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Mit einem Schuss britischem Humor

CD-KRITIK / IVOR BOLTON

19/12/12 Nach den hörenswerten Dokumenten Ivor Boltons und des Mozarteumorchesters mit  Joseph Haydns Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ entstand schon vor vier Jahren eine CD mit drei Haydn-Sinfonien. Nun folgten zwei weitere der „Londoner“ Werkserie.

Von Horst Reischenböck

Es muss also nicht vorwiegend um Werke des Genius loci gehen oder um die Bruckner-Symphonien, denen ja auch eine Serie von Live-Aufnahmen gewidmet wurde. Im Mai des Vorjahres befeuerte Chefdirigent Ivor Bolten stattdessen sein Mozarteumorchester für die beiden vorletzten Sinfonien von Joseph Haydn. Das war damals kein öffentliches Konzert, die Aufnahme entstand im Dorothea Porsche Saal des Odeïon Kulturforum.

Die Aufnahmen bergen tatsächlich einen „Haydn-Spaß“ in sich! Vorerst aber geht es durchaus ernst gestimmt in das dem Kopfsatz der Nummer 102 in B-Dur Hob. I/102 vorangestellte Largo hinein, um danach im Vivace richtiggehend zu explodieren. In allen Facetten und fein dynamisch abgestuft, jeweils perfekt im Frage- und Antwortspiel mit den Holzbläsern. Weiterhin wird der Klang in diesem Satz vornehmlich durch die Soloflöte Ingrid Hasses bestimmt, zart, nachdenklich, dazu kontrastierend aber auch durchaus dramatisch dann das Adagio. Dem polternden Menuett mit seinen einkomponiert lachenden Scherzo-Anklängen folgt endlich das vorwärtsdrängende Finale, voll aufgeräumt, garniert mit unerwarteten Wendungen, wie sie für den Haydn’schen Humor kennzeichnend sind.

Der Einstieg in die Symphonie „mit dem Paukenwirbel“ (Es-Dur Hob. I/103) macht dem Beinamen alle Ehre: So frei improvisiert und ausgedehnt wie durch Andreas Aigmüller hat das bislang noch keiner seiner Kollegen zu artikulieren gewusst! Absolut martialisch und dunkel folgt die  absteigende Viertonfolge der Dies-Irae-Sequenz als Anfang des Hauptthemas. Diese Floskel könnte man durchaus als Anspielung auf die damaligen Zeitläufe deuten. Tänzerisch katapultiert sich darauf das Allegro con spirito in die Durchführung mit ihren Querständen hinein. Die Generalpausen und in ihre Dramatische Wirkung lassen ahnen, was Haydns Schüler Ludwig van Beethoven daraus lernte.

Auch Variationen des leicht tänzerisch anhebenden Andante più tosto Allegretto sind nicht vor „kriegerischen“ Klängen gefeit. Davor darf sich Konzertmeister Markus Tomasi solistisch in Szene setzen. Genauso bewusst bärbeißig gibt sich auch das Menuett mit seinen Echos, um dann, durch die Hörner „angeblasen“, in die kontrapunktischen Finessen des abschließenden Allegro con spirito überzuschwenken. Federnd, rhythmisch pulsierend und nicht zuletzt angereichert mit dem für Ivor Bolton typisch britischen Humor.

Joseph Haydn: Sinfonien Nr. 102 B-Dur & Nr. 103 Es-Dur („Paukenwirbel“). Mozarteumorchester Salzburg, Dir.: Ivor Bolton. OEHMS CLASSICS CD OC 421

Im Abonnementkonzert des Mozarteumorchesters morgen Donnerstag (20.12.) um 19.30 Uhr im Großen Saal des Mozarteums springt der Brite Paul Daniel als Dirigent für den erkrankten Ivor Bolton ein.

 

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