Grüner Daumen für Gewächse aus dem gelobten Land

HINTERGRUND / BIBELGARTEN

15/06/16 Papyrus ist nicht nur das Material, auf dem schnipselweise die eine oder andere Passage des Alten Testaments erhalten ist. Aus Papyrus war vermutlich auch jenes Körbchen geflochten, auf dem Moses als Säugling auf dem Nil schaukelte und das von der Tochter des Pharao aus dem Wasser gezogen wurde.

Von Reinhard Kriechbaum

Papyrus also darf nicht fehlen in einem „Bibelgarten“, wie es ihn jetzt auch in Salzburg, in der Elisabethvorstadt, gibt. Am kommenden Samstag (18.6.) wird der neue Bibelgarten der Bibelwelt Salzburg eröffnet. Seit April zieht man dort entlang der Kirchenmauer allerlei Grünzeug, das in der Bibel genannt wird. Pfarrer Heinrich Wagner freut sich: „Die Bibelwelt hat jetzt einen grünen Vorgarten erhalten, ein paradiesisches Stückchen Erde.“

Mehr als hundert biblische Pflanzen wachsen dort. Ab Herbst werden spezielle Themen-Führungen unter dem Motto „Vom Papyrus bis zum Rizinusstrauch“ angeboten. Wie ist die Sache beispielsweise mit dem Rizinus? In der Bibel geht es keineswegs darum, dass das Öl aus diesem Gewächs sehr geeignet als Abführmittel ist. Der Rizinus taucht als kurzzeitiger Schattenspender in der Geschichte des Propheten Jona auf. Aber wie es so ist mit dem lieben Gott und seinen unerforschlichen Ratschlüssen: Das Grünzeug verdorrt auch wieder rasch, worauf der Prophet mit seinem Herrn ordentlich ins Zanken kommt. Übrigens gibt es gar nicht wenige Bibelübersetzer, die das hebräische Wort qîqâjôn nicht als Rizinus sondern als Flaschenkürbis übersetzen. Oft ist es nämlich aus mehrtausendjähriger Ferne nicht so einfach mit der eindeutigen botanischen Zuschreibung von hebräischen Wörtern.

Viel eindeutiger ist es mit dem Weinstock und den Trauben – die sind in der Bibel metaphorisch anschaulich aufgeladen. Ein Bibelgarten dient logischerweise dem Vorzeigen von Prototypen und nicht der Landwirtschaft. Aber auch diesbezüglich lassen sich schöne Geschichten erzählen: Gemäß alttestamentarischen Vorschriften musste ein Teil der Ernte auf den Feldern für die Armen zurückgelassen werden, die keinen Landbesitz hatten. Ihnen stand das Recht auf eine Nachlese zu. Aus gleichen Grund durften die Felder nicht ganz bis zum Rand abgemäht werden. Alle sieben Jahre sollten die Felder brach liegen, so dass der Boden sich erholen konnte. Was in dieser Zeit auf von alleine wuchs, sollte den Armen zur Verfügung stehen. Man hatte also brauchbare Rezepte in Sachen „Umverteilung“.

Entworfen und umgesetzt wurde das Projekt vom Salzburger Gartengestalter Norbert Kopf und ehrenamtlichen Helfern. Die sind, so heißt es, auch in Zukunft gefragt: Alle vierzehn Tage, immer an einem Montag, ist Bibel-Garteln angesagt. „Der nächste Bibelgärtner-Termin ist der 20. Juni, von 8 bis 17 Uhr“, so Bibelwelt-Direktor Eduard Baumann.

Der Bibelgarten neben der Elisabethkirche kann kostenlos besucht werden. Bibel-Gärtner können sich telefonisch (0676/87467085) oder per Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden. Düngen kann man aber auch per Bank, AT53 3500 0000 5911 4165 – www.bibelwelt.at
Bild: Baumann/Bibelwelt (1); Wikipedia (1)