Der Palazzo an der Schranne

HINTERGRUND / RENOVIERUNG PFARRHOF ST. ANDRÄ

10/11/15 Apotheke. Wäschegeschäft. Fürst. Boutique. Darüber der Pfarrhof von St. Andrä - aber das ist nicht einmal allen Salzburgern bewusst. Dabei gehört das Gebäude „Mirabellplatz 5“ zu den Raritäten in der Stadt Salzburg, Schrannen-Besucher haben es Woche für Woche vor Augen.

Von Heidemarie Klabacher

Unter der Bauplane wirkte die neue Färbelung noch knallig und statisch. Heute Dienstag (10.11.) wurde die frisch renovierte Nordwest-Fassade des Pfarrhofs St. Andrä enthüllt: Kraftvolle warme Ockerfarben verbinden sich nun mit dem natürlichen Licht zu einem lebendigen Bild. Irgendwie südlich, auch ohne südliche Sonne - ein Italienischer Palazzo. „Eine Fassade des 19. Jahrhunderts in der Barockstadt“,so die Landeskonservatorin Eva Hody heute Dienstag (10.11.) bei einem Pressegespräch zum Abschluss der Renovierung der Nordwest-Fassade.

Das Gebäude wurde im Jahr 1900 von Architekt Josef Wessicken geplant und - vor allem - von Jacob Ceconi gebaut und gestaltet wie ein viergeschossiger Italienischer Palazzo: Das wird Salzburgern und Touristen wieder auffallen, wenn dann alle vier Seiten des Gebäudes in ihren kraftvollen warmen Naturtönen gefärbelt sind.

Die 311 Quadratmeter der Nordwest-Fassade, zur Kirche hin, sind fertig. Die Restaurierung der gesamten 1600 Quadratmeter Fassadenfläche soll im Herbst nächsten Jahres abgeschlossen sein. Zwei Jahre lang haben Baumeister, Expertinnen und Experten vom Denkmalamt und vom Bauamt der Erzdiözese, vor allem aber Restauratoren und Handwerker die Fassade untersucht, akribisch Farb- und Putzschichten und Materialsorten analysiert.

Die Materialien, die für die Renovierung verwendet werden, sollen ja – vereinfacht gesagt – mit den ursprünglichen Materialien „kompatibel“ sein. Wer kennt nicht den Ärger, wenn beim Wohnzimmerweißeln die alte Farbe mit der neuen wieder herunterkommt. Auf 1600 Quadratmeter historischer Fassade wäre das nicht nur ärgerlich, sondern vor allem kostspielig.

Seit etwa fünfzehn Jahren werden daher im Modernen Denkmalschutz Fassaden vor der Renovierung genau untersucht. Neue Wissenschaft und vor allem altes Handwerk müssen zusammenspielen. Beim Pressegespräch berichteten Landeskonservatorin Eva Hody, der Leiter des Bauamtes der Erzdiözese Salzburg Erich Rieger, Baumeister Christoph Hillebrand – und vor allem der Restaurator Franz Niederhauser. „Wir haben es heute meist mit Spezialisten zu tun. Aber eine solche Renovierung ist eine Gesamtaufgabe.“

Die Renovierung ausschließlich mit historischen Farben und Materialien durchzuführen, wäre schlicht und einfach zu teuer gekommen. Die jetzt verwendete Farbe, besteht aus natürlichen Ockertönen, sei eine „Silikatfarbe mit geringer Kunstharzbindung“, erklärt der Restaurator Franz Niederhauser. Die Vorarbeiten seien beinahe dieselben gewesen wie für eine rein historischen Renovierung, vier Farbschichten seien zu siebzig Prozent abgetragen worden. „Dispersionsfarbe hat die Oberfläche dicht gemacht. Darunter ist der Putz mürbe geworden.“ „Wichtig ist auch das, was man nicht sieht!“ Alte Putzausbesserungen seien etwa mit zuviel Zement angerührt worden, auch darunter konnte das Material nicht „atmen“, habe es keine „lebendige Putzschicht“ gegeben. Und die Oberfläche, Umwelt- und Witterungseinflüssen ausgeliefert, bröckelt.

Die rein „historische Restaurierung“ muss also gar nicht immer die beste sein: „Heute wissen wir“, so Franz Niederhauser, „bei Gebäuden, die mehrmals mit modernen Materialien restauriert worden sind, müssen wird Kompromisse eingehen“. Die Analysen brauchen Zeit, erfordern Geduld „und der Bauherr muss das aushalten“. Dieser wolle aber auch nicht alle zehn Jahre eine neue Fassade.

Seit 1900 ist der Pfarrhof St. Andrä viermal heruntergefärbelt worden. Was jetzt wiederhergestellt wird ist die erste Fassung von 1900. Die Geschäftsfassaden im Erdgeschoss würden nicht geändert: „Das Gebäude hat Ausstrahlung und Kraft. Es hält aus, was nicht dazu passt“, so Landeskonservatorin Eva Hody.

Bilder: dpk-klaba