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Sie kommen aus dem Krieg. Falls sie reisen dürfen

EUROPA DER MUTTERSPRACHEN

26/05/23 Istanbul, Tbilisi und Czernowitz: Das Festival Europa der Muttersprachen gilt von 1. bis 3. Juni der Metropole in der westukrainischen Bukowina sowie den Hauptstädten der Türkei und Georgiens. Die jeweiligen Literaturhäuser sind Mit-Veranstalter im Literaturhaus Salzburg.

Von Heidemarie Klabacher

Den Anfang macht die Türkei. Yasemin Congar ist die Leiterin des Literaturhauses Kiraathane in Istanbul. Sie präsentiert die Autorin Perihan Mağden und den Autor Ahmet Altan mit Lesungen und Gespräche auf Türkisch, Englisch und Deutsch. Mit der Schriftstellerin und Journalistin Perihan Mağden, geboren 1960 in Istanbul, trete in Salzburg eine der wichtigsten literarischen Stimmen der Türkei auf, so Literaturhausleiter Tomas Friedman, der das Festival Europa der Muttersprachen vor mittlerweile respektgebietenden 28 Jahren ins Leben gerufen und, von Form und Dauer her, ständig weiter entwickelt hat.

Von Perihan Mağdens sechs Romanen sind vier ins Deutsche übersetzt bzw. verfilmt worden. Eine Netflix-Serie basiert auf ihrem Buch Wovor wir fliehen aus 2010. Die Autorin liest auf Türkisch aus ihrem Werk und spricht auf Englisch über ihre Arbeit und die politische Situation in ihrer Heimat. Auf Deutsch liest Irina Blaul.
Der türkische Autor und Journalist Ahmet Altan, 1950 in Ankara geboren, wurde 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Buch Ich werde die Welt nie wiedersehen mit Texten aus dem Gefängnis erschien im selben Jahr im S. Fischer Verlag. Auf internationalen Druck wurde Ahmet Altan 2021 freigelassen und mit einem Ausreiseverbot belegt. „Sollte Altan nicht reisen dürfen, ist eine Video-Botschaft geplant“, erklärt Tomas Friedmann. Altan gilt als einer der bekanntesten Intellektuellen und erfolgreichsten der Türkei, 2022 erschien sein Roman Hayat heißt Leben.

Nach dem Istanbul-Auftakt am Donnerstag (1.6.) fällt am Freitag (2.6.) der Blick auf die georgische Hauptstadt Tbilisi. Den Abend leitet Nino Nadibaidze, in der Heimat zuständig für das internationale Programm im Writers House in Tbilisi. Gelesen und diskutiert wird auf Georgisch, Englisch und Deutsch. Mit Ana Kordzaia-Samadashvili, geboren 1968 in Tbilisi, ist eine der prominentesten Autorinnen Georgiens zu Gast in Salzburg. „In ihren Romanen und Erzählungen spiegelt sich oft das alte Tiflis als Hintergrund ihrer Frauenfiguren, die stets aufbegehren“, erklärt Tomas Friedmann.

Ana Kordzaia-Samadashvili lebt als Autorin, Übersetzerin und Kulturjournalistin in ihrer Heimatstadt, wo sie an der Universität Kreatives Schreiben und Literatur unterrichtet. Auf Deutsch erschienen ihre Romane Wer hat die Tschaika getötet 2016, Kinder von Schuschanik 2018, Sinka Mensch 2020 und der zusammen mit Abo Iaschaghaschwili geschriebene Erzählband Durch den wilden Kaukasus 2021. Die vielfach ausgezeichnete Autorin ist eine namhafte Übersetzerin von Werken Elfriede Jelineks, Ingeborg Bachmanns, Franz Kafkas und Bertolt Brechts ins Georgische. Im Literaturhaus Salzburg liest die Autorin selbst auf Deutsch und spricht über Literatur und Leben in Georgien.

Den Abschluss des heuer dreitägigen Festivals Euopa der Muttersprachen bildet am Samstag (3.6.) der literarische Besuch aus Czernowitz. Ukrainisch und wieder Deutsch und Englisch sind die Sprachen, mit denen Sofia Andruchowytsch und Igor Pomeranzew Einblick in ihr Werk und die aktuelle Lage ermöglichen. Seit 2010 findet in Czernowitz Anfang September das internationale Poesiefestival Merdian Czernowitz statt.

Es wird geleitet von der Kulturmanagerin und Übersetzerin Evgenia Lopata. Sie begleitet den Abend in Salzburg und stellt zusammen mit der Autorin Sofia Andruchowytsch das soeben erschienene Kriegstagebuch, die Anthologie State of War. Darin gibt es 35 Texte von zum Teil auch weit über die Grenzen der Ukraine hinaus bekannten Autoren, von Juri Andruchowytsch bis Serhij Zhadan.

Und natürlich von Sofia Andruchowytsch selber. „ Jeder dieser Texte befasst sich mit der harten Wirklichkeit des Krieges“, berichtet Tomas Friedmann. Sofia Andruchowytsch wurde 1982 in Iwano-Frankiwsk geboren und lebt in Kiew. 2014 gelang ihr der literarische Durchbruch mit Der Papierjunge.

Weiter vorgestellt wird das ebenfalls brandneue Buch Czernowitz. In-Ex-Terieur mit Essays, Prosa und Lyrik von Igor Pomeranzew. Er ist ein Schriftsteller aus Czernowitz, der vom KGB in den 1970er Jahren verhaftet wurde, nach Deutschland auswanderte, in London und München fürs Radio arbeitete und heute in Prag lebt. Pomeranzew wurde 1948 in Saratow in der damaligen UdSSR geboren und studierte in Cernowitz. Er veröffentlicht Bücher auf Russisch und Ukrainisch. Auf Deutsch liest an diesem Abend Christiane Warnecke, es übersetzt Mariya Donska.

Europa der Muttersprachen – Donnerstag (1.6.), Freitag (2.6.) und Samstag (3.6.) jeweils um 19.30 im Literaturhaus Salzburg - www.literaturhaus-salzburg.at
Bilder: www.literaturhaus-salzburg.at

 

 

 

 

 

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