asdf
 

Die Ärmel aufkrempeln fürs Lyrische

MOZARTWOCHE / MOZARTEUM ORCHESTER / ANTONINI, FAZIL SAY

25/01/11 Der Rabiat-Klangredner Giovanni Antonini am Dirigentenpult, Fazil Say am Klavier und das Mozarteumorchester hellwach und aufnahmebereit für das, was sich zwischen den Musikern ereignen sollte: eine lebefrische Matinee am Montag (24.1.).

Von Reinhard Kriechbaum

altMan kennt  Giovanni Antonini vor allem als Leiter von „Il giardino armonico“ und weiß, dass die heftige Geste, der feste Zugriff  eines seiner Markenzeichen ist. Das heißt nicht, dass er die Musik nicht auch entspannt singen und ausschwingen lässt, wo nötig. Johann Christian Bachs Ouvertüre zu Baldassare Galuppis „La calamita de’cuori“ lässt er zuerst einmal daherkommen, wie man sich eben die Einleitung zu einer Handlung auf einen Text von Goldoni erwartet: ein markig-komödiantisches Hauptthema, artikuliert mit „gerupften“ Bögen, dass es beinah schon knirscht. Und dazwischen in diesem rondoartigen Stück sanfte, lyrische Gedanken. Spontane Idee beim Zuhören: lohnend, erquickend – aber Mozart ist’s keiner und auch kein Haydn, von dem man nach der Pause die Neunte Londoner Symphonie hörte.

Im Zentrum aber: Fazil Say als Solist in Mozarts A-Dur-Klavierkonzert KV 414. Er ist (auch) ein perfekter Kommunikator, ein Musik-Schauspieler. Da hört er der langsamen Einleitung zu, man fühlt, wie er mitschwingt mit den Seufzern der Streicher. Dann krempelt Fazil Say entschieden die Ärmel hinauf – und liefert sogleich die denkbar ent-rückteste Antwort …

Auch sonst ist er einer, der scheinbar immer eine dritte Hand frei hat beim Klavierspielen, um sich selbst, den Orchesterkollegen und dem Publikum Winke zu geben, wie er die Musik gespielt und gehört haben will. Bärbeißig (im erstenh Satz), lausbübisch (im Rondo) könnte man pauschalierend seinen Zugang zum Werk umschreiben. Fazil Says Spezialität sind die Anschlüsse: So, wie er selbst lustvoll Gedanken des Orchesters aufgreift, so liefert er am Ende einer jeden Solo-Phrase „handgreifliche“ Angebote. Ein Wunder, dass die Augen der Orchestermusiker leuchteten und sich in ihren Gesichtern Dialogbereitschaft spiegelte?

Für den Jubel bedankte sich der Solist mit Variationen aus „Ah vous dirai-je, maman“: pikant, lustvoll und in einigen Passagen feinsinnig verträumt und mit mutigem Pedaleinsatz. Und dann noch mit dem „Rondo alla turca“.

Im Radio am Sonntag, 30.1., um 11.03 (Ö1)
Bild: ISM / Wolfgang Lienbacher

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014