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Vokaler Liebesschmerz

Von Elisabeth Aumiller

Im Mittelpunkt des Serenadenabends erhob die Sopranistin Annette Dasch  schmerzliche Liebesklagen in den  Konzertarien "Vado, ma dove?" KV 583, "Ah, lo previdi!" KV 272 und "Bella mia fiamma, addio", KV 528. Die  beiden letzteren schrieb Mozart für die von ihm geschätzte Prager  Sängerin Josepha Duschek, die Mozart der Überlieferung nach solange im Gartenhaus eingeschlossen haben soll, bis er für sie die versprochene "Bella mia fiamma" vollendet hatte. "Gerächt" hat sich Mozart mit wenig sanglichen Intervallsprüngen, mutiger Chromatik und kühnen Harmonien, die auch noch von heutigen  Sopranen fordernden Einsatz verlangen. Dieser kniffligen Arie rückte Annette Dasch mit schöner Linienführung zu Leibe und ihren Ausdruckswillen formte sie aus den deutlich artikulierten Worten. Sie gestaltete mit  zupackendem Einsatz, erzielte aber ihren qualitätvollsten Klang in lyrischen Adagio-Passagen.  Mit feiner runder Tongebung und innigem Ausdruck konnte sie beispielsweise bei Phrasen wie  "non partir, ombra diletta" im  Rezitativ von KV 272 punkten. In der Höhenlage dagegen wirkte ihre Dramatik etwas aufgesetzt und der Stimmklang meist forciert.

Eine deliziöse "Nachtmusik" ist Mozarts dreisätziges "Notturno" D-Dur für vier Orchester KV 286. Die Camerata verteilte sich in vier Gruppen in die vier Ecken der Bühne im Haus für Mozart. Der besondere Reiz lag in der Echowirkung, die sich durch jeweils abgekürzte Wiederholungen ergab, bis das vierte "Orchester" nur noch wenige Takte des Nachklingens vom Grundthema spielte.  Die Distanz der Musikergrüppchen  verstärkte noch zusätzlich diesen Effekt.

Klangzauber auch bei der Serenade D-Dur KV 204, einer der sogenannten  jährlichen  "Finalmusiken" Mozarts, also ein sommerliches Auftragswerk, im Freien zu spielen zum Ende des Universitätsjahres. Die Besonderheit der insgesamt siebensätzigen Serenade ist das in den drei Mittelsätzen eingebaute Violinsolo, mit virtuosem Anspruch fast als ein eigenes Violinkonzert konzipiert. Konzertmeister Wolfgang Redik spielte mit fein gesponnener Tongebung und virtuoser Fertigkeit den über dem Orchester schwebenden Solopart.

Es ist immer wieder eine faszinierende Wahrnehmung, wenn sich ein Orchester  seinen spezifischen Klang schafft, und so zeichnete individuelle Spielkultur und ein elegantes Klangbild eigener Prägung an diesem Abend die Camerata aus. Roger Norrington wusste mit äußerst knapper Gestik die Musik in einer Art gelöster Gespanntheit zu formen. Flöte, Oboe und Fagott  glänzten dazu mit brillanten Soli. Die mehrfachen Wechsel der Tempi, präzise und mit einer überraschenden Unmittelbarkeit ausgeführt, gaben dem musikalischen Fließen stets neue Wendungen und ebenso der Aufmerksamkeit des Zuhörens neue Nahrung. Mit dieser Mischung aus Serenadencharakter und symphonischem Anspruch in  tänzerisch fröhlicher Beschwingtheit bereitete die Camerata ein Salzburger Mozart-Erlebnis zum schwerelosen Genießen.

Bilder: dpk/Elisabeth Aumiller

 

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