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Birne, Tod und Teufel

MOZARTWOCHE / LOTERÍA MOZARTIANA

26/01/20 Der Stiefel. Das Fass. Der Wellensittich. Die Birne. Die Lotería Mozartiana sei der Anlass, den Grafiker der Mozartwoche vor den Vorhang zu holen: Philipp Pontzen schuf nicht nur für den Hauptprospekt den Horn spielenden Krebs oder den Weißen Hai am Bassflügelhorn.

Von Heidemarie Klabacher

Philipp Pontzen malte auch die 54 Bingo-Karten, die für eine Lotería mexicana nötig sind. Am Samstag (25.1.) spät Abends in der ARGEkultur kamen die poetischen Aquarelle in der salzburgischen Lesart des mexikanischen Nationalspiels erstmals zum Einsatz. In Mexiko gestalten namhafte Künstler immer wieder die 54 Motive, Zyklen, die auch in Ausstellungen gezeigt werden, erzählt Rolando Villazón. Und er hat recht, wenn er sagt, dass man im Internet unendlich viele Varianten findet. Also. Jeder und jede im Publikum bekommt ein Blatt mit jeweils 16 verschiedenen Motiven drauf - vom Teufelchen über die Leiter und die Spinne bis zum Boot und zum Totenkopf.

Rolando Villazón hat die Motive im Großformat vor sich aufgestapelt und hebt sie der Reihe nach hoch: Wer etwa Die Trommel auf seiner eigenen Karte findet, macht bei der Trommel ein Kreuzerl oder legt eine Bohne drauf. (Wir haben zu sagen vergessen, dass jeder Gast auch ein Sackerl Bohnen bzw. einen Bleistift bekommen hat.)

Wer als erster alle 16 Motive mit Bohne oder Kreuz versehen hat, ruft laut: „Lotería!“ und bekommt von Rolando Villazón einen Preis. Das klingt flotter als es tatsächlich ist. Immerhin muss der mexikanische Intendant auf Deutsch recht komplexe Informationen lesen, die irgendwie mit Mozart, seiner Familie, seinem Leben und Werk zu tun haben – und dann gipfeln etwa im Wort Wellensittich. Das geht, weil Mozart tatsächlich einen Vogel hatte. Auf einer Reise hat Amadeus dagegen KEINE Spinne gesehen, dafür andernorts eine gute Birne gegessen. Susanna und die Gräfin im Figaro locken den Grafen zum Stelldichein unter eine Pinie... Wer im (wisschenschaftlichen) Team der Stiftung wohl für Rolando Villazón die teils schrulligen Informationen zusammen geklaubt, gesucht und gefunden hat?

Eine Runde dieses Mozart-Bingos wäre ein Vergnügen gewesen. Drei Runden waren zwei zu viel. Mitglieder der Camerata Salzburg spielten – und das war der Titel des Spieleabends – Mozarts hinreißende klingende Satire Ein musikalischer Spaß für zwei Violinen, Viola, Bass und zwei Hörner KV 522. Da macht Mozart sich über versoffene Hornisten ebenso lustig, wie über einfallslose Komponisten.

Wenn der derbe Scherz so klangschön und elegant phrasiert gespielt wird, fällt der Ulk beinah nur auf, wenn die Musiker betont übertreiben. Das Ensemble der Camerata Salzburg - Giovanni Guzzo und Yukiko Tezuka (Violine), Ágnes Répászky (Viola), Sepp Radauer (Kontrabaß) sowie Johannes Hinterholzer und Markus Hauser (Horn) - haben den Musikalischen Spaß mit ironischer Delikatesse überzeichnet und zelebriert. Ein Genuss.

Ceterum censeo: Mozart lebt!

Eine weitere Lotería mexicana steigt am 31. Jänner um 22 Uhr in der ARGEkultur - www.mozarteum.at
Bilder: ISM /Wolfgang Lienbacher

 

 

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