Deutsche „Retter“ und bunte Kurzzeitbesatzer

HINTERGRUND / ZEITGESCHICHTE (1)

06/05/15 Mai 1945. Salzburg wird von der Regenbogen-Division eingenommen. Soweit die landläufige Annahme. Mit entsprechendem zeitlichen Abstand und nach kritischer Sichtung der Archivalien sieht man die Ereignisse, die das NS-Regime und den Krieg im Land Salzburg beendeten, deutlich differenzierter. Die historische Aufarbeitung der letzten Jahre brachte so manche kuriose Überraschung ans Licht der Nachwelt.

Ende April 1945 stand der endgültige Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschland unmittelbar bevor. Aus dem Berliner Führerbunker kamen Durchhalteparolen und „Endsieg“-Illusionen, während sich Adolf Hitler das Leben nahm. Alliierte Truppen rückten aus allen Himmelsrichtungen auf Österreich zu. In Salzburg war nicht klar, ob die Rote Armee oder die US-Amerikaner die ersten sein würden. Am frühen Morgen des 4. Mai betritt Ernst Florian Winter, Schwiegersohn von Georg Ludwig von Trapp, bei Burghausen als erster Amerikaner österreichischen Boden – per Schlauchboot und Fahrrad.

Der bayerische Berufsoffizier Oberst Hans Lepperdinger, Kampfkommandant für den „Sicherungsbereich Salzburg“, hatte versucht, zurückströmende deutsche Truppen rasch durch den Salzburger Zentralraum ziehen zu lassen, um bei einem Verteidigungsbefehl keine Streitmacht befehligen zu müssen. Kurz nachdem ihn in den frühen Morgenstunden desselben Tags genau dieser Befehl erreicht, erklärt er um sechs Uhr morgens vom Befehlsbunker im Mönchsberg die „letzte freie deutsche Stadt zur offenen Stadt“. Bereits in der Nacht waren die Sprengladungen unter den Innenstadtbrücken entfernt worden. Zeitgleich machte sich der Chef der Schutzpolizei in Salzburg, der gebürtige Hannoveraner Wilhelm Kirchhoff, auf zur Saalach-Grenze, um den dort wartenden US-Truppen die kampflose Übergabe anzubieten. Er hatte Lepperdinger zu verstehen gegeben, eine kampflose Übergabe zu unterstützen.

Der Plan geht auf und die Amerikaner schicken Captain Shine – der nachweislich erste alliierte Soldat auf Salzburger Boden - mit Kirchhoff in die Stadt. Die beiden kehren mit Lepperdinger an die blockierte Eisenbahnbrücke an der Saalach zurück, um dort die Übergabeverhandlungen zu führen. Das noch heute bestehende Gasthaus Zollhäusl dient als Quartier. Noch vor Mittag des 4. Mai erreichen Panzer der 3. US-Infanterie-Division die Staatsbrücke – Salzburg ist befreit.

Mit Lepperdinger und Kirchhoff waren es zwei Deutsche, die über die kampflose Übergabe Salzburgs entschieden. Beide erhielten später die österreichische Staatsbürgerschaft. Kirchhoffs Anteil am glimpflichen Ende des Zweiten Weltkriegs in Salzburg ist danach der Vergessenheit anheim gefallen. Der Militärhistoriker Gernod Fuchs hat nun die damaligen Vorgänge zurechtgerückt. Und: Die als US-amerikanische Salzburger Besatzungsmacht im Gedächtnis behaltene Rainbow-Division, die 42. Infanterie-Division, war weder Befreier in den Maitagen 1945 noch blieben die vom Salzburg-Freund Generalmajor Harry Collins – er heiratete eine Salzburgerin und wurde Ehrenbürger der Landeshauptstadt - befehligten US-Soldaten länger im Land. Bereits Ende Juli 1946 wurden die Regenbogen-Soldaten abgezogen. (Wird fortgesetzt)

Dieser Text ist als „Grenzfall“ auf www.salzburg.at, der Plattform für die Europaregion, veröffentlicht worden.