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Beton ist nicht das Kriterium

ST. LEONHARD / LEUBE-SKULPTURENWEG

12/06/13 Die „Baumspirale“ nach einer Idee der Salzburger Architekten „Lechner und Lechner Architects“, die ein Denkmal für den Firmengründer Gustav Ernst Leube rahmt, fügt sich möglichst in die umgebende Natur ein. Anders das jüngste Kunstwerk auf dem Leube-Skulpturenweg in St. Leonhard, die „Pixelröhre Leonhard 8/8“ von Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt.

047Diese Betonröhre, die zwei Menschen bequem begehen können, ist innen und außen mit gerasterter Spiegelfolie versehen. Sie ist ein Kunstwerk der Gegensätze, wie das Künstlerduo aus Deutschland erklärt: „Aus der Ferne wirkt die Pixelröhre wie eine visuelle Störung der Landschaft oder das Flimmern einer Fata Morgana. Obwohl sie wuchtig gebaut ist, verschwindet sie jedoch im Wald. Ihre acht mal acht Zentimeter großen quadratischen Spiegel-Pixel erinnern an ein digitales Bild und verwandeln die Pixelröhre gleichsam in ein Wesen, das unseren Blick mit Facettenaugen erwidert.“

046Der Skulpturenweg ist Teil des Treppelwegs von Gartenau nach Marktschellenberg, entlang der Königsseeache. Er bietet den Besuchern die Möglichkeit einer Begegnung mit zeitgenössischer Bildhauerei. Jedes Jahr wird er um ein begehbares Kunstwerk erweitert. Beton als Werkstoff ist natürlich ein Thema, aber kein Zwang.

Die Firma Leube feiert heuer ihr 175jähriges Bestehen. Nach der Firmengründung in Ulm expandierte man bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nach Salzburg (Zementwerk Gartenau). 1970 wurden das Kalkwerk Tagger und 1993 das Zementwerk Bernhofer in Golling erworben, ab Betonwerk Ebensee ist man beteiligt.

048Die Firma hat sich auch immer für die Kunst eingesetzt, etwa für regionale Festivals im Tennengau oder für die Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“. Der Salzburger Fotograf und Fotohof-Leiter Kurt Kaindl: „Leube atte schon immer viel für die Kunst übrig. Das hat bereits das Sponsoring-Projekt ‚Artists in Residence‘ zur Förderung aufstrebender Talente gezeigt.“ Junge Künstler aus aller Welt wurden in den Jahren zwischen 1995 und 2005 eingeladen, in der Gartenauer Künstlerkolonie zu leben, zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln. Zahlreiche Salzburger Galerien haben damals den jungen Künstlern auch Ausstellungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.

049Der Leube-Skulpturenweg wurde 2008 angelegt. „Skandal im Paradies“ heißt die leuchtend rote Kugelversion eines Baumhauses, das über dem Waldboden schwebt. Entworfen wurde es von der Künstlerin Ona B., die als eine der ersten Artist-in-Residence-Stipendiatinnen 1995/1996 in den Leube-Ateliers ihre Kreativität unter Beweis stellte. „Streng behütet, wie ich war, ist das erste Baumhaus in der Kindheit die einzige Zuflucht, geheimer Ort und ureigene Identitätsschmiede gewesen“, so Ona B. über ihren Entwurf „Vom Baumhaus ins Universum“, wie sie ihn selbst nennt. Die Besucher sind eingeladen, die Vision der Künstlerin aufzunehmen, sich in ihrer Vorstellung in das Baumhaus zu begeben und zugleich den heimlichen Ausblick auf die Welt sowie das unbeobachtete Abgeschlossensein zu erleben.

Zum Skulpturenweg gehört auch der Pavillon „Voids“ mit neun Betonkreuzen des Künstlers Günther Unterburger. Zwischen den Bäumen des Treppelwegs schwebt eine pinkfarbene Plattform mit freitragender Treppe. „Come back tomorrow“ hat die in Paris lebende Künstlerin Alix Delmas ihre Arbeit genannt, die die Besucher seit 2010 zur gedanklichen Reise auf dem „fliegenden Teppich“ einlädt. (Leube/dpk)

Der Leube-Skulpturenweg beginnt etwas südlich der Kirche von St. Leonhard am Bogen, den die Königssee-Ache dort macht. Er ist frei zu begehen, es gibt keine Besuchseinschränkungen. - www.leube.at
Bilder: Leube / Herman Seidl

 

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