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Das First Couple und all die anderen

FESTSPIELE / JEDERMANN

04/12/20 Normalerweise wird tage-, wochen oder gar monatelang spekuliert über die neue Buhlschaft: Diesmal haben die Festspiele ganz spontan die Katz' aus dem Sack gelassen: Die Salzburgerin Verena Altenberger wird’s sein. Die künftige Jedermann-Besetzung.

„Ich hatte insgeheim immer gehofft, irgendwann für die Rolle des Jedermann angefragt zu werden – und die Tatsache, dass ich mich damit nun in die Ahnengalerie der größten deutschsprachigen Theaterschauspieler einreihe, ist eine große Ehre“, sagt der designierte Salzburger Jedermann Lars Eidinger. Der 1976 in Berlin geborene Schauspieler ist seit 1999 Ensemblemitglied an der Schaubühne in Berlin. Seine Verkörperungen von Hamlet und Richard III. in Thomas Ostermeiers Inszenierungen wurden international beachtet und machten ihn zu einem der prägenden Schauspieler der Schaubühne. Seine jüngste Theaterrolle war Peer Gynt, produziert von ihm selbst gemeinsam mit dem bildenden Künstler John Bock.

Bei den Festspielen debütierte er 2011 in William Shakespeares Maß für Maß. Bettina Haring, Leiterin des Schauspiels bei den Festspielen über Lars Eidinger: „Seine große Qualität liegt in der Erarbeitung von äußerst komplexen Figuren: Sie sind direkt, radikal, liebenswürdig, charmant, verführerisch gewinnend und bohren sich in unser Bewusstsein und ins Unbewusste, sodass sie uns dauerhaft begleiten.“

Verena Altenberger, die neue Buhlschaft, machte eine steile Karriere als Filmschauspielerin, nachdem sie als drogensüchtige Mutter in dem wunderbaren Film Die beste aller Welten von Adrian Goiginger auf namhaften Filmfestivals viel Aufmerksamkeit gefunden und Preise eingeheimst hatte. Die Buhlschaft wird ihr Festspiel-Debüt sein. Mit Lars Eidinger spielte sie bereits in David Schalkos M – Eine Stadt sucht einen Mörder.

Einige aus dem Jedermann-Ensemble übernehmen neue Rollen im Stück: Edith Clever, in den vergangenen vier Jahren Jedermanns Mutter, spielt ab 2021 den Tod. Mavie Hörbiger, eine einprägsame gestalterin der Guten Werke, übernimmt die Rolle des Teufels, der somit zum ersten Mal weiblich wird.

Jedermanns Mutter ist im nächsten Sommer Angela Winkler. Sie hat Bühnen- und Filmgeschichte geschrieben. Mit Peter Zadek, Robert Wilson und Klaus Michael Grüber hat sie außergewöhnliche Inszenierungen für die Bühne erarbeitet, mit Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorff bereits in den 1970er Jahren das deutsche Filmschaffen mit Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Die Blechtrommel maßgeblich mitgestaltet.

Neu im Jedermann-Ensemble: Anton Spieker ist der Gute Gesell. Jörg Ratjen, der nach seinem Engagement im Ensemble des Burg- und Residenztheaters seit 2013 ein zentraler Spieler am Schauspiel Köln ist, wird in der Rolle des armen Nachbarn zum ersten Mal zu sehen sein. Der ausgebildete Artist, Balletttänzer und Schauspieler Mirco Kreibich, längere Zeit Ensemblemitglied im Hamburger Thalia Theater, übernimmt die Doppelrolle von Schuldknecht und Mammon. An seiner Seite ist Anna Rieser, die ebenfalls aus Salzburg stammt und 2019 mit dem Nestroy als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet wurde, des Schuldknechts Weib.

Kathleen Morgeneyer war bei den Festspielen bereits als Nina in Tschechows Möwe und als Johanna in Schillers Jungfrau von Orléans zu sehen. Sie wird den Glauben spielen.

„Werke werden vom gesamten Ensemble verkörpert und sind ein Synonym für die Spuren, die das eigene Tun in der Welt hinterlässt“, erklärt Bettina Haring.

Aus dem Ensemble 013 wird das Ensemble 021, entsprechend der Jahreszahl dieser bevorstehenden Weiterentwicklung des Jedermann. Mit einer anderen musikalischen Besetzung interpretiert die Live-Band unter der Leitung von Robert Kainar die vielfach neuen Kompositionen von Wolfgang Mitterer. (PSF)

Die Jedermann-Premiere ist für den 17. Juli 2021 vorgesehen, 14 Vorstellungen soll es geben. Das Festspielprogramm für kommenden Sommer ist noch nicht publiziert und man kann auch noch keine Karten reservieren – www.salzburgerfestspiele.at
Bilder: Salzburger Festspiele / Chris Singer (1); Nils Müller (1); Matthias Horn (1); Irina Garvich (1)
Zum Interview mit Verena Altenberger
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