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Am Füllen der Lücke

HINTERGRUND / NIKOLAUS HARNONCOURT / "EINSRPINGER"

17/12/15 Nikolaus Harnoncourt habe in einem persönlichen Brief mitgeteilt, dass er seine Mitwirkung an der Mozartwoche absagen muss, meldet die Stiftung Mozarteum. Ein noch viel folgenreicher handschriftlicher Brief Harnoncourts ist erst jüngst in allen Zeitungen abgedruckt gewesen: „Meine körperlichen Kräfte gebieten eine Absage meiner weiteren Pläne…“

Von Heidemarie Klabacher

Einem emeritierten Papst folgt ein neuer Papst. Aber wer folgt einem zurückgetretenen Nikolaus Harnoncourt?

Nur langsam erholen sich Publikum und Konzertveranstalter Land auf Land ab von dem Schock, stellen sich aber dennoch langsam auf eine Zeit „Nach Harnoncourt“ ein - und ihre Pläne um.

So auch die Mozartwoche: „Pablo Heras-Casado, der das Vertrauen von Nikolaus Harnoncourt genießt, wird das dritte Philharmoniker-Konzert bei der Mozartwoche 2016 am 30. Jänner im Großen Festspielhaus dirigieren“, gibt die Stiftung Mozarteum bekannt.

Harnoncourt war auch Professor am Mozarteum. „Seit seinem ersten Konzert bei der Mozartwoche 1980, als er das Concertgebouw-Orchester Amsterdam mit einem reinen Mozart-Programm leitete, ist Nikolaus Harnoncourt der Stiftung Mozarteum Salzburg verbunden“, heißt es in der Aussendung der Stiftung. „Nikolaus Harnoncourt dirigierte zahlreiche Konzerte und konzertante Opernaufführungen bei der Mozartwoche und hielt in diesem Rahmen auch die Festrede anlässlich des Festaktes zur Eröffnung des Mozart-Jahres 2006. 2011 wurde er mit der Goldenen Mozart-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Stiftung Mozarteum Salzburg, geehrt.“

Für Harnoncourt seien musikwissenschaftliches Fundament und Bezug zu den Quellen wesentlich für die künstlerische Arbeit. Harnoncourt habe, „als einer der ersten Dirigenten“, auch bei ‚Repertoirestücken’ die Originalquellen minutiös studiert und ausgewertet. „Daraus entstand zwischen ihm und der Editionsleitung der von der Stiftung Mozarteum Salzburg herausgegebenen Neuen Mozart-Ausgabe ein viele Jahrzehnte währender, ebenso lebhafter wie fruchtbarer Dialog.“

Dieses Engagement Harnoncourts für die Quellen wird weiterwirken. An den Pulten stehen andere. Man wird sich daran gewöhnen müssen.

Dass in der Mozartwoche 2016 Pablo Heras-Casado beim dritten Konzert der Wiener Philharmoniker, mit dem Arnold Schoenberg Chor und die Solistin Dorothea Röschmann, das reine Mendelssohn-Programm dirigieren wird, ist also die erste direkte Folge des Harnoncourt-Rückzugs in Salzburg.

In Wien steht noch zuvor – am 17. Jänner - im „Theater an der Wien“ Ludwig van Beethovens „Fidelio“ in einer konzertanten Aufführung auf dem Programm. Hier ist Nikolaus Harnoncourts langjähriger Assistent Stefan Gottfried als Dirigent eingesprungen. Er leitet den Concentus Musicus Wien. Auch hier singt der Arnold Schoenberg Chor. Solisten sind u.a. Juliane Banse, Michael Schade, Georg Zeppenfeld, Anna Prohaska und Andrè Schuen. Das Fidlio-Libretto wird an der Wien kontrapunktiert durch „Textintermezzi“ von Walter Jens.

Beim Festival Styriarte in Graz, das ja für Nikolaus Harnoncourt gleichsam gegründet worden ist, erholt man sich auch nur langsam von dem Schrecken. Beim Styriarte-Großprojekt „Beethoven 8+1“ steht derzeit noch N.N. als Dirigent. Einige Termine des Zyklus wurden abgeändert.

Dort gibt es übrigens eine eigene Seite mit den Antworten auf die „häufigsten Fragen zum Rücktritt von Nikolaus Harnoncourt“. Bewegend und berührend das Frage-Antwort-Paar „Besteht die Möglichkeit, dass Nikolaus Harnoncourt nicht doch noch dirigiert?“ „Aus unserer Sicht ist dies ausgeschlossen.“

Die Mozartwoche 2016 – www.mozarteum.at ; das Konzert der Wiener Philharmoniker unter Pablo Heras-Casado - www.mozarteum.at
Bild: Internationale Stiftung Mozarteum

 

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