Abschied von der Gender-Apartheid

HINTERGRUND / BORROMÄUM

11/04/19 Früher war die Welt noch in Ordnung und der Besuch des erzbischöflichen Gymnasiums Borromäum quasi die Vorstufe zum Eintritt ins Priesterseminar. Mädchen, die fromme Knaben allzuleicht vom rechten Weg abbringen, hatten und haben bis heute im Borromäum nichts zu suchen.

Von Reinhard Kriechbaum

Mit der Gender-Apartheid ist in anderthalb Jahren Schluss. Ab Herbst 2020 werden auch Mädchen das Borromäum besuchen können. Damit ist man im Borromäum genau eine Gymnasial-Generation später dran als das Privatgymnasium der Ursulinen. Dieses war seinerzeit ausschließlich Mädchen vorbehalten. Die diesjährigen Maturantinnen dort sind die letzten in reinen Mädchenklassen. Das Privatgymnasium der Herz-Jesu-Missionare, einst eine Bubenschule, hat bald darauf Mädchen ei eingeladen: die ersten sind jetzt in der fünften Klasse. Das Privatgymnasium der Steyler Missionare auf dem „Kreuzberg“ in Bischofshofen führt sein 1998 gemischte Klassen, war also bei den Gymnasien in katholischer Trägerschaft ein Vorreiter hinsichtlich der Koedukation.

Das Borromäum kann am heutigen Standort auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Die Anfänge gehen auf den Salzburger Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg zurück, der 1836 Buben aus den Gebirgsgauen in der Stadt Salzburg privat unterbringen und verpflegen ließ. Ab 1840 bestand eine Wohngemeinschaft im Berchtesgadener Hof (Posthof) im Kaiviertel, 1843 erhielt das „Archiepiscopale Collegium puerorum“ (Erzbischöfliches Knabenseminar) die staatliche Anerkennung als „autorisiertes Privatconvict“. Die nun etwa vierzig Personen umfassende Gemeinschaft übersiedelte 1847 in den Graf-Lodron-Laterno-Primogentur-Palast (das heutige Mozarteum) in der Dreifaltigkeitsgasse. 1884 erhielt die Bildungseinrichtung das Öffentlichkeitsrecht auf unbestimmte Zeit.

Das neue diözesane Knabenseminar und Privatgymnasium Borromäum – also der heute bestehende Komplex auf den Arenberggründen (Stadtteil Parsch) entstand 1910 bis 2012. Es ist vier Mal so groß wie das alte in der Innenstadt.

Im Nationalsozialismus kam es zunächst zu sukzessiven räumlichen, personellen und finanziellen Beschneidungen, schließlich zur Enteignung. Das Gymnasium übersiedelte nach Bischofshofen ins dort bestehende Privatgymnasium St. Rupert der Steyler Missionare. 1939 wurde auch diese Schule geschlossen und in die „NS-Erziehungsanstalt Kreuzberg“ umgewandelt.

Nach Ende des Kriegs eröffnete das Borromäum im von Bomben verschonten, geplünderten und zuvor noch von Besatzungstruppen genützten Gebäude in Parsch seinen Schul- und Unterrichtsbetrieb im Oktober 1946.

Es entstanden ein Fest- und Theatersaal (1953/54), eine Turnhalle und Neubauklassen (1967/77), eine Sportanlage (1999/2000). Nach Einstellung des Internatsbetriebs gab's viel Platz, so wurden verschiedene diözesane Einrichtungen dort angesiedelt. Das Bildungszentrum Borromäum vereint die Kirchliche Pädagogische Hochschule – Edith Stein, das Erzbischöfliche Privatgymnasium Borromäum, Teile des Seelsorgeamts, die AV-Medienstelle, das Katechetische Amt und das Referat für Berufungspastoral unter einem Dach.

Das bisherige katechetische Amt, zuständig für den Religionsunterricht, wird übrigens in „Amt für Schule und Bildung“ umbenannt. Damit, so heißt es in einer Aussendung der Erzdiözese, solle „die Schnittstelle zu den staatlichen Bildungseinrichtungen deutlicher hervorgehoben“ werden. Außerdem sollen die diözesanen Bildungszentren St. Virgil, Borromäum und das Tagungshaus Wörgl im Tiroler Teil durch ein eigenes Referat für Erwachsenenbildung unter der Leitung von Rektor Michael Max stärker vernetzt werden.

Bild: www.borromaeum.at