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Den Nachwuchs-Schuhen entwachsen

FESTSPIELE / YOUNG SINGERS PROJECT / ABSCHLUSSKONZERT

27/08/17 13 junge Sängerinnen und Sänger holten sich heuer beim Youngs Singers Project in den Meisterklassen von Christa Ludwig, Sandrine Piau und Malcolm Martineau Tipps, Tricks und Anregungen für ihre – wie der Höreindruck beim Abschlusskonzert am Samstag (26.8.) vermuten lässt – wohl unmittelbar anstehenden Weltklasse-Karrieren.

Von Horst Reischenböck          

Zu hören waren sie den Festspielsommer über etwa bei der YSP-Produktion von Mozarts „Der Schauspieldirektor für Kinder“ oder in Nebenrollen von Bergs „Wozzeck“, Donizettis „Lucrezia Borgia“, Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ oder Verdis „I due Foscari“ an der Seite berühmter Kolleginnen und Kollegen.

Zwei Stunden lang nutzten sie nun Abschlusskonzert, stilsicher begleitet vom Mozarteumorchester unter Adrian Kelly, um mit „Filetstücken“ ihre beeindruckenden Talente einzeln zu demonstrieren. So etwa nach der ambitioniert ausgeführten Ouvertüre zu „Cosí fan tutte“ gleich die ausgedehnte Terzett-Szene mit dem schlanken Tenor des Polen Maciej Kwaśnikowski als Ferrando, der später auch mit „Il mio tesoro“ einen männlich gefestigten Don Ottavio im „Don Giovanni“ lieferte. Ihm ebenbürtig zur Seite der Guglielmo des russischen Baritons Ilya Kutyukin, während der Bass Alessandro Abis aus Italien als Don Alfonso vielleicht noch eine Spur zu jugendlich anmutete. Dafür durfte er nach der Pause seinem buffonesken Temperament in Rossinis Cavatine des Don Magnifico aus der „Cenerentola“ begeisternd freien Lauf lassen.

Im Alleingang brillierte Kutyukin dann auch als Robert in Tschaikowskis selten bei uns zu erlebender „Jolanthe“, offenbar ein Lieblingskind der Professoren, das immer wieder mal dran kommt. Das Arioso der Titelheldin war der englischen Sopranistin Carrie-Ann Williams zugedacht. Aus Polen kommt Alina Adamski, sie überzeugte als koloratur-sichere Giunia in Mozarts „Lucio Silla“. Der Russe Gleb Peryazev orgelte seinen Bass voluminös durch Basilios Verleumdungsarie aus Rossinis „Barbier von Sevilla“, während der Brite Richard Walshe die Registerarie des Leporello aus „Don Giovanni“ raffiniert in allen Facetten auskostete. Den österreichischen Beitrag in dieser Oper lieferte Anita Rosati zart einschmeichelnd als ihren Masetto tröstende Zerlina.

Bariton Huw Montague Rendall aus England verpasste dem trotzig aufbegehrenden Grafen in „Le nozze di Figaro“ fulminant gesteigerte Wutausbrüche. Ähnlich die russische Mezzosopranistin Vasilisa Berzhanskaya in den Eckteilen der Ariodante-Arie aus Händels gleichnamiger Oper - aufmerksam von Cecilia Bartoli im Parkett verfolgt.

Wie überhaupt im zweiten Teil ein Höhepunkt den nächsten jagte: Marvic Monreals tief lotender Mezzosopran als Tschaikowskis Olga in „Eugen Onegin“ oder der betörende Tenor des Amerikaners Jamez McCorkle, der sich Don Josés Blumenarie aus Bizets „Carmen“ leidenschaftlich und differenziert ergab. Im Rondo der Vitellia in Mozarts „La clemenza di Tito“ umgarnte Christoph Zimpers Bassetthornsolo perfekt die deutsche Sopranistin Anne-Fleur Werner.

Die Ensembles harmonierten als Quartett im „Idomeneo“ oder Sextett in „Figaros Hochzeit“ genauso perfekt. Und sie setzen mit dem Finale des zweiten „Fledermaus“-Aktes noch einen stürmische bejubelten Rausschmeißer drauf.

Das waren die Young Singers 2017: Gleb Peryazev, Jamez McCorkle, Huw Montague Rendall, Richard Walshe, Ilya Kutyukin, Maciej Kwaśnikowski, Hyunjai Lee, Alessandro Abis, Anne-Fleur Werner, Marvic Monreal, Alina Adamski, Vasilisa Berzhanskaya, Carrie-Ann Williams, Anita Rosati
Bilder: Salzburger Festspiele / Anne Zeuner

 

 

 

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