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Jörg Widmann schlägt am besten auf die Pauke

Von Gottfried Franz Kasparek

Fünf Solisten hatten sich zu dieser Matinee am Samstag (30.1.) im Großen Saal des Mozarteums zusammengefunden, um Mozart und Kurtág zu spielen. Kurtág erging es dabei eindeutig besser. Denn während die umrahmenden Stücke des Genius loci, die F-Dur-Violinsonate KV 377 und das Klaviertrio KV 452, reichlich pauschal und leider im ersten Falle sogar erschreckend hausbacken wirkten, hatten Kurtágs Stücke auch interpretatorisch großes Format.

Antje Weithaas ist eine deutsche Geigerin mit viel Renommee, aber mit dieser bemühten Leistung konnte sie nicht überzeugen und so bestand die Violinsonate meist aus dem etwas zu lauten, aber wenigstens durchpulsten Klavierspiel von Leif Ove Andsnes. Den bedenklichen Gesamteindruck konnte allerdings weder er noch im Trio der sicherlich begabte junge Cellist Nicolas Altstaedt retten. Mittelmäßig gespielter Mozart kann mitunter ziemlich langweilen. Gottlob gab es als Kontrast vor der Pause eine feinnervig artikulierte und schön ausgehorchte Wiedergabe des Kegelstatt-Trios durch Widmann, Andsnes und die Bratscherin Kim Kashkashian.

Die drei spielten auch Kurtágs einfühlsame, jeglichen Eklektizismus vermeidende und mit einem tief berührenden, in Dunkelheit versinkenden Adagio - "Abschied: Meister Raro entdeckt Guillaume de Machaut" - endende Liebeserklärung an Robert Schumann. Auch vor dem eingangs erwähnten Paukenschlag ereignete sich da natürlich atmendes, technisch souveränes und bei aller Klangschönheit Abgründe öffnendes Musizieren. Kurtág verlangte später, bei einer offenen und erhellenden Bartók-Probe mit dem Stadler Quartett um 15 Uhr im Solitär, eine Spur von "dolce" auch in hässlichen Klängen und zitierte Sandor Végh: "Spielen sie eine akzentuierte Melodie, aber nicht Akzente ohne Melodie." Genau das ist es - im Grunde seines Herzens ist Kurtág Melodiker.

Deutlich machte das in der Matinee auch eine Auswahl von Stücken für Klavier solo und Viola solo aus "Játékok" und "Signs, Games and Messages", von Leif Ove Andsnes und Kim Kashkashian vollendet gespielt. Dies sind Charakterstücke, durchaus im Schumann'schen Sinn, innige Zueignungen wie "eine Blume für Dénes Zsigmondy", den unvergessenen Geiger, oder an den Lehrer Ferenc Farkas, Hommagen an geistig und emotional Verwandte wie Schnittke und Janá?ek. In jedem Fall sind es Meisterstücke, in aller Kürze prägnante Aussagen treffend, neu im Tonfall, aber immer melodisch-rhythmisch gebaut. Große Musik eben, die in dieser Mozartwoche alles in allem erfolgreich im Dialog mit Mozart Geist und Sinne öffnete.

 

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