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Thisbe bleibt Gaga

KAMMERSPIELE / NIGHTFEVER

03/10/11 Die elegante neue Bestuhlung war beinah unnötig. „Nightfever“ hat das Publikum in den Kammerspielen vom Hocker gerissen: Was die Handwerker aus dem „Sommernachtstraum“ aufführen, ist nicht nur ein Hit, sondern eine ganze Schlagerparade.

Von Heidemarie Klabacher

altBeim Hochzeitsfest des Fürstenpaares sind sie ganz erbärmlich durchgefallen. Der Handwerkstrupp wollte ja statt der „sehr traurigen Komödie“ um Pyramus und Thisbe sowieso viel lieber eine flotte Musical-Show abziehen. Aber da hatte sich „Regisseur“ Peter Quitte noch durchgesetzt: Ein Sprechstück nach allen Regeln des modernen Regietheaters hat es unbedingt sein müssen „inhaltlich und ästhetisch herausfordernd“. Obwohl alle wissen, „das Hippolita zu jeder verfickten Musical-Premiere nach London fliegt“.

Jetzt also - auf der Schmuddelbühne quasi und ohne das hehre Personal im Nacken - probt das Ensemble den Aufstand. Der Regisseur wird abgesetzt, die Rollenverteilung wird diskutiert, Songs werden ausgewählt.

Es gibt eine Geschichte zu erzählen: Pyramus und Thisbe sind des Liebesgeflüsters durch den Spalt in der Wand überdrüssig. Sie beschließen zu fliehen. Ein Löwe kommt auch zum Treffpunkt bei Ninus Grab, entreißt Thisbe mit blutigem Maul den Schal, welchen Pyramus findet, der die Geliebte gefressen glaubt und sich im Schmerz erdolcht. Da trippelt Thisbe daher, findet den toten Geliebten und erdolcht sich auch. Soweit in etwa Shakespeare bzw. Ovid.

altMaren Zimmermann, Dramaturgin am Landestheater, hat daraus das „handgemachte“ Musical „Nightfever“ gebastelt und einen echten Hit gelandet: knappe Dialoge von sprühendem Humor und Lieder, die die Figuren zugleich persiflieren und charakterisieren folgen Schlag auf Schlag. Die Ausstattung von Manuela Weilguny ist ganz im Stil der 70er gehalten, farbig-blumig. Die musikalische Leitung hat Johannes Pillinger, Regie führt Angela Hercules-Joseph.

Es ist einfach zu witzig, wie das Theater sich hier selber verulkt, mit großer Geste und ebenso großen wie leeren Worten. Da singt doch die Darstellerin der Wand den Kultsong „The Wall“ von Pink Floyd, da kommt die Darstellerin des Mondes mit „Moonshadow“ dahergetrippelt. Da stellen sich die Männer - die nach Absetzung des Regisseurs und Neuausrichtung des theatralen Gesamtkonzepts um die männliche Hauptrolle raufen - mit „YMCA“ der Wahl zum „Super Pyramus“. Während die Damen bei der Verkündigung des Jury-Bescheides an Zickigkeit Heidi Klum übertreffen.

altWenn dagegen echte  Betroffenheit herrscht, ob der schier unüberbrückbaren Differenzen in den künstlerischen An- und Absichten wird es tragisch-tief. Aber „The Show must go on“. Ja und der Löwe! „Lion sleeps tonight“ singt sein Darsteller, der in seinem Rollenkonzept zwischen Schmusekätzchen und reißender Bestie schwankt.

Dass zwischen den jüngeren und den älteren Mitwirkenden auch noch ein echter Generationskonflikt um Aktualität bzw. Qualität der ausgewählten Songs hineinkommt, sorgt für weitere Pointen.

Geradezu „leitmotivisch“ ist der Widerstand des Franzi Flöte, in die Rolle der Thisbe und damit in Frauenkleider zu schlüpfen. Noch dazu, wo in dieser Handwerkstruppe eh zwei Frauen vertreten sind. Damit kommt also auch noch die „Gender-Ebene“ rund um das Thema „Geschlechter-Konstruktion“ hinein (das haben die Elisabethaner längst schon gehabt) - und natürlich zarte Liebesgeschichten. - Und das alles in flottem Tempo, das auf achtzig Minuten auch nicht ein einziges Mal durchhängt. Sogar das Karaoke-Singen hat Witz.

Nochmals einzeln vor den Vorhang die Handwerker mit ihren neu übersetzten Namen: Peter Quitte (Gero Nievelstein), Nick Hinterteil (Marco Dott), Franzi Flöte (Sebastian Fischer), Toni Schnauze (Claudia Carus), Schnuckelig (Axel Meinhardt) und Robin Hungerhaken (Nicole Viola Hinz). Bravo!

Bilder: Landestheater/Christina Canaval
Zur Besprechung von „Ein Sommernachtstraum“ {ln:Mit Schwung und Schnauze}

 

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