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Orgel im Sauseschritt

STIFTUNG MOZARTEUM / ORGEL PLUS

30/03/11 Ein gesamtbarockes Panoptikum von Preziosen und Kuriositäten boten Ton Koopman und Tini Mathot in der Reihe „Orgel Puls“ der Stiftung Mozarteum dem spärlich erschienen Publikum dar. Wider Erwarten geriet der Abend trotz der bekannten Namen zu einem zweifelhaften Vergnügen.

Von Christiane Keckeis

Ton Koopman gilt als einer der Spezialisten für Alte Musik. Zahllose brillante CD-Einspielungen schreiben eine Erfolgsgeschichte seiner Interpretationen als Dirigent, Organist, Cembalist. An seinem musikalischen Charisma und seinem Ausdruckswillen besteht kein Zweifel.

Und mit charismatischer Aura betritt er auch das Konzertpodium in Salzburg, erobert die Orgelbank und legt los, ein Energetiker mit unglaublicher, weitgehend ungezügelter Triebkraft, ein Getriebener fast, der mit unruhigem Atem heftig mit der Orgel arbeitet. Gelegentlich auch gegen sie. Man kennt die Neigung Koopmans zu zügigen Tempi – doch der Orgel geht dabei zuweilen die Luft aus, kaum ein Klang kann sich entwickeln bei dem energischen Anschlag, lyrischere Passagen wie in Couperins „Elevation G-Dur“ sind fast unmöglich, manches wirkt nahezu brutal. In den schnellen Tempi schleicht sich dann hier und da trotz zweifellos bewundernswert geläufiger Finger die ein oder andere Schluderei ein, die ein strenger Professor seinem Orgelschüler kaum durchgehen ließe. Aber auch Momente der Verzückung stellen sich ein, wenn Koopman zu verzieren beginnt, er ist ein Meister des Trillers und der Dekoration.

Das sensibel zusammengestellte Programm reicht vom frühbarocken Spanier Pablo Bruna über den Franzosen Couperin mit Ausflügen zu Carl Philipp Emanuel Bach und Mozart, über Buxtehude und Antonio Soler bis zu Johann Sebastian Bach: Barock in all seiner Farbigkeit, in seinen nationalen Ausprägungen und in seinem Nachwirken in die Klassik hinein.

Leider kann die auf großen symphonisch–romantischen Klang ausgerichtete Orgel im Großen Saal bei weitem nicht die lebendigen Register von barocken Originalinstrumenten imitieren, weshalb auch besonders die älteren Werke klanglich eher farblos und – aufgrund der nicht originalen Stimmung – weniger spannungsreich erscheinen. Dem Zuhörer stellt sich die Frage, ob dieser Stil wirklich auf der Propter-Homines-Orgel  so zum tragen kommt, dass er dort gespielt werden sollte.

Erfreuliche Duette von Orgel und Cembalo, von Koopman und seiner Gattin Tini Mathot lebendig ausgeführt, lassen innige Dialoge hören, sensibles Ineinanderspiel – und es ist durchaus spürbar, dass Mathot den Ungestüm des Gatten musikalisch etwas in Schienen führt. Als besondere Kostbarkeit erfreut Carl Philipp Emanuel Bachs „Fantasia fis-Moll“, die Mathot einfühlsam, mit großer Feinheit im ganzen Gefühlsspektrum berührend gestaltet.

Vater Bachs Präludium und Fuge C-Dur als Schlusspunkt des Programms, vom Ehepaar Koopman-Mathot vierhändig gespielt, erweist sich schließlich als nette akrobatische Kuschelübung, deren musikalische Notwendigkeit allerdings wenig zwingend erscheint. Wie überhaupt die musikalische Überzeugungskraft des Abends durchaus als ambivalent zu bezeichnen ist. Die Zugabe, eine vierhändige Fassung von Händels „Halleluja“, konnte diesen Eindruck nur bestätigen.

 

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