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Bericht aus der heilen Welt

REST DER WELT / BOLOGNA / KINDERBUCHMESSE

14/04/15 Die Kinderbuchmesse in Bologna zeigt, dass der Wettbewerb mit den elektronischen Medien vielleicht doch noch nicht ganz verloren ist.

Von Werner Thuswaldner

An den ersten Tagen der Messe durfte die Bologneser Buchhandlung Stoppani, die Wert auf hohes Niveau legt, in einer großen Halle eine internationale Auswahl von Büchern verkaufen. Der Andrang war erstaunlich. Vor mehreren Kassen standen die Menschen, als lebten wir in einer Notzeit. Sie standen von einem bis zum anderen Ende der Halle und warteten geduldig bis zu einer halben Stunde.

Doch zunächst ein paar Zahlen: Zur Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna Anfang April kamen über 30.000 Besucher aus 95 Ländern, um zu sehen, was die 1.200 Aussteller zu bieten hatten. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die ganze Welt anwesend war. Mein persönlicher Eindruck: Die Asiaten dominieren. Viele Länder – so auch Österreich – waren außer durch Einzelaussteller durch einen Gemeinschaftsstand vertreten. Gastland war diesmal Kroatien. Eine Sonderausstellung war den Illustratoren dieses Landes gewidmet. Die Spannweite ihrer Ausdrucksformen ist weit. Tomislav Tomic ist der weit über die Grenzen Kroatiens hinaus bekannte Star unter ihnen. Detailgenau schafft er Bilder und Stiche, die sich an der Grafik der Renaissance orientieren.

Die Messe vermittelte insgesamt den Eindruck einer heilen Welt wie vor dem elektronischen Zeitalter. Hier scheint keine Rede davon zu sein, dass die Kinder ihre Zeit hauptsächlich mit dem Laptop, dem Smartphone oder dem Tablet verbringen. Nein, wie früher lassen sie sich von bunten Büchern ins Märchenreich versetzen, um zu erleben, wie das Gute nach dem abenteuerlichen Kampf mit dem Bösen siegt.

Aus den Gesprächen mit den Verlegern aber ging hervor, wie dramatisch die Konkurrenz der elektronischen Medien ist. „Haben wir die Kinder bis zum sechsten Lebensjahr nicht für das Buch gewonnen, werden aus ihnen später keine Leser mehr. Nur wenn sie als Sechsjährige den Umgang mit Büchern gelernt haben, werden sie Buch und Bildschirm als gleichwertig ansehen.“

Die Bemühungen um die Kleinsten sind tatsächlich groß. „Boarding books“, phantasievoll, oft mit Stanzungen und Folien gestaltete Pappbilderbücher erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie vermitteln den Kleinsten, Farben, Formen und verschiedene Tiere zu unterscheiden, erzählen einfachste Geschichten und bieten die eine oder andere Überraschung.

Vor gut gemachten Kinderbüchern dieser Art schmelzen auch Erwachsene hin. Sie sind übrigens für den Fortbestand der Kinderbuchkultur unerlässlich. Das Vorlesen ist nämlich nach wie vor dringend gefragt. Und natürlich ist die Leseförderung außerordentlich wichtig. In diesem Zusammenhang wurde auf der Messe mit der diesjährigen Vergabe des „Astrid Lindgren Memorial Award“ – dotiert mit rund 550.000 Euro - ein Zeichen gesetzt. Er wurde der südafrikanischen Initiative PRAESA (Project for the Study of Alternative Education in South Africa) zuerkannt. Ziel dieser Organisation ist es, den verschiedenen Bevölkerungsgruppen das Lesen in ihrer jeweiligen Sprache beizubringen.

Wohl gibt es bei den Bilderbüchern stilistische Entwicklungen, doch von den Stoffen her gesehen herrscht große Kontinuität. Die alten Märchen behaupten ihren Bereich. So gut wie jedes Tier kann zum Helden werden. Diesmal schienen die Raben die Oberhand zu gewinnen. Genauso können aber auch der Bär, die Maus, der Affe oder sogar die Schnecke oder das Krokodil die Hauptrolle spielen.

Sehr bemerkenswert sind nationale Unterschiede. Dies stellt international agierende Verlag vor große Herausforderungen. Während etwa im deutschsprachigen Raum Kinder- und Erwachsenenliteratur klar getrennte Welten sind, ist der Übergang in Frankreich fließend. Bei den Franzosen ist mehr Drastik und Frechheit zu beobachten.

Der Handel mit Lizenzen spielt auf der Messe eine große Rolle. Von den Chinesen heißt es, dass sie dringend an Lizenzen interessiert seien (übrigens auch die Iraner und Armenier). Es sei aber kaum möglich sei, die Einhaltung der Bestimmungen zu kontrollieren, etwa die Auflagenhöhe betreffend. Immer wieder waren Chinesen zu beobachten, die an den Stand kommen und einzelne Bilderbücher durchfotografieren. Hier entstehen nicht bloß Fotos zur Erinnerung.

Täglich schwärmen auf der Messe reichlich Kunststudenten mit Mappen unterm Arm aus. Sie sind auf der Suche nach Verlegern, die sich für ihre Arbeiten interessieren. Manchmal bilden sich Schlangen vor Ständen, an denen sich ein Verleger ihrer erbarmt. Spontane Vertragsabschlüsse sind selten. Oft mangelt es an der Qualität der Illustrationen, oft ist die dazugehörige Geschichte unbrauchbar.

Kommendes Jahr ist Deutschland das Gastland der Messe – www.bookfair.bolognafiere.it
Bilder: Bologna Children‘s Book Fair

 

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