Für Frieden und Freiheit

KULTURVEREINIGUNG / PHILHARMONIE SALZBURG

09/02/17 Elisabeth Fuchs am Pult der Philharmonie Salzburg setzt mit der Aufführung von John Adams' „On the transmigration of Souls“ und der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven ein Zeichen für den „Frieden und die Freiheit in aller Welt“.

Von Elisabeth Aumiller

Der amerikanische Komponist John Adams widmete sein Werk „On the transmigration of Souls“ den Opfern des Terroranschlags auf das New Yorker World Trade Center. 2002 schuf er das Auftragswerk anlässlich des ersten Jahrestags der Anschläge von „9/11“. Es wurde damals mit dem Pulitzerpreis und als beste zeitgenössische klassische Komposition ausgezeichnet. Adams versinnbildlicht in dieser Musik nicht den Schrecken des Terrors, sondern drückt mit dem Erinnern an das Geschehen einen Übergang der Seelen in einen anderen Seinszustand aus: „Das worauf ich mich konzentriert habe, waren sehr intime Emotionen – was ein Sohn beim Verlust seines Vaters fühlt, oder ein Verliebter, der herausfindet, dass die Person, die er am Morgen noch gesehen hat, am Abend nicht mehr nach Hause kommen wird. Darum geht es in meinem Werk, nicht um Weltpolitik oder wer jetzt am Terrorismus schuld ist“, erläutert der Komponist.

Trotz der großen Besetzung von Orchester und Chören sind es insgesamt leisere, nicht lärmende Töne, die vorherrschen, auch wenn sich gelegentliche Ausbrüche dazwischenschieben. Bevor das Orchester einsetzt, erhebt sich aus der Stille zuerst die Zuspielung von alltäglichen New Yorker Straßen- und Verkehrsgeräuschen, die auch zwischendurch und am Ende wieder eingeblendet werden. Eine Stimme wiederholt immer wieder „Missing“ (Vermisst) und am Ende eine Reihe von Namen der Opfer. Vom Balkon tönt das Trompetensignal. Die Musik erlebt man dann als Gesamtklang, weniger als ein Gefüge der Instrumentengruppen und des Chors, sondern als eine Art emulgierten Sound, schwebend wie ein klingende Wolke und aus dem Nebel sich ergießende Klangtropfen. Kein bestimmter Stil ist hier prägend, aber eine fassliche Melodik aus einem vielfältigen Stilgemisch, das – jenseits aller Zuordnungen – als Ganzes beeindruckt. Berührend das zarte Verklingen am Ende. Elisabeth Fuchs hat den Klangapparat in seiner komplizierten Rhythmik und klanglichen Vielschichtigkeit konzentriert im Griff und bringt das Werk den Zuhörern auf eindringliche Weise nahe.

Beethovens „Neunte“, weltweit eingesetzte Botschaft für Frieden, Freundschaft und Verbrüderung, manchmal in der Geschichte auch missbraucht, seit 1972 Europahymne, ist vom Komponisten als das große Ideal von Humanität und Liebe konzipiert. Dieser Musik in ihren unterschiedlichen Wiedergaben zu begegnen, ist immer eine freudiger und erhebender Anlass, aber für die ausführenden Musiker auch jedes Mal eine Herausforderung, dem Anspruch des Werks, aber auch den Erwartungen der Zuhörer gerecht zu werden. Elisabeth Fuchs ist die Freude ins Gesicht geschrieben, die sie hier ungebrochen zum Ausdruck bringen will. Sie leitet Orchester und Chor mit konzentrierter Umsicht und mit Ansporn. Der Gestaltungswille aller Beteiligten führt zu einem imponierenden Klangergebnis, dem das Publikum am Ende mit begeistert zustimmendem Applaus dankt.

Der Einstieg im ersten Satz nach den geheimnisvollen ersten Takten gelingt als imposanter Aufbruch, dem dann die Pauke mächtig die Sporen gibt, von den Bläsern kräftig unterstützt. Die Bläser nimmt Fuchs insgesamt besonders unter ihre Obhut, während die Streicher weniger zu differenzierter Phrasierung animiert scheinen. Im zweiten Satz scheint Fuchs in ihrem Element. Die Rhythmik kommt straff, die Themen sind mit Leben gefüllt und entfalten sich mit Energie und Spannung. Diese verliert sich dann etwas im Adagio, die stimmungsvolle innere Leuchtkraft und die fast transzendente Entrückung finden nicht ihre volle Erfüllung. Die Konturen verwischen ein wenig. Im vierten Satz ist wieder volle Präsenz gegeben. In der Dynamik fordert sie nicht die Grenzen heraus, bleibt in einem moderat ausgeglichenen Klangsinn. Der Bachchor strahlt mit brillantem Glanz und minutiöser Wortdeutlichkeit, trotz der „mörderischen“ Unsanglichkeit, die hier die Soprane vollführen müssen. Eine starke Leistung! Auch den Solisten hat es Beethoven nicht leicht gemacht, aber das lassen Ursula Langmayr, Christa Ratzenböck, Michael Nowak und Matthias Helm nicht spüren, vielmehr reüssieren sie mit gutem Zusammenwirken zum ansprechenden Klangergebnis.

Das Konzert wird heute Donnerstag (9.2.) und am Freitag (10.2.) wiederholt – www.kulturvereinigung.com
Bilder: dpk-E.Aumiller