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Ostern gehört zu den Festspielen

GASTKOMMENTAR

Von Wolfgang Danzmayr

24.02.2010 Es ist beinahe schon peinlich, mit wieviel Verve sich die SN-Kulturredaktionschefin seit Wochen mit Rundum-Interviews, Fakten bzw. Vermutungen in permanent sich wiederholenden "Berichten" ("es gilt übrigens die Unschuldsvermutung") und Kommentaren für eine verzichtbare "Kultur"-Einrichtung einsetzt, die sich nicht einmal gut verkauft. Und dies stets auf der Kulturseite der SN, womit die ganze Chose in Wahrheit nicht hingehört, weil es dabei vor allem um juridische, besonders jedoch um wirtschaftliche Inhalte geht.

Ich habe es schon einmal deutlich gesagt: Die Berliner Philharmoniker, tatsächlich eines der weltbesten Orchester, sollen und müssen auch in Salzburg auftreten. Warum aber nicht zentraler bei den Sommerfestspielen, statt ans Festspielende mit gerade mal zwei Konzerten hingequetscht? Darum müsste man sich halt ernsthaft bemühen. Die heimischen Orchester werden solche künstlerischen Gegenüberstellungen doch wohl aushalten.

Ich gehe noch weiter: Ioan Holender hat kürzlich im "profil" die Meinung vertreten, die Salzburger Festspiele und die Osterfestspiele seien zusammenzuführen. Auch wenn ich keineswegs immer des Herrn Holenders Meinungen teilen kann, diesmal gebe ich ihm Recht: Die Osterfestspiele waren ein von Karajan einst (nach seinem unrühmlichen Abgang von der Wiener Staatsoper) erwünschtes Privatfestival in seiner Heimatstadt mit Anspruch auf Alleinherrschaft. Sie waren von Anbeginn vor allem ein gesellschaftliches Event für seine betuchte Anhängerschaft. Inzwischen sind sie trotz meist großartiger Berliner Philharmoniker künstlerisch belanglos geworden - das eine oder andere Ereignis, wie z.B. die von Abbado eingeführten Kontrapunkte-Konzerte, ausgenommen.

Wenn Salzburg jedoch darauf nicht verzichten kann/will, dann sollte endlich auch dieses Festival - wie von Mortier schon richtigerweise erkannt, getraut hat er sich's dann doch noch nicht - in die Verantwortung der Salzburger Festspiele überführt werden. Mit einem erkenn- und nachvollziehbaren Programmkonzept, wie es Hans Landesmann mit den ebenfalls dereinst von Karajan (allerdings bereits als Veranstaltung der Salzburger Festspiele) geschaffenen Pfingstfestspielen ab 1998 zunächst als "Pfingsten Barock" zustande gebracht hat. Inzwischen sind das mit neapolitanischem Flair ausgestattete Aufführungen durch Muti - auch nicht uninteressant.

Dies bitte jedoch ohne Kürzungen für die sogenannten "kleinen" Kulturveranstalter in Stadt und Land, die kulturell wahrlich nicht unwichtiger sind als die "großen" Festivals!

Der große Vorteil neben vielen anderen: Das Problem der Nebenbeschäftigungen löste sich damit von selbst. Die Festspiele zu Ostern würden besser beworben und sie kosteten weniger, selbst wenn sie - was durchaus denkbar, vielleicht sogar wünschenswert wäre - von Peter Alward (dann vielleicht als Angestelltem der Salzburger Festspiele) koordinierend betreut würden.

Ein Denkmodell wie so manche andere auch. - So wie es derzeit angedacht wurde und läuft bzw. sich erfreulicherweise sogar spießt, weil mindestens Heinz Schaden rechtzeitig Lunte gerochen hat, geht es ganz sicher nicht.

Übrigens haben Nico Dostals Witwe, die Sängerin Lilli Claus und ich schon vor ca. 20 Jahren in einer Gesprächssendung herzlich über 'Dos-Taler', 'Böhm-Knödel' und 'Karajan-Stangerl' gelacht. Reinhard Kriechbaums Vorschlag der Lakritze als Grundmaterial für die Karajan-Stangerl stimme ich sehr zu: Lakritze ist wenigstens nicht nur süß ...

 

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