CD-BESPRECHUNG / KHARMA

Singen vom Alltäglichen

07/03/10 „Where Is My God?“ fragt Gerti Krawanja, Stimme von Kharma, zum Einstieg in die aktuelle, dritte CD des Duos und eröffnet damit eine Sammlung von zwölf englischsprachigen Liedern, die sich mit Erlebnissen und Erfahrungen aus dem Alltag beschäftigen.

Von Oliver Baumann

altDem Opener zum Trotz will Kharma - das eingeschobene „h“ dient lediglich als optischer Aufputz - jedoch nicht so sehr Religion und Glauben besingen, sondern vielmehr persönlich Erlebtes, Sehen und Erkennen, zum Ausdruck bringen. „Unser Bandname beruht nicht auf religiösen Überlegungen. Wir wollen einfach nur unsere Musik machen und euch mit den Songs in gewisser Weise kontaktieren und berühren“ verrät das Duo auf seiner website.

„Reflections“ tut genau dies in traditioneller Sing/Songwriter-Manier. Im Mittelpunkt stehen Krawanjas Stimme und Helmut Bubendorfers akustische Gitarre und eine Sammlung an Lebenserfahrungen, die sich bereits in ihren Titeln spiegeln („life is beautiful“ oder  „that ain’t me anymore“). Durch einige Stilvariationen und durch die Hinzunahme ergänzender Instrumente gewinnen manche Titel an Drive und Schwung. Am reizvollsten gelingt dies in der Titelnummer „reflections“ oder im groovigem „seeing is believing“.

Dabei beschreiten Kharma einen nicht ganz ungefährlichen Weg zwischen Berührendem und Abgegriffenem. Die Reflexionen des seit rund zehn Jahren miteinander musizierenden Duos erreichen nicht immer die erhoffte Tiefe. Während „stop talking“ durch den geschickten Einsatz von Stimmenoverdubs funktioniert, wirkt „that ain‘t me anymore“ oberflächlich und sprachlich holprig, bewegt sich „fine with me“ zu schablonenhaft und lassen Songs wie „better days“ musikalische Durchschlagskraft vermissen. Besonders irritierend wirkt der allzu zaghafte Einsatz von Rhythmusinstrumenten, der so mancher Nummern den unglücklichen Geschmack einer Demoversion verleiht („life is beautiful“).

So bieten Kharmas „Reflections“ zwiespältige Hörerlebnisse. Mancher Nummer hätte eine gründliche Selbstreflexion gut getan und vielleicht ließe sich mit deutschen Texten auch ein direkterer Zugang zum Ohr des Zuhörers erreichen, wie das abschließende „achterbahn“  zeigt.

"Reflections", KharmaCD 03 - http://www.kharma.at
Bild: Kharma