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Drei Kreuzerln und ein paar originale Noten

 

MOZART-WOHNHAUS / NANNERL-AUTOGRAPHE

03/10/14 78 Jahre war sie alt, als sie noch ein paar Korrekturen an ihrem Testament vornehmen ließ. Seit ein paar Jahren war die alte Dame erblindet, und drum hat sie mit drei Kreuzerln unterschrieben. Mehrere Zeugen bestätigen: Die eigenhändigen XXX stehen für Maria Anna Freifrau von Berchtold zu Sonnenburg. Besser bekannt als Nannerl Mozart.

Von Reinhard Kriechbaum

Dieses Testament ist eines der Originalstücke, die in einer kleinen Sonderausstellung ab morgen Samstag (4.10.) im Handschriftenraum in Mozarts Wohnhaus am Makartplatz zu sehen sind. Der Anlass, dass man an Maria Anna Mozart (1751-1829) erinnert, ist einerseits ihr (eher unrunder) Geburtstag: Am 29. Oktober vor 185 Jahren ist sie in Salzburg gestorben, wohin sie nach dem Tod ihres Mannes aus St. Gilgen wieder zurückgezogen war: Auch als Erwachsene war sie eine geachtete Pianistin – und in späteren Jahren eine wichtige Zeitzeugin, was das Leben ihres Bruders betraf.

Der zweite Grund ist ein Notenblatt, das ein privater Sammler der Stiftung Mozarteum als Dauerleihgabe überlassen hat. Es ist ein querformatiger Papierstreifen, ein Fragment aus den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Nannerl Mozart hat darauf eine Generalbassaussetzung notiert. Was Mozartforscher aufmerken lässt, sind ein paar Notenköpfe auf der Rückseite: „Diese sind für Kenner eindeutig als Handschrift Wolfgang Amadeus Mozarts zu erkennen“, erklärt Armin Brinzing, der Leiter der Bibliothek der Stiftung Mozarteum.

Zur Geschichte dieses Notenblatts weiß Armin Brinzing einiges Aufschlussreiches: Es gehörte um die Mitte des 19. Jahrhunderts einem damals prominenten Autographensammler namens Alois Fuchs, der manch andere Mozart-Kostbarkeit im Original besaß. Danach besaß es ein englischer Geiger und Dirigent. Dieser ambitionierte Mann hieß John Ella (1802-1888). Er spielte beim Begräbnis Carl Maria von Werbers. Als Impresario war er das, was man heutzutage einen Musikvermittler nennen würde. Er hat die ersten Konzerte für Kinder veranstaltet.

Doch zurück zur kleinen Schau mit papierenen Dingen aus dem Leben von Mozarts Schwester: Als Zwölfjährige, während der so genannten „Wunderkinderreise“, hat sie aufgeschrieben, was ihr an Bemerkenswertem unterkam. So beschreibt sie einen Brunnen in Versailles oder Kanäle in Belgien. Für den Verlag Breitkopf und Härtel hat sie Anekdoten aus den Kindertagen ihres Bruders niedergeschrieben. Und einmal hat sie den Verlag darauf hingewiesen, dass sich in eine Notensammlung ein Stück eingeschlichen hatte, das nie und nimmer von Wolfgang Amadé stammen könne. Ihre Expertise war durchaus gefragt.

Ihren Lebensabend verbrachte sie im Haus genau gegenüber der Kollegienkirche (wo heute das Zipfer-Bierlokal ist). Eine „Homestory“ über Mozarts alte, verarmte Schwester kam wohl schon damals gut. Als Engländer für sie allerdings zu Geldspenden aufriefen, war die alte Dame not amused: Sie war zwar blind, aber materiell keineswegs schlecht gestellt.

Die kleine Schau im Handschriftenraum von Mozarts Wohnhaus ist bis Jahresende 2014 zu sehen – www.mozarteum.at
Bilder: dpk-krie

 

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