Das sollte wirklich eine CD werden!

 KULTURVEREINIGUNG / MOZARTEUMORCHESTER / MINASI

26/09/19 Im April begann Herbert Schuch zusammen mit dem Mozarteumorchester seinen Zyklus der Beethoven-Klavierkonzerte, der dieser Tage bei der Kulturvereinigung im Großen Festspielhaus seinen exzellenten Abschluss findet. Geplant war auch eine CD-Produktion, die sich jedoch zerschlug. Die Mitschnitte verbleiben bedauerlicherweise im Archiv. Genauso wie Chefdirigent Riccardo Minasis elektrisierende Sicht auf Strawinskys Sacré du Printemps.

Von Horst Reischenböck

Zweimal dpannt der mittlerweile vierzig Jahre alt gewordene Pianist Herbert Schuch den Bogen zwischen Alpha zu Omega, zwischen Ludwig van Beethovens Klavierkonzert B-Dur Nr. 2 op. 19 und dessen in der Nachwelt Maßstab setzendes Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73.

Eingebettet in das mit lediglich drei Kontrabässen durchaus „klassisch“ besetzte Mozarteumorchester stieg Herbert Schuch schwungvoll ins Allegro con brio ein. Bewussten Kontrast dazu setzte er mit seiner Deutung des Fugato in der später nachkomponierten Kadenz, die den Satz fast sprengt. Nach dem stimmungsvoll anschließend „mozärtlichen“ Geist beschwörenden Adagio wirbelte er dann verspielt durchs Final-Rondo.

Mit Beethovens letztem Klavierkonzert folgte die große Bewährungsprobe unmittelbar danach. Von Angelsachsen mit dem bewundernden Titel Emperor versehen, sind allein schon die Dimensionen gigantisch, umfasst doch der Kopfsatz mit gezählten 582 Takten mehr als die Neunte Sinfonie! Das zweite Mal in der Musikgeschichte nach Wolfgang Amadé Mozarts Jenamy-Konzert, übrigens in derselben Tonart Es-Dur, steigt der Solist vorerst gleich in den Dialog mit dem Orchester ein, das dann die kämpferische Linie vorgibt. Herbert Schuch setzte dem Orchesterpart wirkungsvoll Fortissimo-Akkorde und beidhändige Oktavläufe entgegen, kostete am Steinway auch behutsam kontrastierend die lyrischen Momente aus. Das Adagio träumte er in entlegene Regionen hinein und tanzte dann in vollkommener Übereinstimmung mit dem ihm aufmerksam zur Seite stehenden Riccardo Minasi energiegeladen durch das abschließende Allegro.

Um auch den „wirklich späten“ Beethoven zu Wort kommen zu lassen, ließ Herbert Schuch die an Franz Schubert gemahnende Bagatelle op. 126 als Zugabe folgen. Schuch hatte in einem Gespräch vor dem Konzert gesagt, er könnee auch drei Konzerte hintereinander spielen. Tatsächlich wäre es ihm zuzutrauen gewesen (so wie in einer Aufnahme zusammen mit seiner Gattin Gülbu Insari) Igor Strawinskys Ballettmusik Le Sacré du Printemps“ vierhändig auf dem Flügel nachzuliefern. Dennoch erklang die Orchesterfassung: Längst Klassiker der Moderne, scheint diese Musik aber offenbar immer noch manch Hörern Probleme aufzuwerfen, in der kurzen Pause das Weite suchen oder im Handy zu lesen anfangen ...

Das Großaufgebot des Mozarteumorchesters nahm freilich jedwede Gelegenheit beim Schopf, um eigene und der Komposition Meriten prächtig und eindrucksvoll vor Ohren zu führen. Angefangen beim nachdenklich ausgespielten Einstieg des Solo-Fagotts über das klang-sinnliche Bratschenquartett vorne an der Podiumsrampe im Großen Festspielhaus, bis zu den schmetternden acht Hörnern oder den formidabel sich dissonant aneinander reibenden Trompeten und Posaunen. Das Ganze heidnisch „garniert“ durch die furzenden Tuben-Paar. Minasi horchte die Partitur detailfreudig aus und heizte gebührend die dynamisch aufrüttelnd dramatischen Akzente an. Faszinierend, einfach begeisternd!

Heute Donnerstag (26.9.) steht um 19.30 im Großen Festspielhaus dieselbe Werkfolge auf dem Programm. Am Freitag (27.9.) wird Herbert Schuch Beethovens Konzert für Klavier und Orechester Nr 3 c-Moll op. 37 spielen - www.kulturvereinigung.com
Bild: KV / Felix Broede