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Auf dem Parnass

MOZARTWOCHE / HAGEN QUARTETT (2)

30/01/11 Ein Programm, das die Herzen aller Kammermusikfreunde höher schlagen und hellauf jubeln ließ: der zweite Nachmittag mit dem Hagen Quartett mit Schostakowitsch im Mittelpunkt des Programms.

Von Horst Reischenböck

altIch erinnere mich noch gut daran, wie ich einst den berühmten Geiger Henryk Szeryng als quasi „Botschafter“ zum Großen Saal des Mozarteums kutschierte. Dort hat er damals dem kaum den Kindesbeinen entwachsenen Nachwuchs einen Preis der Jeunesse musicale überreicht. Auch diese Auszeichnung war  Ansporn für die „Hagens“. Heuer feiern sie ihr 30-Jahre-Jubiläum und sie verharren Jahrzehnte schon auf jenem Gipfel, auf dem die Luft in der international Streichquartett-Hochgebirgswelt schon sehr dünn ist. Dass und wie sie aber immer noch selbst auf diesem Niveau zu Verfeinerungen der Details, zu Vertiefung der Ausdrucksstärke imstande sind, dafür bot das Nachmittagskonzert am Freitag (28.1.) wieder einmal Hörmaterial in Hülle und Fülle.

Schon die Zurücknahme in zarteste Register, der nachdenkliche Einstieg in Mozarts Es-Dur-Quartett KV 421b: schwerelos, fast schon entrückt, und auch bar jeglichen Vibratos. Der Tempovorschrift „non troppo“ haben sie sehr ernsthaft Rechnung getragen. Einfach vom Feinsten, was sich auch während der nachfolgenden drei Sätze in selbem Geiste so weiterspann.

Als absoluter Höhepunkt, auch als solcher vom Publikum empfunden und entsprechend bedankt, stand Dmitrij Schostakowitschs c-Moll-Opus 110. Es ist sein persönlichster innerhalb seiner 15 Beiträge zur Gattung Streichquartett. D, Es, C, H – die Initialen des Komponisten ziehen sich permanent durch dieses Werk und spiegeln sein unerfreuliches Dasein unter diktatorischem Joch. So verinnerlicht pianissimo vom Beginn her und dann letztlich wieder verdämmernd, dazwischen dazu kontrastierend die Tragik laut heraus schreiend – so wandelten Lukas, Veronika und Clemens Hagen zusammen mit Rainer Schmidt perfekt auf den Spuren aller einkomponierten Facetten.

Selbstversunken dann nach der Pause auch der Einstieg in Franz Schuberts Opus ultimum G-Dur- D 887. Immer wieder im Tempo zurückhaltend, nachsinnend, um dem fast schon überbordend variierten motivischen Fluss eben „molto moderato“ oder auch, nachfolgend, „un poco mosso“ zu entsprechen. In dem die Vier dazu auch schlagend den Beweis eingeschriebener orchestraler Klangfülle lieferten. Gedanklich für die Ausführenden wie auch Zuhörer eine nochmalige, in jeder Hinsicht beglückende „Tour de force“, nach deren dreiviertel Stunde auch keine Zugabe mehr gepasst hätte.

Bild: ISM/Wolfgang Lienbacher

 

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