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Offener Brief zum Kommentar Eine Greta Thunberg der Kultur (2.1.)

14/01/20 In den Ausführungen des Kommentars „Eine Greta Thunberg der Kultur“ stellen Sie eine Analogie zwischen Alma Deutscher und Greta Thunberg her, die in mehrerer Hinsicht überrascht. Es mag sein, dass sowohl Alma Deutscher durch ihre Fähigkeit, die Menschen durch ihre Musik zu bewegen, ebenso wie Greta Thunberg, die den Mut aufbringt, Zustände zu formulieren, überdurchschnittlich medial präsent ist. Es mag auch sein, dass Alma Deutscher und Greta Thunberg Menschen aller Generationen mitreißen können und dass sie dadurch bei einigen Menschen wiederum anecken und für überschätzt gehalten werden. Sie selbst schreiben, dass Alma Deutscher zweifelsohne hochbegabt sei.
Umso unverständlicher empfinde ich es deswegen, dass Sie die Analogie so in Gedanken fortschreiben, dass Sie die meines Erachtens unangemessene Kritik, die Greta Thunberg von einigen Medien entgegenschlägt, nun selbst auch gegen Alma Deutscher richten. Warum zweifeln Sie die Möglichkeit an, dass diese junge Künstlerin eigene musikalische Ideale hat und eine selbstbestimmte Karriere machen kann? Es ist typisch, dass Greta Thunberg immer kritisiert wird, sie sei allein ein Produkt ihres Umfeldes und quasi ferngesteuert. Das werfen Sie nun auch Alma Deutscher vor. Ich habe das Gegenteil erlebt. Ja, es mag schwer vorzustellen sein, aber der Familie Deutscher gelingt es, dass Alma ein ganz normales Leben als Kind führen kann und gleichzeitig verblüffende Schritte als Künstlerin macht. So ist im Übrigen auch unser Engagement zur verstehen. Wir möchten ihr die Gelegenheit geben, sich zu entwickeln.
Sie hat sich nun mit ihrem Debüt in Salzburg beim Silvesterkonzert vorgestellt. Wir halten die Oper „Cinderella“ für interessant genug, sie hier zu spielen und wir möchten diese junge Künstlerin gerne bei ihrer nächsten Komposition begleiten: ohne den Druck, dass morgen oder übermorgen schon eine fertige Partitur daliegen muss. Darüber hinaus möchten wir Sie gerne einladen, diesen Prozess, den wir sowohl menschlich als auch künstlerisch verantwortungsbewußt führen möchten, ebenso journalistisch zu begleiten.
Carl Philip von Maldeghem, Intendant des Salzburger Landestheaters

 

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