Eine ganz altmodische Beziehung

BUCHBESPRECHUNG / PELLANDINI / DIESES ALTMODISCHE GEFÜHL

31/10/16 Burgschauspielerin trifft auf Bauunternehmer. Sie ist 69 Jahre alt, er 50. Er begehrt sie, sie lässt ihn abblitzen. Klingt nach keiner guten Basis für eine Beziehung, kann aber auch sehr harmonisch ablaufen. Ganz altmodisch geht es zu in Bruno Pellandinis Roman, der dieses Wort im Titel trägt.

Von Verena Resch

Eine eingestürzte Zimmerdecke – ein wahrhaft dramatischer Beginn für eine Liebesbeziehung. So lernt der Bauunternehmer Ildefons Krehmayer die fast zwei Jahrzehnte ältere Pernilla Brigido kennen, eine ehemals gefeierte Burgschauspielerin. Die weiß aus dem Pech einen Vorteil zu ziehen und nutzt die Gelegenheit, um das Arbeitszimmer ihres verstorbenen Ehemannes zu entsorgen. Auch Ildefons, der sofort von der agilen Dame beeindruckt ist, nützt seine Chance und nimmt die Arbeiten in ihrer Wohnung als Vorwand, um sie regelmäßig zu besuchen. So entsteht eine schnell eine Freundschaft. Pernilla führt ihn in ihren Bekanntenkreis ein und er wird zum Begleiter für Vernissagen und Abendgesellschaften.

Ildefons legt die Karten schon bald offen auf den Tisch und gesteht Pernilla, dass seine Gefühle keineswegs rein freundschaftlich sind. Die hält ihn trotz aller Beteuerungen an der langen Leine und macht ihm deutlich, dass es mehr als platonische Freundschaft für sie nicht geben wird. Und diese ist schon kompliziert genug – Pernilla kann launenhaft und anstrengend sein. Zu allem Überfluss mischen sich auch noch Freunde und Familie der Brigido ein, die die Beziehung zwischen den beiden mit Argusaugen beobachten. Plötzlich scheint es, als wäre alles zwischen den beiden aus...

Im zweiten Teil nähern sich die beiden altersmäßig in gewisser Weise einander an: Pernilla erhält die Chance zu einem Bühnencomeback, erscheint jünger und energiegeladener als je zuvor und schmiedet Pläne für die Zukunft. Ildefons wird durch einen Unfall körperlich beeinträchtigt und ist auf ihre Pflege angewiesen. Und doch bleibt stets eine Distanz zwischen ihnen: Während einer gemeinsamen Reise schlafen sie in getrennten Zimmern und bis zum Schluss wechseln sie nie vom förmlichen „Sie“ zum „Du“.

Dass sie sich nicht „kriegen“ und es eine Liebesgeschichte ist, die ganz ohne Bettszenen auskommt – gerade das macht den Reiz von Bruno Pellandinis neuem Roman aus. Er ist äußerst vergnüglich zu lesen, so unkonventionell wie die Protagonisten und gleichzeitig – wie ja bereits der Titel verspricht – wunderbar altmodisch. Trotz aller Turbulenzen und Schwierigkeiten schafft es der Autor, das Paar zu einem harmonischen Ende zu führen, denn was dennoch immer da ist, ist „dieses altmodische Gefühl“...

Bruno Pellandini, Dieses altmodische Gefühl. Roman. 296 Seiten. Residenz Verlag 2016 – www.residenzverlag.at