asdf
 

Zwischen Konzert- und Schlagerarie

FESTSPIELE / LIEDERABEND MARIA AGRESTA

01/08/15 Maria Agresta (Sopran) und Julius Drake (Klavier): erst ein Streifzug durch die Geschichte der Konzertarie, dann ein Schwerpunkt auf leichter Spätromantik mit einer Prise Verismo am Freitag (31.7.) im Großen Saal des Mozarteums.

Von Erhard Petzel

Für diesen letzten Aspekt standen Komponisten-Namen wie Luigi Denza, Francesco Paolo Tosti und Luigi Arditi, dessen Schlager „Il bacio“ aufgrund seiner reißerischen Qualitäten einige Leute zum jä aufbrandenden aber deplatzierten Zwischenapplaus verleitete.

Einigendes Band dieses Liederabends war natürlich die Liebe, mehrheitlich schmerzlich ausgerichtet, auf Italienisch und Französisch. Und wenn auch nach der Pause die Revuenummern quasi die Applaus-Automatik in Gang setzten, so war vor der Pause die inhaltliche Spannung doch vielleicht größer.

Julius Drake stimmte mit abwärts gebrochenen Akkorden auf die Klage der verschmähten Braut in Giacomellis „Sposa son disprezzata“ ein. Diese barocke Da Capo-Arie bildete den berührenden Auftakt, der – von Sequenzen und Trillern, ja selbst einer Irritation beim Umblättern unbeschadet – auf die Gemütsbewegtheit der Empfindsamkeit im besten Sinn vorausdeutete. Gleich folgte Mozarts „Dans un bois solitaire“, eine dramatische Miniatur, in der Amor sich, vom Protagonisten geweckt, dadurch rächt, dass diese seine verkorkste Liebe nicht vergessen kann.

Nach der Mozart’schen Wendigkeit wird man sich später zurücksehnen. Bellini lässt bei „La ricordanza“ an seine Opern denken, und auch beim jungen Wagner hört man in „Tout n’est qu’images figitives“ bereits Wolframs Abendstern funkeln, auch wenn Verzierungen und Melodik wesentlich konventioneller einherschreiten. Neckisch Puccinis „Sole e amore“, veristisch im- wie expressionistisch „Terra e mare“.

Reynaldo Hahn lässt im herbstlich-dramatischen Walzerschritt die Geliebte sich vom wankelmütigen Freund verabschieden, und Pier Adolfo Tirindelli landete mit „O primavera!“, 1911 für Caruso komponiert, einen heute noch gespielten Hit. Der wird dann auch von Maria Agresta nochmals als zweite Draufgabe herangezogen, nachdem sie sich zunächst mit der Vorstellung als Mimi offensichtlich die Wunschrolle in der Kür erfüllt hat. Der nach dieser Programmfolge geschickt aufbereitete und entsprechend brausende Schlussapplaus im voll besetzten Haus galt auch Luigi Denza (dem Schöpfer des Hits „Funiculì, funiculà“) und Francesco Paolo Tosti. Letzterer war mit vier Stücken so umfangreich wie niemand sonst vertreten.

Wenn das Klavier in dieser Werkfolge mehrheitlich als Akkordmaschine mit Verismo-Phrasen eingesetzt war, konnte Julius Drake doch so manche überraschende Wendung vollziehen und mit dem Gesang komplexe Partnerschaften eingehen: Perfekte Symbiose von Gedicht und Musik in „‘A vucchella“ nach D’Annunzio als reizende Klangstudie in eilender Sarabande mit geschicktem Melodie-Fluss zum kleinräumigen Text, dessen Versenden mit zwei Reimsilben das Auslangen finden und sich spielerisch drängen. Und wo der Effekt gerne genossen wird, schießt üppig das Da Capo ins Kraut. Womit der Bogen zum barocken Beginn geschlossen war.

Bild: Salzburger Festspiele / Alessandro Moggi

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014