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Zahlen. Nicht aus dem Traumbüchl

FESTSPIELE / WERTSCHÖPFUNG / STUDIE

21/08/16 Wertschöpfung ist mehr als Umwegrentabilität. Um wie VIEL mehr zeigt die aktuelle Studie der Wirtschaftskammer: Die Festspiele schaffen pro Jahr eine Wertschöpfung von 183 Millionen Euro in Salzburg und von 215 Millionen Euro in Österreich. „Die Festspiele sind eine alljährliche Exzellenz-Infusion für den Standort Salzburg.“

Von Heidemarie Klabacher

Erstmals wurde in einer solchen Studie nicht nur die „Umwegrentabilität“ errechnet - wobei diese mit rund 77 Millionen Euro an direkten und indirekten Steuern und Abgaben auch nicht schlecht ist und die Festspiele 2.800 Vollzeitarbeitsplätze in Salzburg (inklusive der Jahresbeschäftigten und der Saisonkräfte der Festspiele) und 3.400 in ganz Österreich schaffen.

Neben diesen messbaren Größen erzeugten, so der Studienautor Helmut Eymannsberger, von der Salzburger Wirtschaftskammer, die Festspiele zudem noch schwer messbare „intangible“ Effekte, wie etwa „Image-Effekte, Bildungsnachfrage und Kompetenz-Cluster in Branchen und Unternehmen“. Konkretes Beispiel: Luxushotels für reiche Festspielgäste brauchen gutes Personal, solches bieten die vier Salzburger Tourismusschulen, deren Absolventen weltweit begehrt sind und ihrerseits im weltweit von der Exzellenz Salzburgs zeugen... Vom „Festspiele-Ökosystem“ sprach Wirtschaftskammerpräsident Konrad Steindl.

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler fasste am Samstag (20.8.) bei der Präsentation der Studienergebnisse der „Festspielterrasse“ hoch über der Hofstallgasse zusammen: „Wir sind über die Festspielzeit hinaus ein Wirtschaftsmotor, der dank exzellenter kultureller Leistungen, nicht nur messbare Wertschöpfungs-, Fiskal- und Beschäftigungseffekte in großer Höhe erzeugt. Ebenso tragen die Festspiele seit bald hundert Jahren zur Bildung hochwertiger Kompetenz in der gesamten Wirtschaft Salzburgs bei. Wir reichern das Image des Standortes zu Gunsten aller Branchen wesentlich an und sind mit jeder Festspielsaison Ermöglicher zusätzlicher Werteschöpfung.“

Wirtschaftskammerpräsident Steindl heißt „diese Wirkungen für Salzburgs Wirtschaft hoch willkommen“: Salzburgs Gastlichkeit auf hohem Niveau habe nur entstehen können, „da die Festspiele über viele Jahrzehnte eine starke Nachfrage nach gehobener Hotellerie und Top-Gastronomie ausgelöst haben“. Salzburgs hohe Dichte an Sternen- und Haubenrestaurants sei ein Beleg dafür. „Dass Salzburg Standort von Top-Tourismusschulen ist, kommt nicht von ungefähr, sondern ist auch Ergebnis des Kulturtourismus, den die Festspiele auslösen. Ebenso ist wohl auch die Universität Mozarteum, eine als international bekannte Musikhochschule, nur in Verbindung mit den Festspielen in dieser Form denkbar.“ Auch auffallend zahlreiche Catering-Unternehmen und Eventspezialisten, erfolgreiche Musikwirtschaft, Fremdenführer, Taxi-Gewerbe, Handwerksbetriebe im Einsatz für die Festspiele, Medienwirtschaft oder der Salzburg Airport Teil seien Teile des „Festspiele-Ökosystems“.

Ganz zu schweigen von der „Kulturproduktion, der Festspiele, die weltweit führend ist“ - und die das ganze Werkl überhaupt erst in Gang gebracht hat und Jahr für Jahr wieder mit jeweils weiteren neuen Effekten in Gang bringt: „Das ist der Unterschied zum ‚Event’“, streut Helga Rabl-Stadler ein. Die Salzburger Festspiele werden demnächst hundert Jahre alt. Viel Zeit, viele Wert zu schöpfen… WKS-Präsident Steindl lobt den Weitblick der damaligen Verantwortlichen: „Die weitreichende und richtige Entscheidung Salzburger Unternehmer vor bald hundert Jahren, sich wirkungsvoll für die Gründung der Festspiele einzusetzen, war eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Weichenstellungen in der Geschichte Salzburgs: Damit wurde ein wirtschaftlicher Motor in Gang gesetzt, der dem ganzen Land bis heute wirtschaftlichen Schwung verleiht.“

Bei der aktuellen Studie hat man noch tiefer geschürft als bei bisherigen Untersuchungen. „Erstmals wurde auf Basis der Befragung eine regionale und überregionale Wertschöpfungsrechnung durchgeführt, die ein genaueres Bild der Auswirkungen ermöglicht“, erklärt Studienautor Eymannsberger.

Die Festspielbesucher lösen einen zusätzlichen Umsatzimpuls von rund 129 Millionen Euro aus. Davon entfallen auf Übernachtung und Verpflegung (Tourismus) 77 Millionen Euro, auf den Handel 26 Millionen, auf die Bereiche Kunst, Kultur, Freizeit fünf Millionen, auf die Branchen der persönlichen Dienstleistungen (Kosmetik, Friseur) 7,5 Millionen, auf Mobilität vier Millionen und auf sonstige Branchen 9 Millionen. Inklusive Festspielkartenumsätze und sich aus der Produktion von Aufführungen ergebenden Umsätzen und einem aliquoten Investitionsanteil bringen die Festspiele einen um die Mehrwertsteuer bereinigten Umsatzimpuls von 141 Millionen Euro.

Ein einziges Festspieljahr – in diesem Fall 2015 – erzeugt mit induzierten Welleneffekten in den folgenden Jahren bis 2019 laut makroökonomischen Modell der GAW eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von insgesamt 183 Millionen Euro alleine in Salzburg. Österreich bringt eine Festspielsaison insgesamt 215 Millionen an Wertschöpfung.

Studienautor Helmut Eymannsberger fasst zusammen: „Die Salzburger Festspiele sind ein nachhaltiger Impulsgeber in vielerlei Hinsicht: Mit ihrer Kulturproduktion, die weltweit führend ist, und viele Imageeffekte auslöst, mit ihrer wirtschaftlichen Netzwerkwirkung, die enorme Wertschöpfung auf hohem Niveau ermöglicht, und mit ihren Kompetenzeffekten, die für Know-how-Qualität in Unternehmen und Institutionen sorgt. Die Salzburger Festspiele sind eine alljährliche Exzellenz-Infusion für den Standort Salzburg.“

Zum Porträt Das gut erforschte Wesen
Bild: Salzburger Festspiele / Anne Zeuner

 

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