Schall und Rauch

GLOSSE

altVon Reinhard Kriechbaum

18/11/11 So also funktioniert Neoliberalismus: Da erwirtschaftet ein gewisser Herr Haselsteiner mit Straßenbau (in den der Staat nicht geringe Summen investiert) viel Geld. Sehr viel Geld. Zu viel Geld jedenfalls, um es Vater Staat in Form von Steuern in den hungrigen Rachen zurück zu schmeißen. Also wird mit ein paar Compagnons ein Bahnunternehmen gegründet.

Nicht nur, dass dieses Schienen-Unternehmen eines im Wesentlichen vom Staat finanzierten Straßenbauers den Staat um respektable Steuereinkünfte bringt. Die „Westbahn“, die ab 11. Dezember den ÖBB Konkurrenz macht, schadet dem Staat obendrein unmittelbar, weil sie das bundeseigene Unternehmen ÖBB auf einer der ganz wenigen wirklich einträglichen Eisenbahnstrecken torpediert und Kundschaft abwirbt. Macht nichts. Wozu gibt es brave Leute wie unsereinen? Lasst uns doch hilfreich dem Staat zur Seite stehen mit unseren Steuern in Sachen ÖBB.

So weit so schlecht. Nun lesen wir, dass es – als besondere Kundendienstleistung – in der „Westbahn“ Raucherzonen geben wird. Das ist zwar verboten, weil in öffentlichen Räumen grundsätzlich nicht geraucht werden darf. Aber wieso sollten der Herr Haselsteiner und seine Unternehmens-Mitbeteiligten nicht dem Gesundheitsminister genau so eine lange Nase zeigen wie dem Finanz- und Infrastrukturminister?

Gesetz? Was schert das Leute, die investieren und sage und schreibe zweihundert Arbeitsplätze schaffen? Zigarettenqualm reizt die Nase, ja. Aber an der „Westbahn“ stinkt, auch wenn sie mit Elektrizität betrieben wird, wesentlich mehr.

Ob man mit der „Westbahn“ dann im Dezember billig oder gar gratis zum „Delirium“ fahren darf – zu jenem viertägigen Musikfestival in Salzburg, das Herr Haselsteiner wesentlich fördert? Ein Gesamtkunstwerk, eine Symphonie aus Schall und Rauch.

PS: Der Gerechtigkeit halber: Hans Peter Haselsteiner hat sich erst unlängst gar nicht so ablehnend in Sachen Reichensteuer geäußert. Er könnte ihr durchaus etwas abgewinnen, wegen der sozialen Gerechtigkeit. Der Mann weiß, wovon er spricht.