asdf
 

Ach, wir armen Primadonnen

FESTSPIELE / EDITA GRUBEROVA

24/07/13 Nach der offiziellen Programmfolge mit einer Schubert -Gruppe, drei Rachmaninow- Liedern gepaart mit ausgewählten Strauss-Gesängen, verwöhnte  Edita Gruberova bei Ihrem Liederabend ihr Publikum noch mit einem Zugaben-Sonderkonzert, das einem Feuerwerk an Vokalbravour voll blitzender Koloraturen gleichkam.

Von Elisabeth Aumiller

100Das ist es, was die Leute immer wieder und immer noch von ihr hören wollen, womit sie seit über 40 Jahren die Menschen in allen Teilen der Welt zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Auch hier hielt es am Ende niemanden mehr auf den Sitzen, standing ovations waren da obligatorisch.

Mit zierlicher Beweglichkeit erstrahlte „In goldener Fülle“, ein eher selten zu hörendes Strauss-Juwel, in dem die Stimme sich dann zum Jubel aufschwingt „Wir schreiten in goldener Fülle bis an das Ende der Welt“. Verschmitzt kündigte die Koloraturdiva den Schattentanz  „Ombre legère“ aus „Dinorah“ von Giacomo Meyerbeer an, Paradestück einer Callas und all ihrer Vorgängerinen zurück bis ans Ende des 19. Jahrhunderts. Und wie die Gruberova die Läufe, Triller, Staccati servierte: Die schimmernden Tonkaskaden und kunstfertigen Piano-Echos ließen förmlich die tänzerische Koketterie mit dem  leichtfüßigen Schattenbild vor dem inneren Auge sichtbar werden! Stimmliches Raffinement dann ebenso bei Eva Dell' Aquas „Villanelle“.

Beim Walzerlied „Ach, wir armen Primadonnen“ aus Carl Millöckers „Der arme Jonathan“ war Gruberova erneut die  großartige Komödiantin, als sie mit schelmischen Blicken und umwerfender Komik  die Primadonnennöte beschwor: „Wir sind Sklaven, sind verdungen, Ruhm, Applaus, ach lauter Dunst...... Doch wir kennen eine Rache, wenn man uns zu schrecklich plagt, nun so wird man plötzlich heiser, dann wird eben abgesagt.“ Glücklicherweise wurde Gruberova an diesem Abend nicht heiser, sondern begeisterte mit ihrer schillernden Stimmbrillanz, die sie sich über die Jahre zu  bewahren  wusste. Das kommt einem Phänomen gleich, gemessen an heutigen Sängerkarrieren.

Mit Heiserkeit war während der Liederfolge dennoch zu kämpfen gewesen. Besonders bei der Schubertgruppe musste Gruberova sich gegen die geradezu von einer Hustenepidemie heimgesuchte Zuhörerschaft behaupten. Es wurde gehustet, geräuspert, genießt und das nicht nur zwischen den Liedern, sondern mitten hinein und eifrig auch bei den hauchzarten Pianissimi, die Gruberova so  innig als vokale  Ausdruckslinien anlegte. Bewunderswert, wie mutig sie sich durch die diversen Störfelder und Nebengeräusche  kämpfte.

Im Liedgesang zeigte sie, wie wichtig ihr die Auslotung der Worte ist, wie sie, etwas verhalten zwar und ganz auf  konzentrierte Stimmführung reduziert, den vokalen  Ausdruck dem Sinngehalt gemäß gestaltete. Dabei gelangen die ruhig strömenden Lieder wie „An die Musik“, „Nacht und Träume“  „Nur wer die Sehnsucht kennt“ oder die intensivere „Suleika II“ überzeugender, als die mehr auf Parlando Deklamatorik  ausgerichteten.

Vokales Strahlen und kantable Bögen ermöglichten die Rachmaninow-Gesänge, darunter besonders ansprechend und beliebt „Ne poj, krasavica“ („O sing, du Schöne, sing mir nicht“). Stimmliche Steigerung brachten die Strauss-Lieder, bei denen Gruberova mit Höhenglanz und  schillernder Farbpalette, von feinen Piani bis zur blühenden Strahlkraft, dem Wortgehalt Leben einhauchte. Innig und  berührend nahmen insbesondere „Die Nacht“ „Glükes genug“, „Leises Lied“ und „Die Waldseligkeit“ klangdelikate Formen  an.

Am Flügel war Alexander Schmalcz ein mehr zuverlässig stützender als fantasievoll mitgestaltender Partner.

Mit vokaler Bravour, mit großer Bühnenpräsenz der erfahrenen Interpretin und mit pointiertem Witz servierte Gruberova ihre  Gesangsjuwelen einem begeisterten Publikum. Bewundernswert! Alexander Pereira ging in die Knie vor der Primadonna, als er ihr am Ende den Blumenstrauß überreichte.

Bild: dpk-E.Aumiller

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014