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Mitten im Kampfgetümmel

GLOSSE

altVon Reinhard Kriechbaum

17/08/14 Die Mittagssperre für Autos in der Altstadt läuft heute (Freitag, 17.8.) aus, wir können uns mithin einem echten Kriegsschauplatz zuwenden. Ein recht heftiger Krieg nämlich scheint, wenig beachtet, unmittelbar im Festspielbezirk stattzufinden. Er spielt sich zwischen der Kunst im öffentlichen  Raum und der Musik/Oper ab. Bildende Kunst gegen Tonkunst, das ist Brutalität.

Die Voraussetzungen für erstere scheint auf den ersten Blick nicht so günstig, denn die Tonkunst hat sich verbarrikadiert hinter dem sichernden Gemäuer der Festspielhäuser. Aber die Sache ist für die bildende Kunst nicht verloren, denn sie hat viele Möglichkeiten, sich hinter parkenden Autobussen, Übertragungswagen oder dergleichen zu verstecken. Die Unmenge an Fahrrädern im Fesatspielbezirk erinnert stark an Panzersperren. Die weißen Schirme der Nestlé-Bar auf dem Max Reinhardt-Platz sind zur Tarnung Gold wert.

Kaum getraute man sich als Front-Berichterstatter abzuschätzen, wer gerade die besseren Karten hat. Es scheint aber, dass die mobile oder seit Jahrzehnten festgewachsene Skulpturenkunst allein ob ihrer Zahlen-Übermacht gerade im Vorteil wäre. Der grünspanige Schiller, dem das Foyer der Großen Aula ins Genick zu kippen droht, täte allein nichts ausrichten. Aber er hat vor sich ein Bataillon keck sich aufrichtender Gurkerln von Erwin Wurm. Mögen solche Bio-Waffen auch wie tumbes Gemüse wirken: Es steht neuerdings ein offenkundig alphabetisierter, kluger Mitkämpfer parat, eine Buchstaben-Skulptur von Jaume Pensa. Die war ja bisher im Residenzhof und wies den Eingang zur Galerie Mauroner – aber den Platz hat kurzfristig die Oper erobert. Also steht die Skulptur jetzt im Open-Air-Foyer der Festspiele herum.

Deshalb also haben die Affen von Jörg Immendorf weichen müssen! Sie sind jetzt zum affigen Winkerlstehen vergattert, denn im Hof des Rupertinums regiert ja auch der Plain-Air-Gelderwerb, sprich: Die Kaffeehaustische auf dem ohnedies begrenzten Areal sind um keinen Zentimeter gerückt.

Das Affentor übt demoralisierende Wirkung aus auf die rundum reichlich ausgestreuten Skulpturen – eine Sache, die aber durch die Standfestigkeit des Kiefer-Pavillons wieder relativiert wird. Und den Wilden Mann, der neuerdings restauriert die Stellung hält, hat auch noch kein Autobus und kein Übertragungswagen beim Reversieren umgefahren. Das gibt Auftrieb. Andrerseits: Zenzmaiers sargähnliche Bronze-Skulpturen an der Fassade des Hauses für Mozart könnten die Funktion von Schreckfiguren an gotischen Kathedralen haben.

Man sieht: Der Kunst-Krieg ist durchwachsen, Prognosen lassen sich kaum abgeben. Sonderbotschafter des UNESCO (vom Departement Welt-Kulturerbe) inspizieren den Ort regelmäßig. Aber außer mehr oder weniger diplomatischen Wortmeldungen hat man von dieser Seite nichts vernommen. Wir können nur hoffen. Bei den „Disputationes“ im Umkreis der "Ouverture spirituelle" hat vor drei Wochen ein Rabbi, der’s wissen muss, von Kunst und Festspielen als eine den Frieden sichernde Sache gesprochen. Sein Wort in (wessen auch immer) Gottes Ohr.

 

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