Die Sonne geht auf!

MOZARTWOCHE / IL GIARDINO ARMONICO, ANNA PROHASKA

05/02/17 Le roi de soleil, der Sonnenkönig: Der residierte einst in Versailles, ab 1761 aber ohne Zweifel auf Schloss Esterháza. Nicht der Fürst, der neue Kapellmeister – mit dem ist die Sonne aufgegangen. Zum Beispiel mit einem Werk wie der Symphonie „Le Matin“, mit der „Il giardino armonico“ am Samstag (4.2.) die Mozartwochen-Matinee eröffnete.

Von Reinhard Kriechbaum

Es ist erst Haydns „Sechste“, aber der junge Kapellmeister wusste, was er seinem neuen Dienstherrn schuldig war. Er ließ in „Le Matin“ – Teil einer Sinfonien-Trias zu den Tageszeiten – erst einmal die Sonne aufgehen (Giovanni Antonini und die Seinen ließen sie wirklich aus dem beinahe Nichts emporsteigen), um sie dann mit umso hellerem Licht auf das scheinen zu lassen, was der Fürst finanziert hat: Haydn schrieb mit dieser Symphonie eigentlich eine Concertante, in der er vorführen konnte, was für tolle Leute er da in die Hofkapelle engagiert hat. Das muss ein fulminanter Erster Flötist gewesen sein, wendige Oboen, aufgeweckte Fagotte – sie alle sind nicht nur im Eröffnungssatz des Werks zur Morgenstunde beschäftigt. Es geht dann weiter mit einer Streicher-Concertante. Im Menuett-Trio durfte man darüber nachdenken, ob das damals übliche „Bassettl“ wirklich so geklungen hat wie ein Kontrabass, auch wenn er mit Darmsaiten bespannt ist.

Symphonische Lebefrische jedenfalls, die auch in einem weniger bekannten Werk des Eisenstädter Meisters mit dem rätselhaften Beinamen „Tempora mutantur“ knackig durchdrang. Dieses Stück hat die Hoboken-Nummer 64, stand in der Programmfolge also in etwa für die Mitte des symphonischen Schaffens von Haydn.

In dem anregenden Vormittagsprogramm hörte man, als Haydn'sches Spätwerk auch noch die Kantate „Berenice, che fai?“, die im selben Londoner Konzert uraufgeführt wurde wie die „Militärsymphonie“ (die man in dieser Mozartwoche auch hat hören können. Große Gefühle hat Haydn da einer großen Sängerin – Brigida Banti war so etwas wie die Callas ihrer Zeit, nur noch extravaganter und reichlich Skandal-umwittert – auf den Leib und in die angeblich übergroßen Lungen (so der Autopsiebericht) geschrieben hat.

Das war die letzte von drei Edelpretiosen, die Anna Prohaska anvertraut waren. Die ersten beiden aber von Mozart: Die Konstanze-Arie „Ach ich liebte, war so glücklich“ stattete diese fulminante Gestalterin mit Seufzern aus, die von „Il giardino armonico“ mit kammermusikalischer Finesse mitgetragen wurde. Mit solcher agogischen Flexibilität der Partner darf eine Sängerin in einer Bühnensituation (und dann im Normalfall auch größerer Orchesterbesetzung) im Normalfall eher nicht rechnen. Die duftigen Finessen in der Begleitung war auch die Basis, auf denen Anna Prohaska Susannas Rosenarie aus dem „Figaro“ zu einem Kabinettstück unprätentiösen Erzählens machte. Da blendet sich eine Bedienstete kurz aus und träumt von einem ganz kurzen, ganz kleinen persönlichen Glück, das doch so unendlich weit weg ist.

Bilder: ISM / Wolfgang Lienbacher