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Ein Schwerthieb zuviel

REST DER WELT / GRAZ / MONTEVERDI

14/03/17 Manche Opern haben keine Chance – weil sie zu kurz sind. Opern-Einakter haben in seltensten Fällen das Glück wie „Cavalleria rusticana“ oder „Il Pagliacci“, dass sie bald nach ihrer Uraufführung zum Zwilling gekoppelt und so auf Erfolgsreise geschickt werden.

Von Reinhard Kriechbaum

Ein netter Einfall also, dass die Grazer Oper in dieser Saison erstmals zum „Opern-Kurzgenuss“ lädt. Dazu kooperiert man mit der Musikuniversität am Ort, und man sucht auch nach spezifischen Orten. Für Claudio Monteverdis „Il combattimento di Tancredi e Clorinda“ fand man nun die Orangerie im Burggarten. Gewächshäusern folgen selten dem Goldenen Schnitt, aber in dem Fall bietet der extrem schmale, lange Raum die Option, dass die Kontrahenten in der Schlacht mit großen Schritten aufeinander zustürmen können. Das Publikum sitzt rund um die Spielfläche, längsseits in nur einer Reihe.

Das Adjektiv „rappresentativo“ hat Monteverdi dem zwanzigminütigen Stück aus dem Achten Madrigalbuch mitgegeben. Monteverdi wollte es also dezidiert szenisch haben. Ein Erzähler – Martin Fournier mit stilkundiger Gestaltung – schildert die unerfreulich endende Geschichte: Kreuzritter Tancred hat sich in Clorinda, eine Muslimin, verliebt. Das ahnt er freilich nicht, und noch weniger rechnet er damit, dass sie ihm im Kampf gegenübertreten würde. Als der Helm gelüftet wird, ist's zu spät. Tödlich verwundet ist sie, aber wenigstens bekommt sie noch die christlichen Sterbesakramente. Insofern bekommt alles seine letzte Ordnung.

„Il combattimento“ wäre selbst als Kurzoper viel zu kurz. Darum hat sich die Leiterin der Aufführung, die Barockgeigerin Susanne Scholz, ein Vorspiel zu Tanzmusik von Salomone Rossi ausgedacht, Monteverdis jüdischem Komponistenkollegen am Hof der Gonzaga. Die Sopranistin Birgit Stöckler und der famose Tenor Mario Lerchenberger, als Tancred und Clorinda etwas unterbeschäftigt, bringen sich noch mit zwei Monteverdi-Solomadrigalen ein. Dazu kommt noch ein Tänzerpaar (Choreographie: Challyce Brogdon) – ein kleines musikalisches Gartenfest mit Musik und Tanz also, mit einfachsten Mitteln sympathisch unprätentiös in Szene gesetzt: 50 anregende Minuten aus einer Epoche, da die Musik von der Polyphonie in die Monodie hinüber kippte und man jäh an der Wiege der Oper stand.

Weitere Aufführungen am 14., 15.und 16.März – www.oper-graz.com
Bilder: Grazer Oper / Werner Kmetitsch

 

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