Perpetuum mobile der guten Laune

REST DER WELT / BAD ISCHL / SAISON IN SALZBURG

26/07/17 Auch die zweite Premiere des Lehár-Festivals Bad Ischl, „Saison in Salzburg“ von Fred Raymond, dürfte zu einem Renner werden. Regisseur Gernot Kranner und die Choreografin Rita Sereinig zeigen ein Perpetuum mobile funkensprühender Heiterkeit.

Von Elisabeth Aumiller

Die Operette „Saison in Salzburg“, die „die Salzburger Nockerln, süß wie die Liebe und zart wie ein Kuss“ als „himmlischen Gruß“ verherrlicht, sollte ehemals in der Nazizeit das wegen jüdischer Autoren verbotene Erfolgsstück „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky ersetzen. Der Komponist Fred Raymond hatte sich im Berlin der 1920ger- und 30ger-Jahre mit seinen forschen Rhythmen von Tangos, Schlagern, Filmen und Revueoperetten einen Namen gemacht, und so wurde er schließlich ausersehen, Lieferant „arischer“ Operetten zu werden.

An diesen Hintergrund erinnert nichts in der Ischler Produktion. Vielmehr zündet auch heute noch Raymonds flotte musikalische Darstellung „höheren Blödsinns“ im Walzer- oder Slowfox-Schritt mit Ohrwürmern wie unter anderem „Salzburger Nockerln“, „Wenn der Toni mit der Vroni“, „Mein Herz war auf Reisen“, „Der Großpapa von Großmama war Donkosak am Don“ oder „Reich mir die Hand“, „Und die Musi spielt dazu“. Da hat natürlich in Bad Ischl Marius Burkert mit dem Franz Lehár-Orchester wichtigen Anteil, so dynamisch auftrumpfend und schwungvoll, ohne gassenhauerisch deftig zu sein, serviert er die starken Rhythmen.

Die Bühnenbildschauplätze in den hübschen Zeichnungen von Herwig Libowitzky sind überschaubar gehalten, spielen vor Alois Hintermosers (zünftig als Gstanzlsänger Alois Walchshofer) vor der Pleite stehenden „Hotel Mirabell“ und vor den Gasthöfen „Zum Salzburger Nockerl“ und dem „Blauen Enzian“, drinnen und draußen. Inhaltlich gibt es die üblichen Verwirr- und Verwechslungsspiele um die Liebe. Das Kuddelmuttel der „falschen“ Paarungen ist hier besonders groß, bis am Ende die beste Mehlspeisköchin Vroni (reizend Theresa Grabner) ihren Enziangasthofbesitzer Toni (flott Thomas Zisterer) in die Arme schließen kann, die Nockerl-Rezept-Besitzerin Steffi (klangvoll Monika Rebholz) den betuchten Autorennfahrer Frank (humorvoll energiegeladen wie tenoral schmachtend Alexander Kaimbacher) bekommt und Erika (brav bis frech Adelheid Brandstetter) sich die Einwilligung von Vater Dahlmann für die Ehe mit dem Schweizer Parfümeur Max (ulkig August Schram) erwirkt. Zwei weitere Paare dürfen sich zu guter Letzt vereinen: Autoreifeninhaber Dahlmann ( passend in der Rolle Paul Schmitzberger mit Tütenknall) und die Autofabrikinhaberin und russische Tante Olga (flotte Komikerin Uschi Plautz) sowie Chefmechaniker Knopp (unentbehrlich herumwuselnd und organisierend Roman Martin) mit der feschen Kellnerin Helen (Irene Peios).

Die ausgelassene Stimmung kennt keinen Hänger, alle tanzen, singen, hadern, streiten, fensterln, verkleiden oder freuen sich in permanentem Volldampf. Ballett und Chor sind temperamentvoll im Einsatz in allen Farben und Formen an Tanzelementen, auch rund um den Orchestergraben herum. Die Kostüme sind eine fesche Schau von Dirndl und Lederhose über 1930er-Jahre-Mode bis zum Russenkolorit der Don Kosaken und den Goldhauben der oberösterreichischen Frauen. Nahtlos eingebaut sind die Raymond-Schlager „Ich hab' das Fräulein Helen baden sehn“ und „Mein Bruder macht im Tonfilm Geräusche“. Natürlich dürfen auch in den Dialogen ein paar Witze und aktuelle Anspielungen nicht fehlen, so etwa wenn über die „Einsilbigkeit“ der Politiker Kurz und Kern nachgedacht wird, der Kurzschluss eines Scheinwerfers fantasievoll mit eingebaut wird oder der nostalgische Hinweis ergeht „Für Sisi und Kaiser kommen alle hierher, dann sind sie enttäuscht, denn die leben nicht mehr“. Es ist ein fröhlicher musikalischer Bühnenspaß, der auch als Fremdenverkehrsmagnet und zum Touristenhighlight taugt: Salzburger Sommersaison mal ohne Mozart und Kugel.

Aufführungen bis 2. September – www.leharfestival.at
Bilder: Foto Hofer, Bad Ischl