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Größter Einsatz auf kleinstem Raum

OENM / KÜNSTLERHAUS

03/02/15 Es hat manchmal was für sich, ganz früh anzukommen - ganz besonders, wenn es sich um ein Konzert in der Reihe „oenm.ganz privat“ handelt. Als erster Gast wird man freundlich von den Musikern begrüßt, sieht ihnen beim Postieren der Notenständer und Beleuchtungskörper zu und stimmt sich auf das kammermusikalische Ambiente des kleinen Saales im Künstlerhaus ein.

Von Dietmar Rudolf

„Wir lassen uns überraschen. Manchmal müssen wir Sessel nachstellen“, sagt ein Musiker zu einem Gast. Das war dieses Mal nicht nötig. Es werden nicht mehr als neun Zuhörer, die sich von den Mitgliedern des Österreichischen Ensembles für Neue Musik mit einer hochkarätigen Konzertstunde beschenken lassen. „Pay as you wish“, ist die Bitte an das Publikum. „We give all we can“, scheint das Angebot der vier Musikerinnen und Musiker zu sein.

Die wohltuend unakademischen Worte, mit denen der Cellist Peter Sigl das Publikum einführt, sind bestens geeignet, „keine Angst vor Neuer Musik“ aufkommen zu lassen, wie das Motto der Reihe besagt. „Fangen wir an?“ Der kollegiale Hinweis des Klarinettisten Andreas Schablas darauf, was der eigentliche Zweck des Abends ist, ruft allgemeines Schmunzeln hervor.

Die erste Hälfte des Programms ist Elliot Carter gewidmet. Gemeinsam mit der Geigerin Ivana Pristasova und der Harfenistin Katharina Teufel-Lieli spielen Sigl und Schablas in wechselnden Besetzungen Miniaturen des vor knapp drei Jahren mit 103 verstorbenen Methusalems der us-amerikanischen Musik (dem ja ein Schwerpunkt bei der zu Ende gegangenen Mozartwoche gegolten hat).

Carter liebt die Kontraste zwischen weit aus schwingenden Kantilenen und intensiven rhythmischen Eruptionen, die sich in den Ensemblestücken zwischen den Instrumenten abspielen. In den Solostücken für Harfe, Violine und Bassklarinette treten die Musiker sozusagen mit sich selbst in virtuosen Wettstreit. Dass er die aphoristische Kürze liebt, nimmt bei einem bekennenden Webern-Fan nicht wunder. Bestechend ist die Klangvielfalt, die Carter aus den Instrumenten schöpft, kongenial umgesetzt von den unglaublich motiviert spielenden Musikerinnen und Musikern - am beeindruckendsten vielleicht in „Bariolage“ für Harfe solo.

John Williams ist vielen Menschen, die mit Neuer Musik überhaupt nichts am Hut haben, zwar vielleicht nicht namentlich bekannt, aber seine Musik ist allgegenwärtig. Mit den insitierenden Bassfiguren des „Weißen Hai“ oder dem „Imperial March“ aus „Star Wars“ ist er sozusagen „Welt-Filmmusik-Kulturerbe“ geworden.

Und der Meister der Schockeffekte und des filmmusikalischen Pathos als ernster Komponist?

Mit dem 2011 als Auftragswerk für einen befreundeten Cellisten entstandenen Quartett „La Jolla“ für Violine, Violoncello, Klarinette und Harfe beweist er einmal mehr, dass er es versteht, äußerst spannende und klagsinnliche Musik zu schreiben.

Diese Musik ist – man staunt – über weite Strecken atonal, bedient sich aber aller traditionellen Verfahrensweisen wie Ostinato, Imitation, Homophonie und baut sich aus klar erkennbaren gestischen Motiven auf. Vor allem aber hat sie einen „Beat“, der einen schon zu Beginn des ersten Satzes, den das Cello mit einem „walking bass“ beginnt, in den Bann zieht. Im fünften und letzten Satz wird der Gestus dann zwar streckenweise gefährlich spätromantisch, aber es stellt sich dem Zuhörer die Frage, ob nicht ein wenig solcher Klangschönheit und Fasslichkeit mancher Avantgardemusik gut täte.

Fragen wie diese können mit den Musikerinnen und Musikern nach dem Konzert bei einem guten Glas Wein zwanglos erörtert, aber natürlich nicht einer letztgültigen Antwort zugeführt werden.

Die drei Fragen: War dies ein hervorragender Konzertabend? Ist diese fantastische Konzertreihe eine Bereicherung für unsere Stadt? Ist ihr noch viel mehr Aufmerksamkeit und Publikum zu wünschen? Darauf gibt es dreimal die letztgültige Antwort: Ja!

Bild: Pascal Perich/ISM; Almanach Mozartwoche 2015

 

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