miniatur für Flöte, Klarinette, E-Orgel und Live-Elektronik Vergrabene Lichter. Sprachliche Bilder, besonders etwa auch in Texten von Peter Handke, lösten in ihm etwas Musikalisches aus, so der Komponist Jahrgang 1984. Wobei es ihm jeweils um ganz bestimmte Ausschnitte und Passagen aus Texten gehe, nicht um einen Gesamttext. Auch in der Komposition Vergrabene Lichter reflektier er nicht den gesamten Text der Irrlichter, sondern eben genau dieses eine Bild: „Etwas zu vergraben, das leuchtet. Dieses Licht unzugänglich machen, dass es zu etwas Verborgenem wird, von dem man nicht weiß, ob es nun erlosch oder nicht…“

Marco Döttlinger stammt kommt aus Aurach bei Kitzbühel, spielte in der Blasmusikapelle und in Volksmusikgruppen, besuchte das Musikgymnasium in Innsbruck, ehe er zum Kompositionsstudium zu Christan Ofenbauer nach Salzburg und später nach Paris und Basel zu Georg Friedrich Haas ging. Die Elektronik war und ist zentral in seiner Ausbildung und in seinem Komponieren. Nach vielen Jahren im Studio für Elektronische Musik an der Universität Mozarteum ist er dort nun Assistent am Institut für Neue Musik sowie Mitglied des Ensembles NAMES, das das Konzert Zweimal hören spielt.

Um Licht im weitesten Sinne geht es auch im zweiten Werk: „Dem Kind wird, bevor es in die Welt kommt, vom Engel die gesamte Vergangenheit und die Zukunft, das Paradies und die Hölle gezeigt. Das Kind weiß alles, über seinem Kopf leuchtet ein Licht. Als es geboren werden soll, sträubt sich das Kind, da schlägt ihm der Engel eine Wunde, löscht das Licht über seinem Kopf und führt es in die Welt.“ Vielleicht ganz gut, wenn das Publikum zu diesen mystischen Vorstellungen hinter dem Stück Überschreibung I – Das Vergessen der Engelswunde einige Erklärungen und die Chance auf zweimal hören bekommt. Oscar Jockel, ehemaliger Regensburger „Domspatz“, komponiert, seit er sich erinnern kann. Das Kompositionsstudium führte ihn zu Achim Bornhöft an die Universität Mozarteum, das Dirigierstudium zu Bruno Weil, Reinhard Goebel und Johannes Kalitzke.

Die drei Werke dieses Konzerts scheinen miteinander verwoben zu sein, denn um Geburt geht es auch im Logbuch von Josef A. Ramsauer: „Ein Kind wird geboren. Der Vater führt ein Logbuch, in das er über die Zeit vor der Geburt, über das Ereignis der Geburt und die Zeit danach schreibt. Es entsteht ein musikalisches Stenogramm, das die Phasen von Spannung und Entspannung in den aufregenden Tagen und Wochen festhält.“ Tatsächlich auch etwas sehr Privates, denn Josef A. Ramsauer wurde im Juni 2018 zum ersten Mal Vater. Im Logbuch für Bassflöte, Bassklarinette, Violine und Klavierentfalte er, so der Komponist, die Polyphonie verschiedener Zeitschichten. Schon im dem Spektralmusiker Tristan Murail sei es ihm besonders um die Zeitgestaltung von Klang gegangen: „Klang ist nie ein Punkt, sondern verändert sich stets in er Zeit.“ Auch im Logbuch stellt sich Ramsauer die musikalische Frage, wie man die Zeit und vor allem die Veränderungen in der Zeit hörbar machen könne.

Zwischenspiel – das Dialoge Festival von 30. November bis 1. Dezember – mozarteum.at - der Dialoge-Hauptprospekt zum Download
Bilder: ISM / Andreas Hechenberger

 

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014