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Eine der letzten echten Opern-Legenden

TODESFALL / MIRELLA FRENI

10/02/20 „Für die Salzburger Festspiele war sie eine jener Künstlerinnen, denen wir den Ruf zu verdanken haben, die besten Festspiele der Welt zu sein“, sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einer ersten Reaktion auf den Tod von Mirella Freni.

Eine Geschichte, die stimmt oder auch nicht: Die Amme soll im Herbst und Winter 1935/36 zwei Säuglinge gleichzeitig zur Brust genommen haben: Mirella Freni – und Luciano Pavarotti. Beiden war von ihrer Familie her eine Künstlerkarriere nicht vorherbestimmt. Beniamino Gigli riet ihr zum Gesangsstudium: Als 19jährige debütierte Mirella Freni in ihrer Geburtsstadt als Micaëla in Carmen. Diese Rolle war später auch ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen 1966. Es folgte 1968 und 1969 die Zerlina in Don Giovanni.

Vierzehn Sommer lang zwischen 1966 und 1980 begeisterte Mirelli Freni mit ihrem lyrischen Sopran gleichermaßen Publikum und Kritiker der Salzburger Festspiele. Stets an der Seite ihres großen Förderers Herbert von Karajan sang sie mit Sängergrößen wie José Carreras, Plácido Domingo, Christa Ludwig oder José van Dam.

Die Desdemona in Verdis Otello gab Mirella Freni drei Festspielsommer in Folge: 1970, 1971 und 1972. Die Kritiker überschlugen sich damals mit Lob über die Sängerin: „Mirella Freni als Desdemona aber wird zum Höhepunkt des Abends. Beweist sie im ersten Liebesduett und später, in der Arie nach ihrer Erniedrigung die ganze Zartheit und silbrige Süße ihres Soprans, so scheint sie im letzten Akt, ihrem Akt, noch über sich hinauszuwachsen“, schrieb Hilde Spiel in der FAZ. Und Gottfried Kraus in den SN: „An der Spitze der Sänger steht Mirella Freni, deren Desdemona nicht nur durch Anmut und natürliche Ausstrahlung, sondern auch durch Reinheit und vollkommenste Beherrschung des Singens fasziniert. Hier ist die ideale Synthese von lyrischer Süße und dramatischen Möglichkeiten, die dieser Rolle so selten zuteil wird.“

Nach einem Jahr Salzburg-Pause kehrte Mirella Freni 1974 als Susanna in Le nozze di Figaro zurück. Inszeniert hatte das Stück damals Jean-Pierre Ponnelle. Gleich vier Sommer in Folge trat sie als Elisabetta di Valois in Don Carlos auf (aus dieser Produktion das Archivbild der Festspiele). Das Stück, das ebenfalls von Herbert von Karajan musikalisch geleitet und inszeniert wurde, wurde nach der Premiere 1975 dreimal wiederaufgenommen: 1976, 1977 und 1978.

Ein ebenso großer Erfolg war zu guter Letzt Aida (1979 und 1980). Norbert Tschulik beschrieb in der Wiener Zeitung ihren Auftritt so: „Noch tiefer, noch stärker aber ist der Eindruck, der von Mirella Freni, der Aida dieses Abends, ausging. Der Ton dieser glockenreinen, wunderbar geführten Engelsstimme drang wieder in die Tiefe unserer Herzen, weil die vollendete Künstlerschaft der Freni über so viel beseelte Innerlichkeit verfügt: Schlicht und ohne Pose stellt sie eine menschlich berührende und darum ideale Aida auf die Bühne.“

Mirella Freni auf dem Konzertpodium der Festspiele: Verdis Messa di Requiem sang sie 1975 mit den Wiener Philharmonikern sowie 1978 und 1980 mit dem Berliner Philharmonischen Orchester. Dieses Konzert sollte der letzte Auftritt der Sopranistin bei den Salzburger Festspielen werden.

Am Sonntag (9.2.) also ist Mirella Freni im Alter von 84 Jahren in ihrer Heimatstadt Modena gestorben, nach langer schwerer Krankheit und einigen Schlaganfällen, wie es heißt. (PSF/dpk-krie)

Bild: Salzburger Festspiele / Felicitas Timpe

 

 

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