Der Festspiel-Elefant kommt hoch hinaus

HINTERGRUND / HUBERT LEPKA / HANNIBAL

10/02/17 „Die Liebe der Danae, Sommer 2016, Großes Festspielhaus. Ich sehe Alvis Hermanis´ Inszenierung der Richard Strauss Oper und denke: diese Stufenpyramide erinnert mich stark an jene Schneepyramide im Gletscherschauspiel 'Hannibal'.“ Hubert Lepka hatte dieses Deja-vu.

Aber es kam noch besser: „Da von rechts ein lebensgroßer weißer Elefant hereingerollt. Was für ein herrlicher Zufall!“ Der Elefant hat die Fantasie des Salzburger Maschinen- und Naturtheatermachers gleich angeregt, bringt er doch seit 2001 jedes Jahr im Spätwinter auf dem Rettenbach Gletscher über Sölden Hannibals Alpenüberquerung als Kolossal-Spektakel auf die imaginäre Bühne, deren Bretter hier die Schneemassen sind.Gedacht, getan: „Etliche Wendungen und Absprachen später fährt ein riesiger LKW der Bergbahnen Sölden bepackt mit dem Dickhäuter Richtung Gletscher“, berichtet Hubert Lepka. Wer weiß: Hätte Hubert Lepka nicht zugeschlagen, hätte der Elefant womöglich heute Freitag (10.1.), beim Kostümverkauf der Festspiele, auf einen Käufer gewartet. In den Karl-Böhm-Saal hätte man das Riesending freilich nicht hinein gebracht.  

„Dank der Salzburger Festspiele konnte die strahlende Skulptur aus dem Kulissenzoo geholt und in der Bergwelt der Ötztaler Alpen freigelassen werden.” Dort wartete ja eine Elefantenherde ganz anderer Art auf ihren Kollegen: die 37 Pistenbullys der Bergbahnen Sölden. Sie bilden in Hubert Lepkas Gletscherschauspiel „Hannibal“ die Elefantentruppe bilden. „Dank guter Vorbereitung bei den Salzburger Festspielen und dicker Haut bestand der weiße Elefant die Audition ohne jede Bühnenscheu“, sagt Lepka augenzwinkernd. Neben ihm und auf ihm tanzend werden heuer die beiden Tänzer Maayan Reiter und Sami Similä in den Senat von Karthago gewählt. Von Rotraud Kern - einer erfahrenen Teilnehmerin des Gletscherschauspiels - angeleitet, freute sich Sami (er stammt aus Finnland) über heimatliche Temperaturen. Maayan war erstmals auf einem Gletscher. Für die Israelin ist das Terrain so ungewohnt wie für den weißen Elefanten aus dem Opernhaus.

„Das Training mit der Herde beginnt im April“, kündigt Hubert Lepka an. Harald Krassnitzer ist der Erzähler der Geschichte.Das Künstlernetzwerk Lawine Torrèn inszeniert seit 2001 die Lebensgeschichte Hannibals als Gletscherschauspiel um Machtstreben, Leadership, Intrigen und Weltpolitik. „Der Rettenbach Gletscher gleicht einem Tier“, findet Hubert Lepka. „Auf seiner tausende Jahre alten Haut spielt die größte zeitgenössische Performance der Welt: Hannibal überquert die Alpen. Auf 3000 m Seehöhe. Kein Bühnenrand, kein Schnürboden, kein Orchestergraben, nichts hält Hannibal auf.“ In dieser Eiswelt inmitten der Dreitausender der Ötztaler Alpen sei „die Szenerie so großartig, wie die Berge selbst“, schwärmt Lepka. Dreihundert Spitzensportler, Piloten der Flying Bulls, Tänzer, Schauspieler und Bergsteiger sind jedes Jahr beschäftigt.

Die Geschichte: 218 v. Chr. überquerte Hannibal aus Karthago in nur zehn Tagen mit 60.000 Mann und 37 Elefanten die Alpen. Er überwand steile Bergflanken, das sich plötzlich ändernde Wetter, die Lawinen und besiegte Italien. Trotz militärischer Überlegenheit verzichtete Hannibal jedoch auf die Eroberung Roms. Ein Verzicht mit historischen Konsequenzen: Dem Zögern folgte die Niederlage gegen die Römer unter Scipio in der Schlacht bei Zama. Rom stieg zur beherrschenden Macht im Mittelmeerraum auf, Karthago - auf dem afrikanischen Kontinent gelegen, dort wo heute Tunis ist - versank in Bedeutungslosigkeit.

Nun sinniert Hubert Lepka, ob der Festspiel-Elefant auf seinem Gletscher-Höhenflug nicht einen Namen bekommen sollte: „Pollux vielleicht...“ (Lawine Torrèn / dpk-krie)

Die diesjährige Aufführung von „Hannibal“ findet am 21. April 2017 um19.30 Uhr statt – www.hannibal.soelden.com
Bilder: Lawine Torrèn / Ernst Lorenzi (2); Bernhard Müller (1)