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Ein Plätschern und ein starker Wasserstrahl

 

CAMERATA SALZBURG / LOUIS LANGRÉE

16/06/14 Die Musiker von der Camerata Salzburg mögen ihren Chefdirigenten – vielleicht auch deshalb, weil Louis Langrée ja eigentlich recht selten bei ihnen vorbei schaut. Aber wenn, dann ist was los. Dann wird musiziert auf Teufel-komm-raus.

Von Reinhard Kriechbaum

Im letzten Abonnementkonzert dieser Saison (Freitag und Sonntag, 13./15.6.) im Großen Saal des Mozarteums war Mozart dran. Der ist Louis Langrée ein besonderes Anliegen. In seiner ersten Pressekonferenz als designierter Camerata-Chef hat er darüber gesprochen, dass man viel zu selten Mozart hört. Das hat in Salzburg zwar ziemlich ungläubige Mienen ausgelöst, aber Langrée hatte natürlich nicht die Mozart-Stadt im Auge, sondern eine viel weitere Perspektive. Da ist es ja wirklich so, dass die Konzert-Tagesordnung bei weitem nicht so von Mozart dominiert wird wie hierzulande. Wer patzt sich schon in New York oder Cincinnati mit exponierten Stücken wie der „kleinen“ g-Moll-Symphonie (KV 183) an, die unsereinem mindestens ein Mal im Jahr unterkommt? Aber Louis Langrée macht so was, auch dort: Er ist in Cincinnati nämlich auch seit dem Vorjahr Orchesterchef, und er leitet das New Yorker Mostly Mozart Festival.

Das Publikum weiß solche Mozart-Abende zu schätzen. Ob aber wirklich alle, die da am Freitag gejubelt haben, auch wirklich genau zuhörten? Oder ob sich nicht doch noch manche – es sind derer gar nicht so wenige – erinnern an die goldenen Jahren eines Sándor Végh. Der ließ die Camerata gewiss nicht weniger mitteilsam und ganz sicherlich nicht weniger musikantisch aufspielen. Aber mit enorm viel mehr Sinn für Orchesterklang.

Wenn's beutelt, kracht und rupft, reden gutmütige Geister gerne von „historisch informiert“, gar von „Klangrede“. Rede war viel, und nennen wir das mal einfach „lebefrisch“, um nicht so geradeheraus zu sagen, dass man in die Klang-Durchformung schon noch den einen oder anderen Gedanken hätte investieren können.

Zwei, die ihren Mozart intus haben: Frank Peter Zimmermann (Violine) und Antoine Tamestit (Viola). Sie sind vielleicht nicht immer einer Meinung, was den Bogenstrich betrifft, aber sie haben jene Routine, die sich Spitzenleute im Reisekarussell notwendigerweise aneignen müssen. Und dazu eben Langrée mit der Camerata: Das ging völlig unfallfrei und hurtig dahin – und beinah hätte man vergessen, dass Musik mehr sein kann als ein Plätschern oder euch ein starker Wasserstrahl.

Zugegeben: Die „Große“ g-Moll-Symphonie wollte ich so nicht mehr hören, denn gleichzeitig war ja Barocknacht an der Universität Mozarteum. Es war also kein Mangel an echten Klangrednern, und ich habe mich gerne denen zugewandt.

Bei den Festspielen wird die Camerata Salzburg heuer zwei Mal in Erscheinung treten: am 23. Juli unter Philippe Rousset in der Traditionsaufführung der c-Moll-Messe in St. Peter, und am 6. August im Abschlusskonzert des Young Singers Project unter Theodor Guschlbauer. - www.camerata.at; www.salzburgerfestspiele.at
Bild: Camerata Salzburg / Benoit Linero

 

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