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Geheimnis des Augenblicks

MOZARTWOCHE / HENRI DUTILLEUX 2

15/01/16 Robert Levin und Ya-Fei Chuang. Das Sinfonieorchester der Universität Mozarteum unter Bruno Weil. Andreas Staier und Alexander Melnikov. Die Wiener Philharmoniker unter Tugan Sokhiev. Quatuor Ebène. Les vents francais. Die Camerata Salzburg unter Louis Langrée. Sie alle spielen bei der Mozartwoche 2016 Werke von Henri Dutilleux.

Von Heidemarie Klabacher

Mitten hinein in den kleinen aber vielgestaltigen „Kontinent Dutilleux“ führen die beiden Pianisten Robert Levin und Ya-Fei Chuang (23.1.). Sie präsentieren einige der frühesten Werke des Franzosen, darunter etwa „Six petites pièces pour piano“ und „Bergerie“ aus1946, die „Sonate pour piano“ aus 1948 oder das legendäre Stück Blackbird“ aus 1950. Mit „Tous les chemins ... mènent à Rome“ 1961, „Quatre figures de résonances pour deux pianos“ 1970/76 oder „Petit air à dormir debout“ 1981 und „Mini-prélude en éventail“ 1987 führen sie beiden Pianisten auf ersten einen Streifzug quer durch alle Schaffensperioden.

Im Konzert des Sinfonieorchesters der Universität Mozarteum (25.1.) wird ein Kammermusikwerk Dutilleux’ erklingen: „Les Citations. Diptyque pour hautbois, clavecin, contrebasse et percussion“ entstand zwischen 1985 und 1990. „Zitate aus Brittens Oper Peter Grimes sowie dem Orgelkonzert des 1940 gefallenen Studienfreundes Jehan Alain werden in einen Klangteppich eingeflochten, dessen Grundierung die vielfältig besetzte Perkussion liefert. Dar über entfalten sich die wie improvisiert wirkenden Melodielinien der Oboe und des erst 1991 hinzugefügten Kontrabasses. Das Cembalo schließlich verleiht dem Stück jene Spannung zwischen ,alt‘ und ,neu‘, die letztlich Dutilleux’ gesamtes Schaffen geprägt hat“, heißt es dazu im Almanach.

„Trois Strophes sur le nom de Sacher pour violoncelle solo“ spielt Nicolas Altstaedt beim Kammerkonzert mit Andreas Staier und Alexander Melnikov im Tanzmeistersaal (27.1.).

„Mit einem Augenzwinkern erinnert uns Nicolas Altstaedt mit den ‚Trois Strophes sur le nom de Sacher’ daran, dass bei Hauskonzerten der Mozart-Familie nicht alte, sondern fast immer neue Musik im Mittelpunkt stand. Die drei Strophen über den Namen Sacher, der sich fast mühelos in Töne übersetzen lässt, sind ein Werk, das Mstislav Rostropowitsch bei Henri Dutilleux (und elf anderen Komponisten) in Auftrag gab, um den Basler Musikmäzen Paul Sacher anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahre 1976 zu ehren. Das dreisätzige, gut achtminütige Werk kam dann erstmals 1982 mit Rostropowitsch am Violoncello zur Aufführung“, schreibt der Musikwissenschaftler Ulrich Leisinger im Almanach.

Auch die Wiener Philharmoniker lassen es sich, Unter der Leitung von Tugan Sokhiev (27.1.1) nicht nehmen, dem 2013 verstorbenen Dutilleux im Jahr seines hundertsten Geburtstages ihre Referenz zu erweisen: „An dem Konzert für Violine und Orchester L’Arbre des songes arbeitete Dutilleux von 1983 bis 1985. Es erlebte seine Uraufführung am 5. November 1985 in Paris mit dem Widmungsträger Isaac Stern als dem Solisten und dem Orchestre National de France unter Leitung von Lorin Maazel. Das Werk erinnert in seinem Aufbau entfernt an den einer klassischen Symphonie, doch verbindet der Komponist die vier Sätze durch kurze Zwischenspiele, um eine Unterbrechung des Verlaufes und der Atmosphäre zu vermeiden“, schreibt Alexander Odefey im Almanach. Zum Titel schrieb Dutilleux, sein Violinkonzert entfalte sich wie ein Baum, dessen Äste sich stets verzweigen und erneuern würden: „Dieses symbolische Bild wie auch die Vorstellung eines jahreszeitlichen Kreislaufes hätten ihn angeregt, seine Komposition Der Baum der Träume zu nennen.“ Solist der Träume bei der Mozartwoche ist Renaud Capucon.

„Ainsi la nuit pour quatuor à cordes“, gespielt vom Quatuor Ebène (28.1.), entstand als Auftragswerk der Koussevitzky Music Foundation in der Library of Congress für das Juilliard String Quartet von 1973 bis 1976. Der Titel ‚So die Nacht’ mit Bezug auf György Ligetis Streichquartett „Métamorphoses nocturnes“ (1953/54) solle nicht als konkretes Programm verstanden werden, so Tobias Apelt im Almanach. „Dutilleux schwebte eher eine Art nächtliche Vision in einer Traumatmosphäre im Sinne der Nachtmusiken von Béla Bartók vor.“

Les vents francais (ebenfalls 28.1.) spielen die „Sarabande et Cortège für Fagott und Klavier“ sowie die Sonate für Oboe und Klavier, zwei frühe Werke aus 1942 und 1947. Die Camerata Salzburg unter der Leitung von Louis Langrée schließt die Personale mit dem zehnteiligen „Mystère de l’instant für 24 Streicher, Cimbalom und Schlagzeug“, das Dutilleux zwischen 1986 und 1989 geschrieben hat. „Die Besetzung ähnelt nicht von ungefähr Béla Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta … Dass Dutilleux statt der gläsern tönenden Celesta ein Cimbalom vorsieht, ein traditionelles ungarisches ,Hackbrett‘ mit seinem in der Luft schwebenden Klang, war natürlich ebenfalls als Hommage an Bartók gedacht“, schreibt Wolfgang Stähr. „Mystère de l’instant - Das „Geheimnis des Augenblicks“ lotete Dutilleux in diesem Zyklus aus, den magischen, letztlich unerklärlichen Kompositionsprozess“.

Die Mozartwoche 2016 – Konzerte, Karten und Details – www.mozarteum.at
Bilder: ISM/ Ascherman; Marco Borggreve; Askonas Holt; Georg Thum

 

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