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Ein welkes Mozart-Feigenblatt

MOZARTWOCHE / WIENER PHILHARMONIKER / BOULEZ

29/01/12 Am Samstag (28.1.) im Großen Festspielhaus auf dem Podium: Die Wiener Philharmoniker, die Pianistin Mitsuko Uchida und am Pult Pierre Boulez. In den Sternen: Was die alle miteinander hätten anfangen können oder sollen.

Von Reinhard Kriechbaum

altGemeinsam Musik machen vielleicht? Mitsuko Uchida hat, für sich genommen, zu Mozart ganz viel zu sagen. Wie sie im (eher ungeliebten) F-Dur-Konzert KV 459 das Hauptthema immer wieder anders beleuchtet, wie sie im Gassenhauer-Motiv leichte Variationsmöglichkeiten aufspürt und diese kleinen Unterschiedlichkeiten ins rechte Licht rückt, das hat im Detail ebenso fasziniert wie das quirlige Laufenlassen der Gedanken im Rondo-Finale. Aber irgendwie ist Mitsuko Uchida ein ums andere Mal gegen Wände gefahren: So steif und glanzlos in den Streichern habe ich die Philharmoniker seit vielen Jahren nicht mehr Mozart spielen hören. Da und dort haben die Bläser auf Uchidas Vorgaben reagiert, gekommen ist vom Orchester nichts.

altSo hat an dem Abend gerade das Feigenblatt – und nichts anderes war das Mozart-Konzert in diesem stringetnten Schönberg/Strawinsky-Programm –  besonders welk gewirkt. Deutlich bessere Karten hatte Mitsuko Uchida in Schönbergs Klavierkonzert op. 42. Das ist ja ein Stück, in dem das Klavier quasi dauerbeschäftigt ist, mehr Gelegenheit also, vom Tasteninstrument her das Orchester zu motivieren. Die Pianistin hat viel Sinn fürs „Wienerische“, für den Walzercharme am Beginn beispielsweise. Schönberg-Exegeten sehen in dem einsätzigen Werk eine Art biographischen Abriss. Schönbergs Zufriedenheit in jungen Jahren, dann mit aller Vehemenz das Hereinbrechen der Nazi-Herrschaft, zuletzt das geglückte Fußfassen in den USA. Mag so sein, bleiben wir beim unmittelbaren Konzert-Eindruck: Das Stück war entschieden besser geprobt als der Rest.

Pierre Boulez ist unterdessen 86 Jahre alt, da ist respektvolles Bewundern angesagt, Nörgeln verbietet sich. Etwa darüber, dass die selten zu hörende „Begleitmusik zu einer Lichtspielscene“ op. 34 – Filmmusik in Zwölftontechnik! – so schön Bild um Bild hingelegt wurde, dass man aber das Dramatische, wenn man will: das Thriller-Element nicht hat vermittelt bekommen.

Am Ende Strawinskys Pulcinella-Suite, im Zusammenspiel zerfranst zwar, aber getragen von pointierten Leistungen der Soli. Vielleicht eine gewollte Botschaft (und nicht nur patschert im Zusammenspiel): dass dieses neoklassizistische Stück keine Stil-Paraphrase, sondern eine Art „postmoderne“ Fortschreibung ist, mit Ecken und Kanten und bewussten Bizarrheiten. Unbeantwortet die Frage jedenfalls: was dieses Konzert bei der Mozartwoche zu suchen hatte.

Bilder: ISM / Wolfgang Lienbacher   


 

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