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Ohne Widerspruch wird ALLES totalitär

ÖSTERREICHISCHER STAATSPREIS FÜR EUROPÄISCHE LITERATUR

13/08/20 Er habe den jüngsten Roman Drago Jančars Wenn die Liebe ruht geschenkt bekommen und wegen des Titels für „Strandlektüre“ gehalten, erzählte Alexander Van der Bellen bei der Preisverleihung. „Ich musste ein weiteres Vorurteil begraben. Die Lektüre war ein Erlebnis und ich habe das Buch inzwischen selbst mehrmals verschenkt.“

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur 2020 wurde kürzlich in Salzburg dem slowenischen Autor Drago Jančar überreicht. Der Preis wird seit 1965 jährlich für ein literarisches Gesamtwerk vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Preisträger der letzten Jahre waren Karl Ove Knausgård (2017), Zadie Smith (2018) und Michel Houellebecq (2019). Die fünfköpfige Jury bestand 2020 aus Katja Gasser, Cornelius Hell, Alexander Potyka, Martina Schmidt und Anne-Cathrine Simon.

Die europäische Literatur sei ein „Orchester vieler verschiedener Stimmen in vielen verschiedenen Sprachen“, sagte der Preisträger Drago Jančar. Sein Stimme sei nur eine von ihnen: „Ich freue mich, dass sie auch in Österreich Gehör gefunden hat.“

„Am Einzelnen die Verwerfungen unserer Geschichte eindringlich nachvollziehbar zu machen: darin liegt eine der großen Stärken seiner Literatur“, heißt es in der Jury-Begründung: „Drago Jančar schreibt seit jeher im Bemühen darum, Simplifizierungen als etwas kenntlich zu machen, das letztlich auf die Vernichtung der Menschlichkeit hinausläuft. Mit Drago Jančar wird ein Schriftsteller mit dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur geehrt, dessen Werk bezeugt: ohne Widerspruch, ohne Widerrede bleibt jedes Bild unvollständig und in der Tendenz totalitär.“

Die Preisverleihung fand unter anderem im Beisein von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke im Solitär der Universität Mozarteum statt. Ebenfalls anwesend waren Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Bundeskanzlerin a.D. Brigitte Bierlein, Staatssekretärin a.D. Ulrike Lunacek, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler sowie die slowenische Kulturstaatssekretärin Ignacija Fridl-Jarc.

Sie freue mich über den diesjährigen Preisträger Drago Jančar, sagte Staatssekretärin Mayer, „den europäischen Geschichtenerzähler slowenischer Sprache“. Der Autor, „der uns mit oftmals verstörenden Wahrheiten konfrontiert“ verfügte über das Talent „uns für alle Formen von Ideologie, Machtmissbrauch und Gewalt empfindlich zu machen und gegen Hochmut, Eitelkeit und Größenwahn aller Art zu immunisieren.“ (Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport)

Bild: Hanser Literaturverlage / Jože Suhadolnik/Delo
Drago Jančar bei Hanser / Zsolnay Verlag - www.hanser-literaturverlage

 

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